Kunst ist ein synästetisches Mittel um Lachen, Freude, Schmerz, Trauer, Wut, Liebe, Hass und das unermessliche Spektrum menschlicher Emotion und Selbstempfinden, Gedanken, Melodien, Gerüche, Kälte und Hitze auf visuelle Weise erkennbar, spürbar, fühlbar zu machen - Dass diese Idealvorstellung von Kunst noch immer existiert beweisen Caroline Kaltenreiner und Barbara Hausmair mit ihrer Vernissage 'Nennen wir sie Knut' im Wiener Tunnel.
„Was will man mit Kunst bewirken? Weltfrieden? Soziales Verhalten? Humanitäre Nächstenliebe? - Sind doch alles nur Vorwände und Scheingründe um sich vor dem Auge der Öffentlichkeit dafür rechtfertigen zu können, einem unprofitablen defacto, nicht für die Gesellschaft nützlichem Handwerk nachzugehen. Kunst ist Explosion der eigenen Gedanken. Projektion des eigenen Seelenlebens auf ein Stück Leinwand. Die Schlachtbank auf die man böses Blut aus sich fließen lässt, um eine Reinigung des Selbst zu erreichen“ – das ist für Barbara Hausmair und Caroline Kaltenreiner Kunst - Ihre Kunst. Diese Auffassung der bildnerischen Kunst ist vom 8. bis 30. November im Wiener Tunnel unter dem Titel „Nennen wir sie Knut“ ausgestellt und gleicht einer abenteuerlichen Reise durch das Leben. Die Eröffnung findet am 8. November um 19.00 Uhr statt.
Also Kunst ohne intellektueller oder tiefgründiger Intension. Kunst reduziert auf das Wesentliche: Als Mittel des Ausdrucks, der Kommunikation. Beschränkt auf die eigentliche Aussage, ohne Floskeln und Verschönerungen. Hart, ehrlich, provokant sowie faszinierend, eindrucksvoll und schön. So lassen sich die Werke von Caroline und Barbara beschreiben. Die Vernissage ist eine Reise durch die Eindrücken und Empfindungen die die beiden 21-jährigen - die sich die Malerei autodidakt aneignen - in den letzten Jahren gesammelt haben. Zu sehen bekommt man von Akten über Portraits bis hin zu surrealistischen Darstellungen und abstrakter Kunst.
Kunst ohne Pseudointellekt
In Acryl, Öl und Kreide wird alles malerisch thematisiert was den beiden im Laufe ihres Lebens in die Quere gekommen ist: Liebeskummer, Erfolg, die Natur.
„Kunst ist für uns ein Ausdruck unserer Empfindung. Sie erfüllt eine Art Ventilfunktion“, erklärt die Publizistikstudentin Caroline K. im Gespräch. Also kein politischer, sozialer, gesellschaftlicher oder eben intellektueller Hintergrund. Eine erfrischende Abwechslung in der kommerzialisierten Kunststätte Wien, wo man horrende Eintrittspreise in den Museen zahlt, um sich die Werke von so manchen Realisten, Surrealisten, Expressionisten oder was auch immer von einem ehemaligen Kunststudenten interpretieren zu lassen, der jedoch nur die zahlreichen Kunstführer, die er während des Studiums auswendig gelernt hat, zum abertausendsten Mal diktiert.
Einfachheit wirkt
Zurück zu den zwei jungen Künstlerinnen: sie sind, wie sie selbst erzählen, seit Jahren beste Freundinnen. Dass sie beide malen, ist aber eher Zufall. Zu Schulzeiten noch begannen sie – nicht abgeschreckt von der bildnerischen Erziehung in der Pflichtschule – mit dem kreativen Ausdruck ihrer Gefühle. Was zu Beginn noch reine Kritzelei war, ziert schon seit langem die heimischen Wände von so manchem anerkannten Fan. Das Faszinierende an manchen Bildern von Caroline K. und Barbara H. ist die Einfachheit. Ohne dabei Amateurhaft zu wirken, haben sie ein Gesamtwerk geschaffen, das auf aufwendige, einfallsreiche und langwierige Interpretationen verzichten kann und trotzdem verstanden wird.
Back to the roots of art
'Nennen wir sie Knut' - der Titel der Vernissage, wurde absichtlich abstrakt gewählt. Statt Pseudointellekt zu heucheln, entschlossen sich Caroline Kaltenreiner und Barbara Hausmair für das Absurde. Angesichts der Vielfältigkeit und Unterschiedlichkeit der Bilder wahrscheinlich die beste Entscheidung. Der Titel bietet also auch keinen konkreten Zusammenhang mit den Bildern, obwohl man durchaus eine gewisse Absurdität des Lebens in die Werke hineininterpretieren könnte. Eine Absurdität im Sinne von Wertigkeiten und Vergänglichkeit. Dass dies aber im Sinne der beiden Malerinnen ist, ist eher unwahrscheinlich. Das Schöne an der Kunst ist jedoch, dass sie für jeden etwas anderes bedeutet und sie von jedem anderes gesehen wird. So auch die Werke der Studentinnen, die die Besucher mit ihren Bildern sprichwörtlich 'back to the roots of art' führen.