2010-01-23 17:01:44
Hier ein Minnesang auf das dritte Lager. Weil das politische Gedächtnis kurz ist. Und machmal zurückgeblickt werden muss, damit man denselben Fehler nicht noch einmal macht.
Zu Anfang möchte
ich eines klarstellen - nein, eigentlich sind es mehrere Dinge, die zu Beginn gesagt werden müssen.
Uns
steht der Wahlkampf in Wien bevor. Und wieder scheint es so, dass die FPÖ einen Triumph
feiern könnte. Dieser Text soll dazu dienen, uns wieder daran zu erinnern, was wir alles im Laufe der Jahre ertragen mussten.
Dies ist
keine Reportage, kein Feuilleton über Politik. Dieser Text ist ein Pamphlet. Eine
Meinung, die hier vertreten wird. Dort oben beim ersten Buchstaben, den Sie gelesen haben, endet jeder unparteiische Journalismus.
Von mir
werden keine Unterschiede gemacht, die beiden Parteien, BZÖ und FPÖ, zu
unterscheiden. (Denn versuchen Sie, aus einem White Russian Wodka und Kaluha herauszudividieren. Sie werden verstehen, was
ich meine.) Ich halte
mich an Fakten – so wie immer. Als Journalist ist man der Wahrheit
verpflichtet. Aber das ist ein Installateur auch.
H.C.
Strache verbrachte in seiner Jugend viel Zeit im Umfeld von rechtsradikalen Vereinen wie der Vikingjugend. Auf Fotos, die in dieser Zeit geschossen wurden, sind Personen abgebildet, die auch später als prominente Rechtsradikale bekannt wurden. Strache besuchte mehrmals Veranstaltungen derartiger Organisationen. Er war kein
eingeschriebenes Mitglied. Aber: Wenn er dieser
Szene so ablehnend gegenüber eingestellt wäre, wie Strache und die FPÖ stets behaupten, wieso kriecht der FPÖ-Obmann dann eingehüllt in alten Armeeuniformen mit Neonazis durch die Wälder?
Der
Vorsitzende der RFS (Ring Freiheitlicher Jugendlicher), John Gudenus, schlug
einmal vor, eine Adriainsel anzumieten. Menschen, die in Österreich um Asyl ansuchen, sollten dorthin gebracht werden. Seiner Kollegin von
den Grünen fiel dazu nichts ein.
Während eines ORF-Interviews zwischen Strache und Moderator Armin Wolf kam Ernst Jüngers Buch "Der Waldgang" zur Sprache. Es war damals Straches Lieblinswerk. (Heute ist es laut Strache Helmut Schmidts "Die Mächte der Zukunft".)
Armin Wolf sagte damals auch, er habe auf der Homepage des Politikers eine gut geschriebene Zusammenfassung des Buches gefunden. Strache
bestätigte dies. Was aber zu einigen
Komplikationen führte, war Wolfs nächste Frage: Wieso sein
Text Wort für Wort einer Arbeit ähnelt,
die auf einer rechtsradikalen Seite
erschienen war. Bis zum Schluss wurde man das Gefühl nicht los, dass sich Wolfs Gesprächspartner um die Antwort herum drückte. (Siehe YouTube Video)
2000: Als die neu
aufgegangenen Sterne von Schwarz-Blau am Firmament eine neue Ära der Menschheit ankündigten, schrieb
Wolf Martin in der Kronen-Zeitung folgende Zeilen:
"'Antifaschisten lügen gerne - und zwar, dass
sich die Balken biegen. Auch weiß
man, dass sie Fälscher sind und auf dem linken Auge blind. Bekämpfend
wahnhaft, was vermeintlich, antisemitisch, fremdenfeindlich, rassistisch oder nazistisch, sind sie
zunehmend linksfaschistisch. Jahrzehntelang
war dies erwogen und das Volk durch sie "erzogen". Es scheint,
dass das nun jedem dämmert, denn dieses
Land ist nicht belämmert. Und was in
Schülerhirnen sitzt, wird noch einmal ausgeschwitzt.
2003 wurde
Saddam Husseins Regime gestürzt. Einer seiner letzten Gäste war Jörg Haider.
Bei Gaddafi schaute der verstorbene Politiker auch vorbei.
1961 wurde
die mit rechtsradikalen Gedankengut protzende Studentenverbindung Olympia verboten. Im November 2005 sollte
der Historiker David Irving als
Vorredner bei einer
Feier dienen. Er wurde aber auf dem Weg dorthin verhaftet. David Irving leugnet bis heute die Existenz der Gaskammern in Auschwitz.
2003
spielte Liedermacher Michael Müller das Lied "Mit Sechs Millionen
Juden, da fängt der Spaß erst an".
2008 wurde Martin Graf zum dritten Nationalratspräsidenten gewählt. Er ist Mitglied von Olympia.
Während
einer Diskussion im ORF zückte Peter Westenthaler (BZÖ) ein "magisches" Blatt Papier
hervor. Triumph strahlte aus seinen Augen, als er Alfred Gusenbauer anvisierte. "Wissen Sie,
was einer ihrer Stadträte allen ernstes vorschlägt? Dass die Kreuze auf den
Gipfeln durch muslimische Halbmonde ersetzt werden sollen!"
Kaum
ausgesprochen meldete sich eine
Künstlergruppe zu Wort, die diese Presseaussendung erfunden hatte. Man wollte
sehen, wer als erstes darauf hereinfällt.
Beim Begräbnis von Jörg Haider traf Stefan
Petzner eine etwas unglückliche
Wortwahl: "Wofür er gestorben ist, werden wir weiterkämpfen." Normalerweise
klingt das auf der Beerdigung eines
Politikers gut. Nur leider
war Haider nicht Opfer eines unmenschlichen Regimes, sondern besoffen mit seinem VW in eine
Ortstafel gebrettert.
Wenn Skepsis aufkommt – oder auch nicht –, schlagt einfach nach. Ihr
werdet es nicht glauben - und noch mehr davon finden.
bitte bei genauen fragen erreichen sie mich unter meiner emailadresse.
Newsfeed von max sternbauer abonnieren
amen!
yeah! sprachlos, entsetzt, und glücklich über diese Veröffentlichung!
[antworten]
amen!
yeah! sprachlos, entsetzt, und glücklich über diese Veröffentlichung!
[antworten]
vielen dank fürs erinnern. manches vergisst man nie, z.b. der hump-dump sager v. hilmar kabas oder das "ich habe nur drei bier bestellen wollen" per sogenanntem kühnen-gruß.
ich glaube, die typen, mit denen strache "im wald gespielt" hat, waren damals schon bekannte neonazis. er war ja damals mit der tochter des neonazis norbert burger verlobt.
vielen dank also, weiter schreiben!
[antworten]