2008-02-18 20:45:06
Jodie Foster auf dem schmerzvollen, nachvollziehbaren und letztendlich unvermeidlichen Pfad der Selbstjustiz.
Auf Statistiken sollte man sich im Film von Neal Jordan nicht verlassen. New York soll zwar laut Zahlen eine der sichersten Städte der Welt sein, allerdings bekommen Erica (Jodie Foster) und ihr Verlobter David (Naveen Andrews, bekannt aus der Serie Lost) eines Abends bei einem Spaziergang im Central Park die andere Seite der Medaille zu spüren. Das verliebte Paar wird von Straßengangstern überfallen und brutal zusammengeschlagen.
Erica wird schwer verletzt und David stirbt schließlich an seinen schweren Verletzungen im Krankenhaus. Als Erica nach dreiwöchigem Koma aufwacht, erfährt sie vom Tod ihres Geliebten. Sie ist am Boden zerstört. Nur ein Mittel scheint im Stande zu sein ihren Schmerz und ihre Trauer lindern zu können: Rache.
Parallel dazu wird Polizist Mercer (Terrence Howard) eingeführt, ein so loyal wie tüchtiger Polizist, der Ericas Weg kreuzt und später auch
Zuneigung & Empathie für sie entwickelt. Dass die zukünftig von ihm gefundenen Leichen allesamt auf ihr Konto gehen, ahnt Mercer natürlich nicht.
Alles ändert sich
Offen und mit besonderem Faible für Erzählungen, Veränderungen und Nostalgie streift Erica normalerweise durch die Straßen von NYC.
Ausgestattet mit Aufnahmegerät und dem Blick fürs Besondere, nimmt sie dort verschiedene Töne und Klänge der Großstadt auf, mit denen sie ihre vorgetragenen
Geschichten als Radiomoderatorin untermalt.
Sie begeht sowohl offensichtlich schöne Straßen, menschenvolle Orte wie die U-Bahn, aber auch verborgene, besondere Nischen und Ecken.
Nachdem das Krankenhaus sie entlässt, ist dies kaum mehr möglich.
Einen Tag im Freien zu verbringen wird zur Tortur.
Paranoia erfüllt ihren Körper, ständig flackern die Szenen der Vergangenheit auf, sie begegnet ihren Mitmenschen mit Skepsis.
Was liegt also näher, als sich selbst zu schützen? Erica erwirbt auf illegale Weise eine Pistole und schwört weiterhin auf Blutdurst und
Vergeltung.
Tote lügen nicht
Neil Jordan kreiert ein Szenario, dass nah an Charles Bronson und seinem wohl bekanntesten, umstrittenen Film aus dem Jahr 1974, Ein Mann sieht rot, angelehnt ist.
Mittlerweile ist das Thema auch in unseren Breitengraden in den Medien hochpräsent.
Zunehmende Arbeitslosigkeit, Frustration auf Seiten der Bevölkerung und stark zunehmende Jugendgewalt sind heikle Themen, die Politik heutzutage entsprechend reflektiert. Auch der Glaube an Exekutive, an Polizei und Staatsgewalt wird erschüttert und schwindet immer mehr. Die Frage, die man sich stellt: Kann man heutzutage der Polizei noch vertrauen?
Behandeln sie die Fälle mit Sorgfalt und kümmern sich um deren sachgerechte Auflösung, oder scheren sie sich nicht mehr um die Anliegen der Menschen und lassen sich lieber mittels horrender Geldsummen korrumpieren, das gar keine Zeit mehr bleibt für Klärungs- und Klarstellungssversuche?
Die Tätigkeit von Jodie Foster als Radiomoderatorin stellt eine wichtige narrative Ebene der Erzählung dar, und hilft dem Zuschauer ungemein sich in den labilen Charakter der Erica Bain hineinzuversetzen, der ansonsten eher wenig spricht und stattdessen Taten folgen lässt.
Gedanken werden in der Sendung sortiert, Pläne forciert und Gefühle verarbeitet. Die Kamera überträgt mittels kleinen visuellen Tricks wie starkem Lichteinfall, Dehnung und schiefen Einstellungen unmittelbar düstere Visionen und Gefahren auf den Zuschauer, bereitet ihn dadurch vor.
Meist treten die schlimmen Vorahnungen auch ein.
Der schmale Grat
Die Grenze zwischen Mord und Selbstverteidigung ist in The Brave One, so der Originaltitel, schwer zu definieren.
Sympathien entwickelt man unausweichlich für die Rolle von Jodie Foster.
Wohl schon jeder hat sich einmal die Frage gestellt, was man in solch einer schwerwiegenden Situation tun würde, wenn jemand einem Familienangehörigen oder dem geliebten Partner körperlich und seelisch zusetzt.
Eindeutig beantworten kann man diese brenzlige Frage nicht.
Auch dann nicht, wenn Terrence Howard im Film als erzählerisches Mittel in die Bresche springt, um die Morde von Jodie Foster rational und objektiv zu rechtfertigen.
Ob der schmale Pfad der Selbstjustiz den lang ersehnten inneren Frieden bringt?
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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