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Die Entdeckung der Currywurst

2009-07-24 15:06:17

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Schmackhafte Unterhaltung mit einer Prise Zeitgeschichte. Die Verfilmung von Uwe Timms Novelle Die Entdeckung der Currywurst ist knapp ein Jahr nach ihrem Deutschlandstart nun auch in den österreichischen Kinos angekommen.

Die Parallelen zum Film Der Vorleser sind auf den ersten Blick überdeutlich. In beiden Filmen steht eine Affäre zwischen einer reifen Frau und einem bedeutend jüngeren Mann im Mittelpunkt des Geschehens – und zwar ohne Happy End. In beiden Filmen spielt die Zeit des Dritten Reichs eine entscheidende Rolle und beide Filme basieren auf literarischen Vorlagen, die den Autoren Mitte der neunziger Jahre den internationalen Durchbruch bescherten. Ob es da nur Zufall ist, dass beide Filme nahezu zeitgleich im Kino zu erleben sind? Wahrscheinlich schon, aber ein Vergleich der beiden Produktionen drängt sich dadurch auf.

Neben den vielen Gemeinsamkeiten gibt es aber auch entscheidende Unterschiede zwischen den Filmen. Und das nicht nur weil einer internationalen Großproduktion mit der oscarprämierten Kate Winslet ein kleines deutsches Filmprojekt mit der Charakterdarstellerin Barbara Sukowa in der Hauptrolle gegenübersteht, sondern weil zwei völlig unterschiedliche Geschichten über die Liebe erzählt werden, die zwei gänzlich verschiedene Frauentypen als Folge der Kriegsereignisse etablieren. Auf der einen Seite eine pflichtbewusste KZ-Aufseherin, die lieber die Schuld für einen Massenmord auf sich nimmt, als ihr Analphabetentum einzugestehen; auf der anderen Seite eine Frau, die durch die Wirren des Krieges lernt sich zu emanzipieren und in der Folge beschließt ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen.


Liebe in Zeiten des Kriegsendes

Dabei hatte es Lena Brückner – mit Barbara Sukowa hervorragend besetzt – nie leicht. Verführt von einem kammblasenden Macho, wird sie schon nach der ersten Liebesnacht schwanger und muss sich fortan nicht nur mit einem betrügerischen Ehemann, sondern auch mit einem Leben als Hausfrau und Mutter abfinden. Später, mit über 40 Jahren und dem Ende des totalen Krieges vor Augen, befindet sie sich aber in einer ganz annehmbaren Position: Kinder und Mann sind aufgrund der Kriegsereignisse außer Haus und sie selbst leitet die Kantine der Lebensmittelbeschaffung in Hamburg.

Eines Tages trifft sie vor einem Kino auf den zum Volkssturm abkommandierten jungen Marinesoldaten Hermann Bremer (Alexander Khuon). Und auch in Kriegszeiten kommt es wie es kommen muss. Nach einer gemeinsamen Liebesnacht nimmt Bremer Lenas Angebot an, sich bis Kriegsende bei ihr zu verstecken, anstatt als Kanonenfutter auf dem Feld der Ehre zu sterben. Eine amour fou nimmt ihren Lauf. Lena, die wirkliche Liebe nie kennengelernt hat, sieht in dem Soldaten ihre letzte Chance auf Erfüllung ihrer Träume, auch wenn sie um deren zeitliche Beschränktheit weiß. Auch Bremer genießt die gemeinsame Zeit und so scheint inmitten des Untergangs ein Stückchen ungetrübtes Glück heranzuwachsen. Aber die Realität holt die Liebenden ein, als der Krieg durch Hitlers Selbstmord ein jähes Ende findet. Hamburg kapituliert, doch Lena ist noch nicht dazu bereit ihre Liebe aufzugeben. Sie verschweigt Bremer die politischen Entwicklungen, um ihn noch ein bisschen länger in ihrem Matratzenlager halten zu können. Dieser wird ob seiner "Gefangenschaft" allerdings immer ungeduldiger…

Die Entdeckung der Currywurst

Was aber hat das alles mit der Currywurst zu tun? Im Prinzip nicht viel! Die Entdeckung dieser kulinarischen Köstlichkeit ist nur eine kleine Anekdote am Ende des Films. Doch in ihr spiegelt sich der gesamte Handlungsstrang wider. Die Currywurst steht sowohl für das Ende einer Liebe, die von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist, als auch für das Ende eines Krieges, der nicht nur für die Protagonistin, sondern für Deutschland in seiner Gesamtheit die Chance auf Veränderung birgt. An diesem Beispiel werden auch die Stärken des Films ersichtlich. Die Verbindung von Liebes- und Zeitgeschichte, das Psychogramm zweier Menschen und einer Nation, Leichtigkeit und Tiefgang, all das sind die Zutaten, die den Zuschauer die Currywurst in ihrer ganzen Vielfalt entdecken lassen. Der Vorleser mag zwar der große Bruder sein, verstecken muss sich Die Entdeckung der Currywurst dahinter aber keineswegs.

KINOSTART: 24.07.2009

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