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Die Bibel und ich

2010-04-07 15:47:49

  • Bibel Ich jacobs
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„Du sollst Zauberer töten!“ - Das ist nur eines von rund 800 Geboten, die sich in der Bibel finden lassen. A. J. Jacobs hat alle ein Jahr lang wörtlich genommen und darüber ein Buch geschrieben: ein lustiges, ein interessantes, ein menschliches.

Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen. Du sollst nicht lügen. - Das klingt alles einleuchtend. Doch in der Bibel stehen über achthundert Gebote und viele sind nicht im Entferntesten so klar wie die zehn berühmten, die Moses direkt von Gott empfangen haben soll.

Levitikus 19,27: Du sollst deinen Bart nicht stutzen.


A. J. Jacobs ist ein normaler New Yorker. Er liebt Starbucks, checkt andauernd seine E-Mails und schreibt hauptberuflich Artkel für ein Society-Magazin. Mit Religion hat Jacobs nichts am Hut. Er ist zwar Jude, aber die Religion wurde in seiner Familie nicht praktiziert. Zur Weihnachtszeit gab es im Haus von Jacobs Eltern immer einen Christbaum mit dem Davidstern als Spitze.

Für sein Buch Die Bibel & ich hat A. J. Jacobs die Bibel nicht nur gelesen, sondern durchgeackert. Ein Jahr lang - so sein Plan - wolle er alle Gebote der Bibel befolgen. Und zwar wortwörtlich. Wenn da geschrieben steht, „du sollst Ehebrecher steinigen“, dann wird er das auch so machen. Gesagt, getan. Und schwups landet ein Kieselstein auf dem Schuh des alten Mannes im Central Park, der lautstark von seinen vielen außerehelichen Affairen erzählte.

Deuteronomium 21,4: Dort sollen sie der Kuh das Genick brechen.


Jacobs sammelt eine Schar religiöser Menschen um sich, seine Berater in seinem Bibel-Jahr. Er trifft verschiedene Gruppen. Von fundamentalen texanischen Christen, über die Amish, zu ultraorthodoxen Juden, zu den Zeugen Jehovas, bis zu einer Gruppe homosexueller Katholiken, was ja eigentlich ein Widerspruch in sich sein müsste. Doch bei all diesen Begegnungen wird eines klar: Die Bibel und all ihre Gebote sind Auslegungssache.

Während die eine religiöse Gruppe, ohne Witz, auf die Geburt einer roten Kuh wartet - Numeri 19,2: „Sie sollen dir eine fehlerlose, einwandfreie rote Kuh bringen“ -, begnügt sich eine andere Gruppe damit, während ihrer Gottesdienste Giftschlangen vom Boden aufzuheben - Markus 16,18: „Wenn sie Schlangen anfassen, oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden.“

Prediger 9,8: Lass deine Kleider immer weiß sein.


Jacobs macht all das mit. Er will verstehen, wieso so viele Menschen die Bibel als ihren Lebensmittelpunkt ansehen. Wieso sie Einschränkungen und Regeln in Kauf nehmen, die für Außenstehende oft mehr als befremdlich wirken. Jacobs erforscht auch die Abgründe der Bibel: Die Gebote zu Homosexualität, Geburtenkontrolle, oder das Gebot fremdes Blut nicht annehmen zu dürfen (für dessen strikte Befolgung die Zeugen Jehovas seit Jahrzehnten kritisiert werden).

Während all diesen Erfahrungen bleibt A. J. Jacobs jedoch immer vor allem eins: ein Mensch. Er lässt sich nicht hineinziehen in den Sog fundamentaler Fanatiker und deren Theorien, die einem während des Lesens die Gänsehaut über den Rücken jagen.

Markus 12,17: Und sie waren sehr erstaunt über ihn.


Jacobs geht vor allem auf die lustigen, seltsamen Passagen der Bibel ein und probiert alles selbst aus. Leidtragende sind seine Frau und sein kleiner Sohn, die an jedem ersten Monatstag das Blasen eines Widderhorns (Psalme 81,4) und viele andere biblische Selbstexperimente ertragen müssen, die alle aufzuzählen ein ganzes Buch benötigen würde. Ebendieses hat A. J. Jacobs geschrieben. Und es ist mehr als nur lesenswert. Auch, oder vor allem dann, wenn man der Bibel eigentlich schon abgeschworen hat.

"Die Bibel mag uns nicht von Gott diktiert sein, sie mag eine blutige und komplizierte Geburt hinter sich haben, erschwert durch politische Ränke und altmodische Ideen - das heißt aber noch lange nicht, dass die Bibel nicht auch wunderschön und heilig ist." Und das zeigt Jacobs in seinem Buch allemal.

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AutorInnen

Christian Pausch

Christian Pausch

...und ich wär' hier so gerne zu hause,

denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.

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