2007-04-02 00:11:29
Mit ihrem zweiten Album „Mit Dir Sind Wir Vier“ kehrt das Künstlerkollektiv International Pony der Clubszene den Rücken und widmet sich stattdessen den eigenen vier Wänden. Stimmungsschwankungen inklusive.
Mit ihrem zweiten Album „Mit Dir Sind Wir Vier“ kehrt das Künstlerkollektiv International Pony der Clubszene den Rücken und widmet sich stattdessen den eigenen vier Wänden. Stimmungsschwankungen inklusive.
Vier geschlagene Jahre nach dem sensationellen Debütalbum „We Love Music“ wird am 01. September das Nachfolgealbum des aus Hamburg stammenden Trios International Pony veröffentlicht. Hinter diesem Pseudonym stecken drei in der deutschen elektronischen Szene stark umtriebige Künstler namens Stefan Kozalla aka DJ Koze (einigen von euch auch als Adolf Noize besser bekannt), D. Sommer aka Cosmic DJ und Carsten Mayer aka Erobique.
Waren auf dem Cover des Erstlings noch drei jungfräuliche (Engels-)Kinder mit leichtem Babyspeck auf einer Wolke sitzend abgebildet, so springen einem nun drei aufgebrachte Freaks in skurrilen Comic-Kostümen in die Augen. Aber nicht nur optisch hat sich beim Trio einiges verändert, sondern auch musikalisch. Auf „We Love Music“ wurden noch alle angesammelten und aufgestauten Ideen zu einer souligen, tanzbaren Mischung aus French-House, R`n`B und HipHop vermanscht. Bei „Mit Dir Sind Wir Vier“ spielen diese Genres jedoch nur mehr eine Nebenrolle. Überhaupt lassen sich die 12 Songs auf dem aktuellen Werk keiner Schublade zuordnen – was aber auch nicht weiter tragisch ist. Gefüllt wird die Pony-Musikschablone auf jeden Fall mit warmen, druckvollen Bässen, einer kaum aufregenden Snare, filigranem elektronischem Allerlei, prunkvollen Harfen, schmachtenden Bläsern (z. B. in „Still so much“) und schmachtenden Synthieflächen, die sowohl in die späten 80er Jahre als auch in die 90er Jahre passen würden. Die beim Vorgänger noch weitaus öfters eingesetzten Soundschnipseln – auch Samples genannt – werden auf dem Neuling eher eingespart. Was jedoch blieb ist der – eh klar – eingangs stehende Begrüßungstrack „Welcome“, die durch den Vocoder gezogenen Stimmen, die partiell Micky Maus oder Donald Duck ähnliche Ausmaße annehmen und natürlich die Pony-Merkmale: „die Detailverliebtheit, die Art, wie wir arrangieren, dass wir alle drei das gleiche Gefühl dafür haben, wann etwas rund ist, eine Pointe hat. Dass wir wissen, ob etwas lebt und ob es immer lebt.“ (DJ Koze im Spex-Interview; Spex No. 08/2006).
Besonders überzogen wird die oben erwähnte Stimmenverzerrung im Stück „Vodka Biene“. Mit viel Phantasie könnte man behaupten, dass dabei eine besoffene Biene in einen Monolog verfallen ist. Summm! Das ist aber nur einer von den – auch in diesem Album wieder stark angewendeten – International Pony-Späßchen, die dem Ganzen einen Touch kindlicher Verspielt- und Ungezwungenheit einimpfen. Wird dann einmal in unverzerrter Stimmlage gesungen, sind es zum Großteil Gäste, die sich bei „Gravity“ und „Bubble in the Bottle“ dieser Aufgabe stellen. Auf Selbstdarstellung sind diese dabei aber nicht im Geringsten bedacht und drücken ergo dem Song auch nicht ihren persönlichen Stempel auf.
„Please, please, please / Lift Me Up / So I Can See / And We Will Be The Answer To Gravity” haucht die im bezaubernd-leichtfüßigen Song „Gravity” mitwirkende Rica Blunck unaufdringlich aber fordernd vor sich her. Vom Wirken der Schwerkraft kann hier keine Rede sein. Stattdessen wird ein Zustand der Schwerelosigkeit, ein Gefühl des Schwebens und der absoluten Freiheit vermittelt. Danach verbrüdert man sich bei „Solid Gold“, einem Song der auf „Mit Dir sind Wir Vier“ in zwei nur gering von einander unterscheidbaren Versionen zu finden ist, wieder mit der „sweet madness“, um danach einen Sprung bei „Gonzos Grill Party“ vorbei zu schauen. Bei den Songs von International Pony dominieren aber nicht nur die ausgelassene Stimmung und eine sprühende Lebensenergie, sondern auch Melancholie und seelische wie körperliche Ausgebranntheit. Diese streckenweise in ein und demselben Song vorkommenden Stimmungsschwankungen vermitteln, dass Schmerz und Glückseligkeit vor allem in der Clubkultur ziemlich knapp beisammen liegen. Davon können die „alten Hasen“ von International Pony ein Liedchen singen. Deshalb möchten sie auf ihrem aktuellen Werk nicht in die keinen Morgen kennende Clubszene eintauchen. Viel lieber wollen sie mit „Mit Dir Sind Wir Vier“ in den eigenen vier Wänden verbleiben und es sich dort gemütlich machen. Das zeigt sich vor allem daran, dass kaum ein alles niederschmetternder musikalischer Ausbruch – wie er noch auf „We Love Music“ zu hören war – auszumachen ist. Glaubt man einen Ansatz von Eruption zu vernehmen, wird schon wieder mit zarten Flächen sorgfältig drüber harmoniert. Ein tolles Album für die Allgemeinheit. Was aber um Himmels Willen nicht heißen soll, dass es sich hierbei um Pop handelt!
"Mit Dir Sind Wir Vier" von International Pony ist bereits via Sony/Bmg erschienen.
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