2007-04-02 00:10:08
Das neue Album der „2raumwohnung“, welches den Namen „Es Wird Morgen“ trägt, ist soeben erschienen. FM5 hat die „2raumwohnung“ anlässlich ihres Frequency-Auftritts vor das Mikro gebeten.
Das Jahr 2000 war das Gründungsjahr des Duos aus Berlin, das aus der charismatischen Inga Humpe, die bereits in den NDW-Zeiten einige Erfolge verbuchen konnte – "Ich düse, düse, düse, düse im Sauseschritt..." – und dem Electro-Guru namens Tommi Eckart besteht. Vier erfolgreiche Jahre und drei Alben – wobei es sich bei einem um eine Remix-Platte handelt – sind seit dieser Zeit vergangen. Seit 30. August 2004 ist ihr neues Werk „Es Wird Morgen“ im Handel erhältlich.
Das Interview:
Ein neues Album mit neuem Gesicht. Die Beats sind meiner Meinung nach härter. Wie kam es dazu?
Tommi: Ich denke schon, dass es gegensätzlicher geworden ist als das letzte. Das vorige Album „In Wirklich“ war minimal und sehr straight. Das neue Album wirkt verspielter und die Gegensätze sind größer. Das heißt: Wenn es „clubbig“ ist, sind die Beats härter und wenn es „gitarrig“ ist, sind die Gitarren härter.
Inga: Ingesamt kann man sagen, dass auf dem neuen Album mehr Töne zu finden sind. Wir haben viele Leute zum Mitspielen und Mitschreiben eingeladen. Die „2raumwohnung" hat ihre Türen ein wenig geöffnet und es ist so etwas wie eine kleine Kommune entstanden.
Ihr habt bei eurem heutigen Auftritt auf dem FM4 Frequency Festival ein neues Lied gespielt, das dem Publikum noch nicht geläufig war. Nichtsdestotrotz ist das Publikum voll mitgegangen. Wie habt ihr das empfunden?
Es liegt vor allem an der Art des Publikums. Ich glaube, wenn die Leute an Musik interessiert sind, dann sind sie auch nicht abgetörnt, wenn sie ein neues Stück hören.
Ihr werdet auch gerne als Retter der deutschen Pop-Musik bezeichnet. Wie steht ihr zu dieser Aussage und wie seht ihr die deutsche Pop-Musik?
Tommi: Es gibt im Moment, was mich sehr freut, viele neue Projekte. Früher gab es nur Grönemeyer, Rosenstolz und vielleicht noch drei andere.
Inga: Es ist schön, dass es so vielfältig geworden ist. Am Anfang, als wir über deutsche Texte redeten, ging es immer darum, ob es Schlager ist oder nicht. Das ist jetzt vorbei, weil sich einiges verändert hat. Vor allem die Sprache hat einen eigenen Rhythmus und eine eigene Ausdrucksweise gefunden, sodass der Bezug zum Schlager überhaupt nicht mehr gegeben ist.
Das ist doch ein Schritt nach vorne in der Evolution.
Spielt ihr lieber auf Festivals oder bevorzugt ihr die Clubkonzerte im kleineren Kreise?
Inga: Im Moment spielen wir nur auf Festivals. Und ich finde es grandios.
Tommi: Beides hat irgendwie Vorteile. Auf einem Festival musst du nicht den ganzen Abend schmeißen und das ist entspannend. In kleinen Clubs ist es dagegen intimer und es herrscht noch eine persönlichere Stimmung. Dadurch ist es möglich, dass man mit dem Publikum noch Augenkontakt herstellen kann.
Vermisst ihr bei großen Konzerten nicht den Kontakt mit dem Publikum?
Inga: Nein, vermissen nicht, weil große Konzerte etwas ganz anderes sind. Wir spielen auch oft in großen Hallen vor 2000 bis 3000 Zuseher. Die Distanz zum Publikum kann man auch überwinden.
Du schreibst gerne Texte für Frauen. Ist es für dich wichtig, dass du deine Persönlichkeit oder deinen Standpunkt als Frau musikalisch in den Vordergrund bringst?
Inga: Nein, für mich ist das überhaupt nicht wichtig. Für mich ist wichtig, dass ich meine Persönlichkeit mit den anderen Menschen verbinde. Dafür muss man manchmal was Persönliches betonen und wenn das eben eine Frau ist, ist klar, dass es sich dabei um eine weibliche Sichtweise handelt. Ich möchte mich als Frau auf keinen Fall abgrenzen, sondern mit den Frauen und Männern verbinden, die beide Elemente in sich spüren. Es geht darum, dass man die beiden Geschlechter in sich selbst findet.
Wenn „Sexy Girl“ ein Mann singen würde, wäre das für mich sexistisch. Wie siehst du das?
Inga: Ich sehe das genau so. Es ist interessant, diese Perspektive einzunehmen und ich glaube, in dieser Sache machen wir auch sehr viel. Mir persönlich gibt die klassisch stumpfe Rock-Musik überhaupt nichts. Ich mag es eher weiblich, sexy und schwul.
Gibt es zu diesem Zeitpunkt bereits einen Sommerhit, der den Sommer 2004 für euch am besten beschreibt?
Inga: Ich habe einen ganz neuen persönlichen Sommerhit und das ist „Everyhing is Everything“ von „Phoenix“. Den finde ich so irre gut.
Tommi: Wir sind totale „Faithless“ und „Seeed“ Fans.
Was ist euer derzeitiger Lieblingsremix von euren Liedern?
Inga: Immer der neueste ist der Beste und das ist zur Zeit der „Alter Ego“-Remix von „Spiel Mit“.
Habt ihr euch schon einmal Gedanken darüber gemacht, unplugged zu spielen?
Inga: Ja, unsere Gedanken kreisen darum und jetzt wo wir die Band haben, ist das noch eher möglich.
Tommi: Wir machen das jetzt manchmal vor Auftritten. Dabei sitzen wir im Bandbus oder Backstage, spielen ein wenig Gitarre und trommeln dazu.
Inga: Das haben wir bei „Seeed“ gesehen und gelernt. Die machen das immer vor ihren Auftritten. Wir hatten schon einmal vor, dass wir Stücke wie „Wir trafen uns in einen Garten“ ganz ruhig gestalten.
Tommi: Wir wollen so eine Art Sonntagvormittags-CD machen, die man gleich nach dem Aufstehen auflegen kann.
Ist der Text von „Wir trafen uns in einem Garten“ autobiographisch?
Inga: Es ist alles irgendwo erlebt, aber es ist immer nur ein Teil davon autobiographisch.
Ich persönlich höre eure Songs gerne beim Aufwachen. Was hört ihr privat gerne, wenn ihr aufsteht?
Inga: “Phoenix” mit “Everything is Everything”. Nur noch “Phoenix”!
Tommi: Ich höre am liebsten die Sachen von unserem Freund, der viele 80er-Jahre Jamaika-Songs auf einem Berliner Label (Basic Channel) wieder veröffentlicht.
Anhang: Das Interview wurde gemeinsam mit Campus Radio 94.4 geführt.
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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