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kreatives

Des Nächtens…

2007-04-02 00:10:57

Der Schlaf, die wohl gemütlichste Form geistiger Abwesenheit, verscherzte es sich schon lange mit mir. Bis ich ihm auf sehr milde Art zu verstehen gab, dass ich ihn nicht abonniert habe. Worauf er sich nicht mehr bei mir gemeldet hat. Im Folgenden der Abschiedsbrief, den er sich auf jeden Fall verdient.

Lieber Schlaf!


Bevor ich auf dich losgehe wie das Wildschwein auf seine Beute, will ich gerne wissen, wie es dir geht. Bist du wenigstens gut aufgehoben? In einem komfortablen Bett? Jedenfalls findest du in mir den allergrößten Gönner, der dir von allem Herzen eine weiche Sitz- oder Liegmöglichkeit wünscht. (Die letzten drei Sätze entsprechen – nicht wie du, gestraft mit viel Dummheit, wohl vermuten würdest – purem, dir gebührendem Zynismus.)

Nun, meine Wenigkeit kommt nicht umhin, dich mit einem Napoleon-Zitat zu belästigen. Der gute alte Franzose sagte einmal: „Vier Stunden schläft der Mann, fünf die Frau, sechs ein Idiot.“ Mir ist schon klar, dass dich diese kleine Konfrontation als klaren Verlierer aus dem Ring steigen lässt und du mir sehr böse sein wirst. Aber: Mir schnurze! Denn du warst es, der mir sämtliche kreative Gehirnzellen durch bloße Anwesenheit gestohlen hat. Wegen deinem offensichtlichen Overkill bin ich jetzt da, wo ich bin: Schreiber eines kleinkariert und dilettantisch geführten Online-Magazins, das durch schlecht verfasste Artikel mit unrühmlicher Wortwahl und ebenso lächerliche, ja miese Interviews auffällt. Damned! Ich könnte bereits für meisterhafte Publikationen wie „Der Standard“, „Die Presse“, nein „F.A.Z.“, „SZ“ oder „NZZ“ mein schreiberisches Talent in Gold umwandeln und Kohle scheffeln, dass sich Bill Gates die Augen vor so viel Neid freiwillig auskratzen würde. Aber du, Schlaf, hast meinem Vorhaben einen Strich durch die Rechnung gemacht – ich hasse dich dafür! Auf ewig! Kein Abend verging ohne dass du meinen Körper überfallen hast, du Hüter meiner Müdigkeit! Doch aus der Traum, denn spätestens seit Erfindung schlaftötender Getränke bzw. sogenannter „Energy Drinks“ – wir wollen an dieser Stelle keine Werbung machen, obwohl es solchen Unternehmen alleine schon wegen ihrer Intention, den menschlichen Körper nie zur Ruhe bringen zu wollen, gegönnt sei – bist du arbeitslos; zurecht, wie ich meine, du antikreatives Würschtl! Immer wenn meine Birne endlich frei von alltäglichem banalen Schrott war, hast du dich in mein ohnehin schon so kompliziertes Leben eingemischt und alle schönen Gedanken zerstört, als ob es dein Hobby wäre…


Aber selbst schuld, wenn du dir Künstler, Musiker und arme Schreiberlinge zum Opfer nimmst und ihnen durch eine Menge Schlaf nicht nur Zeit, sondern auch finanzielle Linderung, nämlich Geld, stiehlst. Außerdem, die Tatsache, dass schlafen für den Allerwertesten  und eh nur zeitraubend, jedoch in keiner Weise gewinnbringend ist, ist auch an dir vorbeigezogen. Selbstverständliche hätte dir das schon vor der Kündigung meinerseits auffallen müssen! Schlafen kann man, wenn man tot ist, hat einmal irgendjemand gemeint. Und der Autor hat verdammt Recht! Also, bis in alle Ewigkeiten: Ich vermisse dich nicht! Nicht, wenn ich wie ein Zombie aus einem Nachtschuppen – für Yuppies: Disco – wanke. Nicht, wenn ich auf einem 3-Tages-Musikfestival ohne Schlaf auskommen muss. Und schon gar nicht, wenn ich nicht schlafen will. Kunst braucht Leid…


Dein Abonnement-Kündiger Johannes

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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