Der nunmehr dritte Konzertabend der Veranstaltungsreihe "Unplugged im Pornokino" ging letzten Freitag, am 25. November, im Bombenkeller des Hotel Donauwalzer über die Bühne. Auf der Bühne hingegen gab es nichts pornografisches zu sehen, sondern Musik der feinsten Art zu hören.
Was man aus einem der abgefucktesten Keller von ganz Wien mit ein bisschen rotem Stoff, Kreativität, Sesseln und Tischchen, Kerzenschein und zugegebener Maßen nicht ganz jugendfreien Videoprojektionen aus dem alten Rom alles machen kann, wurde wirklich eindrucksvoll bewiesen.
Geschaffen wurde eine knisternde Zuhör–Atmosphäre, gemütlich wie im Wohnzimmer, eine kleine Bühne, auf der im Laufe des Abends eine Unzahl von groß aufspielenden Musikern Platz fand. Danach ein DJ, der die Party bis in die frühen Morgenstunden vorantrieb.
Doch der Reihe nach: Um 21.00 Uhr war der Bombenkeller schon gemütlich voll, alle Sitze belegt, das Bier angezapft, also quasi alles bereit zum Start.
Jim, Mitglied der Theaterimprovisationsgruppe "The English Lovers" betritt die Bühne und bereitet das Publikum auf das vor, was es zu erwarten hat: Let’s make a musical palace of porn! Let’s celebrate the singer/songwriters!
Er erzählt einiges über die einzelnen Künstler, von Clara von Alalie Lilt, Hadu von rough and rugged, Moritz von Tyler, Andie Gabauer von den Hot Pants Road Club bis hin zu Andreas Remenyi, Piotre Szwarczewski und Lukas Filipek, die drei Songwriter von Petsch Moser.
Und darüber, dass nicht nur Solo-Performances folgen werden, sondern übergreifende musikalische Handgreiflichkeiten zu erwarten sind.
Den Anfang machte gleich einmal Clara Humpel von den sich leider auflösenden Alalie Lilt. Die Nachwirkungen von der Blue Bird Songwriter Nacht in der Szene vom Vortag bekämpfte sie gemäß ihrer Aussagen genüsslich und äußerst erfolgreich mit kühlem Hefesaft. Musikalisch waren auch keinerlei Beeinträchigungen durch die vornächtlichen Strapazen zu bemerken.
Im Gegenteil: Sie fesselte und faszinierte durch eine klare Stimme und eine gekonnte Performance. Ihre eigene Gitarre blieb aufgrund technischer Probleme Backstage, sie borgte sich Hadus Gitarre und zeigte sich während des ersten Liedes äußerst amüsiert und auch etwas überrascht über den etwas abgewetzten Zustand derselbigen: Die hat ja ein Loch! Aber ein weiteres Schallloch hat noch keiner Gitarre geschadet.
Nach ihr und Hadus Gitarre dann schließlich Hadu selbst. Der Singer/Songwriter der Band ‚rough and rugged’ holte gleich mal alle anwesenden Musiker zu einem Rundumschlag auf die Bühne. Kaum zu glauben, dass diese Formation in dieser Gestalt zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne stand: Chöre, Überstimmen und Gitarrensolos (Moritz Gaber von Tyler und Gast-Gitarrist Severin Crogbacher), Percussion (Jochen Reidinger von Groundlift und Lerchenfeld) und Philip Mayr (die Päpste), alles da, was man braucht. Vor allem die gesangliche Leistung der Herren war schlicht gesagt einfach fantastisch. Und Deutschland sucht immer noch den Superstar…die Armen!
In dieser Tonart gings weiter: Jim kündigte Moritz Gaber an, der nach ein, zwei Solostücken wieder einige auf die Bühne holte. Die Musiker hatten an diesem Abend wahrlich ihre Freude am Spielen. Da war nichts starr und nichts vorhersehbar.
Andie Gabauer präsentierte neue Päpste Songs, unter anderem eine fulminate Version des Liedes ‚Meer’ mit dem gesamten ‚Unplugged im Pornokino’ Musikerstab. Der Frontmann des Hot Pants Road Club und der Päpste überzeugt durch Bühnenpräsenz und eine perfekte Stimme in allen Höhen und Tiefen. Ein Bühnenmann durch und durch, mit jeder Faser.
Jim wollte die drei Songwriter von Petsch Moser auf die Bühne holen, das war aber dann gar nicht so leicht, weil sie einfach nicht auffindbar waren. Woraufhin Jim selbst zur Gitarre griff und Andie Gabauer als Sänger und Textschreiber zur Tat schritt. ’Wo sind Petsch Moser, Petsch Moser, ich find sie nicht, äla petsch, äla Petsch Moser!’
So wurden die drei Herren von Petsch Moser zur Bühne gelockt: Andreas Remenyi, Piotre Szwarczewski und Lukas Filipek. Und sie konnten und wollten sich nicht wehren und standen kurz darauf auf der kleinen Bühne und spielten ihren ersten unplugged Gig ihres Lebens.
Dem Publikum gefiel es! Und sie selbst hatten wohl auch ihren Spaß daran.
Danach wars eigentlich aus, aber so richtig aus wars noch lange nicht. Denn wiederum versammelten sich alle noch halbwegs nüchtern gebliebenen Musiker auf der Bühne und spielten ein Medley von Nummern, die einfach Partystimmung aufkommen ließen. Das ganze gipfelte in der musikalischen Abschlusshuldigung an die Beatles ‚Hey Jude’. Und wenn man den Musikern Glauben schenken darf, passierte das ganze gänzlich ungeprobt. Der Funke sprang über, das Publikum war entzückt, die Musiker glücklich.
Verdammt war das schön!
Gefeiert wurde dann unter DJ-Anleitung noch bis in die frühen Morgenstunden.
All jenen, die sich jetzt kräftig in ihren Allerwertesten beißen, weil sie nicht auf dieser Veranstaltung waren, sei nun ein Termin ans Herz gelegt.
Das Obscura-Team wurde an diesem Abend auch im Rotlicht des Bombenkellers gesichtet. Mit einem Aufnahmegerät bewaffnet schnitten sie einige Songs mit und interviewten den einen oder anderen Musiker.
Das dort aufgenommene Material wir am 06. Dezember um 20.00 Uhr in Form einer Sendung auf
Radio 1476 ausgestrahlt und ist auch unter
http://www.obscura.at via Stream erreichbar.
Nach der Ausstrahlung kann diese Sendung mit dem gesamten Beitrag über die Veranstaltung „Unplugged im Pornokino“ downgeloadet werden. [mar]