2007-09-25 15:08:59
...doch was er bereit hält, weiß niemand. Im Kinofilm Die Vorahnung wird Sandra Bullock von scheinbar unwillkürlichen Schicksalswendungen an den Rand des Wahnsinns getrieben.
Linda Hanson (Sandra Bullock) führt mit ihren beiden Töchtern und ihrem Mann Jim (Julian McMahon) ein idyllisches Leben. Unsanft wird sie aus ihrer Lebensfreude gerissen, als Jim eines Tages bei einem Autounfall verunglückt. Von diesem Moment an gerät Lindas Leben völlig außer Kontrolle, denn als sie am nächsten Morgen erwacht, trinkt Jim wohlauf Kaffee in der gemeinsamen Küche. Linda vermutet einen Albtraum, muss aber nach einer weiteren Nacht feststellen, dass ihr Ehemann abermals nicht mehr unter den Lebenden weilt. Verwirrung und scheinbarer Wahnsinn halten Linda in ihren Fängen, bis sie beginnt, Ordnung in das Chaos zu bringen und sich der unglaublichen Wahrheit Schritt für Schritt zu nähern.
Zeitenstrudel
Der prägende Faktor des Films besteht im Spiel mit der Zeit. Sie weicht von der natürlichen Linearität ab, wirbelt die Protagonistin in einem Strudel durcheinander. Die Geschichte kommt dabei rasch in Fahrt und beginnt sehr bald rätselhaft zu werden. Die Ereignisse, die Linda widerfahren, weben ein mysteriöses Netz aus Vergangenem und Zukünftigem. Die Komplexität des zunächst noch verwirrenden Handlungsablaufs lässt sich durch den mitdenkenden Zuseher aber recht rasch reduzieren, während Linda selbst, weiterhin im Dunkeln tappt. Eine etwas längere Undurchschaubarkeit der Gesamtzusammenhänge, auch für den Kinobesucher, hätte dem Film gut getan. Im Mittelteil regt sich phasenweise das Bedürfnis, den kleinen, entwirrenden und aufklärenden Schritten der Protagonistin Linda mehr Größe zu verleihen oder ihr einen Tipp zur Lösung des Rätsels geben zu können. Die Geduld wird aber mit einem spannenden letzten Drittel und einem überraschenden Ende belohnt.
Inhalt killt Langeweile
Regisseur Mennan Yapo versucht Spannung aufzubauen, indem er einerseits vereinzelt Schreckmomente in den Film einbaut und andererseits tief in der altbewährten Mystery-Kiste kramt. Diese Kombination trägt zwar in vielen Filmen in Form eines erhöhten Adrenalinspiegels beim Zuseher Früchte, wird in diesem Fall aber etwas zu lasch und inkonsequent angewendet, weshalb sich höchstens Zuseher mit sehr schwachen Nerven gelegentlich in die Armlehnen krallen dürften. Es ist vielmehr die Handlung selbst, die den Kinobesucher fesselt. Bis auf einen eher langweilig geratenen Abschnitt im Mittelteil, hält der Film die Aufmerksamkeit beim Betrachter hoch und lädt ein, dem über Irrwege führenden Schicksal von Linda gespannt zu folgen.
Liebe und andere Grausamkeiten
Die Themen, die im Hintergrund aufgegriffen werden, sind fast gegensätzlich zum Mystery-Thriller-Genre, in das der Film einzuordnen ist. Trotzdem überraschen sie wenig. Sie sind typisch für amerikanisches Mainstreamkino. Da ist die Liebe, die, kaum verwelkt, schon wieder erblüht. Der Glaube, der uns als Fels in der Brandung des Lebens Rückhalt gibt. Manchem europäischen Besucher dürfte diese Werte-Hommage wohl das eine oder andere Augenrollen abverlangen.
Zur Abrundung des Wertegemischs kommt zu guter Letzt der klassische amerikanische Traum zum Einsatz, der hier allerdings auf eine harte Probe gestellt wird. Unbegrenzte Möglichkeiten nutzen und durch Wille und harte Arbeit materielle wie intellektuelle Bereicherung erfahren? Etwas modifiziert ist auch dies Teil der Geschichte, in der auch Linda schließlich Unerreichbares erkämpfen will. Dabei durchläuft die Protagonistin mehrere Phasen: zunächst der Hilflosigkeit ausgeliefert, springt sie zum diametralen Zustand des Gott-Komplexes über, um dann aus diesem die Kraft für den Versuch zu schöpfen, die Schicksalslinie in ihrem Sinn zu formen.
Philosophisches Endergebnis?
Wird der traditionelle amerikanische Wertetraum, nämlich alles erreichen zu können wenn gewollt und hart gearbeitet wird, im Film siegen und der Homo sapiens in Lindas Gestalt somit in den Rang einer schicksalsbeeinflussenden Allmacht aufsteigen? Oder stürzt der Mensch ab, muss sich seiner, in Anbetracht der Größe des Universums und der ungleich größeren Kräfte dieses, mikroskopisch kleinen Existenz wieder einmal bewusst werden? Das Ende gestaltet sich, in dieser Hinsicht, interessant, wird hier aber nicht verraten.
Fazit
Die Vorahnung ist ein solider Mystery-Thriller mit einer die Aufmerksamkeit fordernden, interessanten Erzählweise und einer durchaus gelungenen Story. Jenen, die amerikanisches Mainstreamkino mögen, sich von Werte-Klischees nicht abschrecken lassen, und in einem Kinobesuch gute Unterhaltung suchen, sei dieser Film wärmstens empfohlen.
Ab 12. Oktober in österreichischen Kinos.
getrieben im reißenden Lebensfluss; verwirbelt, umhergerissen, (noch) richtungslos;
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