2010-02-25 21:59:38
Wie Adam Green mit nur einem Schuh aber dafür doppelt soviel Energie die Arena Wien (und einige Fans ganz besonders) bespaßte und was das alles mit Musik zu tun hat.
Eine so vollgestopfte Große Halle in der Arena Wien habe ich schon lange nicht mehr gesehen, deswegen habe ich mich gleich freiwillig dazu entschieden das ganze Geschehen um und mit Adam Green aus sicherer Distanz zu verfolgen. Leider ist das auch dort, wo Teenies zu Balladen headbangen und Betrunkene Texte grölen, deren Sprache mir nicht so klar ersichtlich ist. Aber gut, daran will ich mich jetzt nicht weiter stören und konzentriere mich lieber darauf, was ganz vorne auf der Bühne so vor sich geht.
Zugegeben, das Gehampel auf der Bühne
ist an sich auch nicht viel schöner anzusehen. Nur mit dem
Unterschied, dass Herr Green es irgendwie schafft einen
unglaublichen Charme zu versprühen mit seinem etwas tapsig
unkoordiniertem – man möchte es ja fast nicht so nennen – aber
sagen wir eben, Tanzen. Das Ganze hat etwas von einem spätpubertären
Buben, der zum ersten Mal von daheim weg ist und so richtig die Sau
rauslässt. Aber wesentlich lustiger zu beobachten. Und talentierter.
Zwar nicht in Tanz, aber im Gesang.
Stimme vs. Show
Ich hatte zuvor noch nie das Vergnügen
Adam Green live zu hören und auch wenn man natürlich weiß, wie er
klingt, die Stimme, die da aus dem selbstbetitelten "jewish James
Dean" heraussprudelt, überrascht es mich dann doch sehr. Sie hat, ganz
gegensätzlich zu seiner restlichen Performance, etwas Ernstes und
Tiefgründiges an sich. Sie klingt fast ein bisschen so, als ob sie
etwas Trauriges ausdrücken möchte, dass das ganze Tamtam drumherum
nicht ganz verdecken kann. Wahrscheinlich ist das auch der Fall.
Aber es ist schon eine komische Sache
mit Adam Green. Zweifelsfrei sehr talentiert, eine unglaubliche
Stimme, eine sehr unterhaltsame Show. Stellt sich für mich nur
wiederum die Frage, wieso die ganze Show, wenn man doch so eine Stimme
hat. Ich dachte immer, dass bleibt für diejenigen, die etwas
brauchen, um von ihrer Stimme abzulenken. Müsste er nicht. Tut er
aber leider irgendwie trotzdem.
Stagediving, Autogramme, heiße
Küsse und ein Paar Schuhe weniger
Denn was mir jetzt im Nachhinein
hauptsächlich in Erinnerung bleiben wird, ist wie Adam es in einem
seiner unzähligen Stagediving-Versuche irgendwie geschafft hat
seinen Schuh zu verlieren und die restliche Show versuchte, selbigen
zurück zu fordern und letzten Endes doch kläglich gescheitert
ist. An dieser Stelle mein Beileid den Nerven der Arena-Security und
ein herzliches Dankeschön an Michael, der seine 15 (oder etwas
weniger) Minuten Ruhm am Ende des Konzerts mit Adam auf der Bühne
verbringen durfte. Singend ("My penis is five meters long"),
grölend und knutschend. Ja, in der Tat war Adam wohl so angetan,
dass er sich nicht mehr beherrschen konnte und einen seiner wenigen
männlichen Groupies zu Boden riss und dort blieben die beiden dann
auch eine Weile. Hat den jungen Herren aus dem Publikum aber nicht
weiter aus dem Konzept gebracht, kaum wieder auf den Beinen, griff
er sich schon das nächstbeste Mikrophon um seine Performance
fortzusetzen. Da konnte auch Adam Green nur mehr lachen.
Und all das hatte jetzt relativ wenig
mit der eigentlich ganz tollen Musik des jungen Amerikaners zu tun.
Obgleich alles wirklich sehr unterhaltsam und lustig anzusehen, Betty
aus dem Publikum sich bestimmt über ihr Geburtstagsständchen
gefreut hat, ebenso wie die Mädls, die bereits bei meinem Interview
am Nachmittag vor dem Konzert vor der Arena warteten oder der Fan,
der während des Auftritts ein Autogramm bekam - ein bisschen viel
Theater war's dann doch.
Musik vs. Theater
Es scheint nicht so einfach zu sein
die richtige Mischung aus Musik und Theater drum herum zu finden,
aber ich denke, das ist wohl ganz in Ordnung so für eine Adam Green
Show. Wenn er ganz alleine auf der Bühne sitzen würde, ohne
Herumgehampel und ohne Scherz zu reißen, würde uns ja auch etwas fehlen und wir
würden es ihm nicht so ganz abkaufen. Wobei zum Schluss hat er das
sogar getan. Adam, eine Gitarre, ein Barhocker und eine unglaubliche
Stimme, sonst nichts. Dafür allerdings auch oben ohne.
Man muss wissen was einen erwartet und
bei allem anderen was so auf der Bühne passiert, sich selbst daran
erinnern die Musik nicht außer Acht zu lassen. Für den Fall, dass
Adam Green vergisst uns darauf aufmerksam zu machen.
Ja, ich finde dieses Foto repräsentiert mich sehr gut.
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