2008-03-19 19:44:15
Wenn eine literarische Vorlage von Stephen King verfilmt wird, ist das immer einen Bericht wert. Diesesmal lohnt es sich gleich doppelt, denn Regisseur Frank Darabont serviert nebulösen stimmungsgeladenen Grusel, der am Ende doppelt schockt.
Das Wetter spielt verrückt.
Wissen wir. Die Bedrohung in Darabonts Film Der Nebel ist jedoch nicht nur auf das Klima und die Atmosphäre zurückzuführen.
Dicke undurchdringliche Nebenschwaden ziehen plötzlich über das kleine Städchen Castle Rock und deren Bewohner herein, doch was haben sie zu bedeuten? Welch mysteriösen Ursprung haben sie?
David (Thomas Jane) und sein Sohn Billy fahren gerade zum örtlichen Supermarkt, als sie die Veränderung mitbekommen.
Weil es zu gefährlich ist und man die Hand nicht vor Augen sieht, wird der Supermarkt schließlich zu einer menschlichen Bastion gegen Ungeheuer, die der Nebel scheinbar beheimatet.
Wie lange sie dort ausharren müssen und ob das Kaufhaus den unbekannten Erschütterungen überhaupt standhält, ist unklar.
"Wo Zorn nimmt Überhand, da steigt ein Nebel auf, der den Verstand verblend und wehrt ihm seinen Lauf."
(Friedrich von Logau, dt. Dichter)
Wie üblich bei Stephen King, spielt sich der Horror meist in den Köpfen der Leser oder Zuschauer ab.
Darabont weiß das und nutzt es für die Verfilmung der Kurzgeschichte gekonnt aus. Die Monster, die an die Bilder von Hieronymus Bosch angelehnt sind, die durch den Nebel wandern und dort ihr Unwesen treiben, bekommt man selten ganz zu Gesicht, abgesehen von kleinen Drachen, schleimigen Riesententakeln oder größer geratenen Insekten.
Gleichzeitig ist der Film eine Metapher über den Menschen und deren Reaktion in schwierigen Situationen.
Die unterschiedlichsten Bewohner versammelt der Supermarkt in diesem Moment, und so geraten sie schon nach kurzer Dauer aneinander.
Die einen sind Realisten und glauben nicht an Übernatürliches, die anderen zwar auch nicht, doch haben sie Dinge gesehen, die kaum ein Trugbild ihrer verwirrten Gedanken waren.
Christlicher Fanatismus, Risikobereitschaft die den Tod kostet, unterschwelliger Rassismus oder auch Angst prallen im weiteren Verlauf aufeinander.
"The end of times has come. Not in flames, but in mist."
Darabont legt den Fokus seiner Erzählung auf die einzelnen Charaktere und wie diese in solch einer Situation reagieren.
Der Nebel ist eigentlich nur Nebensache für Unausgesprochenes.
Um einiges besser inszeniert als Zimmer 1408 von Mikael Håfström, der letzten King-Franchise, schlägt das Ende einem sogar doppelt in die Magengegend.
An einigen Stellen bereits heiß diskutiert, soll es hier nicht vorweggenommen werden.
Wichtig: Die Hoffnung darf der Mensch nicht aufgeben.
Auch dann nicht, wenn es aussichtslos erscheint. Der Film stellt dies mal wieder unter Beweis.
Daran hätte sich auch David Drayton halten sollen, bevor er gleich mehrmals den schlimmsten Fehler seines Lebens begeht.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
Newsfeed von Daniel Gilic abonnieren