Freies Magazin FM5

Plattform für Kunst und Jugendkultur

ohne Nav

 

musik

Der Mensch ist eine Maschine

2007-04-02 00:11:24

"Meine Damen und Herren. Ladies and Gentlemen. Heute Abend. Die Mensch Maschine. Kraftwerk."

"Meine Damen und Herren. Ladies and Gentlemen. Heute Abend. Die Mensch Maschine. Kraftwerk."

Als ein anständiger Computer noch Räume so groß wie Turnhallen füllte und die Rechenmaschine ihren wohlverdienten Platz im Museum einnahm, wurde das nunmehr über 35 Jahre laufende Projekt Kraftwerk ins Leben gerufen. In einer Zeit, in der die elektronische Musik noch belächelt wurde und als unnötiger Bestandteil galt, schlossen sich vier junge Männer aus Deutschland zusammen – ohne zu ahnen, welchen Status sie nach 12 Alben und unzähligen Singles in der weiten Welt der Musik einnehmen würden.

Das Konzept der Band ist klar strukturiert und wirkt kühl wie eine Stahloberfläche im Winter: Kraftwerk stellen ständig den Menschen in Verbindung mit der Maschine in den Mittelpunkt ihrer Lieder. Dabei verarbeiten sie den Schweiß von Fabrikarbeitern, der durch schwere monotone Fließbandarbeit hervorgerufen wurde, das Dampfen der Turbinen, das brachiale Klopfen des Hammers auf den Amboss und die Gefahren des technologischen Fortschrittes in ihren Songs.

35 Jahre nach der Gründung sind die vier Elekro-Urgesteine jedoch keineswegs müde. Ganz im Gegenteil: Das Jahr 2005 ist eines der produktivsten in der bisherigen Kraftwerk-Karriere. Grund dafür ist die im Vorjahr absolvierte Welttournee und die im unmittelbaren Zusammenhang stehenden Releases. Zur CD und einem Buch gesellt sich nun auch noch eine Doppel-DVD.

Weniger ist mehr
Das die Menüführung auf „Minimum-Maximum“ eher minimalistische Möglichkeiten aufweist, ist nicht groß verwunderlich, da auch der Internetauftritt von Kraftwerk etwas schmalspurig ausfällt. Als einziges Feature, kann man zwischen Stereo oder Dolby Digital 5.1 wählen, sofern dieses in den eigenen vier Wänden vorhanden ist. Auch eine gezielte Auswahl der Kraftwerk-Titel wird einem ermöglicht. Das erspart das lästige Vor- und Rückwärts-Spiel.

Zu sehen sind vier, auf der Bühne vor einem Laptop und Synthesizer verweilende, bereits etwas in die Jahre gekommene Männer mit Kurzhaarfrisur oder Glatze. Dass es sich hierbei um Tanzmusik handeln könnte, würde man bei abgedrehtem Ton nicht vermuten, denn die  Altvorderen wippen behaglich mit dem Fuß im Takt und nicken wie es kurz vor der Pension stehende Männer eben tun - vorsichtig. Eine üppige Bühnenshow war Kraftwerk noch nie ein besonderes Anliegen und eine Aerobic-Vorführung à la Madonna wäre mit den steifen Anzügen auch undenkbar. Viel lieber schrauben sie konzentriert an ihren Geräten herum, entlocken diesen Töne, die die Welt einfach braucht und wirken dabei wie die Raumschiff Enterprise-Crew beim gemütlichen Flug durch die Galaxie – und dabei ist weit und breit  kein Feind in Sicht. Im Hintergrund werden Visuals gezeigt, die perfekt mit der Musik harmonieren.

Wie aktuell Kraftwerk im Jahr `05 noch immer sind, zeigt der nun weltweit wiederkehrende und für zahlreiche Diskrepanzen sorgende Umgang mit der Atomkraft. Kraftwerk hatte schon 1976 die einzig richtige Antwort:

Stopt Radioaktivität
Weil`s um unsere Zukunft geht
Strahlentod und Mutation durch die schnelle Kernfusion...
(Kraftwerk/Radioaktivität)

Wer sich zum ersten Mal mit der Materie Kraftwerk auseinander setzen möchte oder vielleicht der Ansicht ist, die Musik sei von Vorgestern, sollte sich die DVD nicht entgehen lassen. Denn von „Minimum-Maximum“ kann Mensch noch viel lernen.

Printer Icon



AutorInnen

Marco Weise

Marco Weise

Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.

Newsfeed Icon Newsfeed von Marco Weise abonnieren



Kein Bock auf Nazis Festival 13.4. Arena


Archiv  | Impressum | AGB | Gewinnspiel | Friends Shop