2010-09-23 22:14:27
Mit Moon gelingt es dem ehemaligen Werbefilmer Duncan Jones, dem klassischen Science-Fiction Kino neues Leben einzuhauchen und den luftleeren Raum des Weltalls mit Atmosphäre zu füllen.
Zottelige Haare, Vollbart, seltsame Kleidung. Vom Aussehen
ist Sam Bell (Sam Rockwell) das, was man sich unter einem typischen Aussteiger
vorstellt. Und so etwas in der Art ist er auch, hat er doch die letzten drei
Jahre völlig allein auf der Mondstation Sarang zugebracht. Dieses Kapitel neigt
sich aber nun dem Ende entgegen. Nur noch zwei Wochen dauert es, bis sein
Arbeitsvertrag ausläuft und er zu seiner Frau Tess und Tochter Eve auf die Erde
zurückkehren kann. Voller Vorfreude geht er mit Schere und Rasierapparat zu
Werke, um sich wieder zivilisationstauglich zu machen.
Doch dann nimmt das Unheil seinen Lauf. Immer häufiger
halluziniert Sam und sieht sich Personen aus seinem persönlichen Umfeld
ausgesetzt. So auch, als er bei seiner Routinearbeit mit dem Mondfahrzeug
verunglückt und in Ohnmacht fällt. Zu sich kommt er erst wieder in der
Krankenstation, wo er erfährt, dass er ein leichtes Hirntrauma erlitten hat. Bis
auf eine kleine Erinnerungslücke scheint aber alles in Ordnung zu sein,
weswegen Sam seine Arbeit schnell wieder aufnehmen möchte. Unvermittelt wird
ihm per Order von der Erde jedoch untersagtl, die Mondstation zu verlassen. Argwohn
beginnt an Sam zu nagen. Er beschließt, trotz des Verbots nach draußen zu gehen
und macht dabei eine erschreckende Entdeckung: Er findet sich selbst.
Das Weltall als
Reflektionsort
Immer wieder wurde der Weltraum im Film als
Projektionsfläche dafür gebraucht, zu umspannen, was das Menschsein eigentlich
bedeutet. Vor allem die klassischen Science-Fiction Filme der späten 60er und
frühen 70er Jahre – von 2001 – Odyssee im
Weltraum (1968) bis Solaris (1972) – stellten einen direkten Bezug zwischen technischen Neuerungen und
einer Weiterentwicklung der Gesellschaft her. In dieser Tradition steht auch
Duncan Jones' Debütfilm Moon. Inmitten
des für die Zivilisation überlebensnotwendigen Abbaus von Helium-3 auf dem
Mond situiert er einen einzelnen Menschen, der sich – gemäß des bekannten
Buchtitels – die Frage stellen muss: Wer
bin ich und wenn ja, wie viele?
Zwischen Weite und
Klaustrophobie
Bewusst nähert sich Jones dabei auch ästhetisch seinen
Vorbildern an. Im Gegensatz zu den meisten Weltraumfilmen jüngeren Datums, die
mit großen Glasflächen, riesigen Touchscreens und extremer Ausleuchtung
Offenheit und Modernität erzeugen wollen, schafft er eine klaustrophobische
Atmosphäre, die sich durch enge Schächte, Dunkelheit und fehlender
Direktkommunikation zur Erde materialisiert. Verstärkt wird dieses Gefühl noch
dadurch, dass im gesamten Film eigentlich nur eine einzige Person vorkommt: Sam
Bell. Größte Hochachtung muss daher dem Schauspieler Sam Rockwell gezollt
werden, der es über die gesamte Dauer schafft, seiner Figur die nötige Spannung
und Tiefe zu verleihen.
HAL lässt grüßen
Immerhin steht ihm aber als kongenialer Gegenpart Kevin
Spacey zur Seite, der als Stimme des Supercomputers Gerty fungiert. Gertys
Auftrag ist es, für Sams Wohlbefinden zu sorgen und so zu gewährleisten, dass
die Mondmission nicht scheitert. Dabei erweist sich die künstliche Intelligenz
als unübersehbare Hommage an HAL aus Stanley Kubricks 2001 – Odyssee im Weltraum. Allerdings tritt Gerty eher
antithetisch zu seinem berühmten Vorbild auf. Mit seinen emotionalen Äußerungen
in Form von Smileys und seiner an sich naiven Art, entwickelt er sich nicht zum
Gegenspieler des Menschen, sondern outet sich ganz im Gegenteil als
willfähriger und beeinflussbarer Mitläufer. Dadurch wirkt Gerty wie ein
schlecht gelungener Abklatsch des Originals, der durch seine klare
Rollenverteilung die spannende Konstellation des Films unterminiert.
Fazit
Alles in allem ist Moon ein durchaus gelungener Film, gerade wenn man bedenkt, dass Duncan Jones mit
einem 5 Millionen Dollar Budget auskommen musste. So will man es dem Sohn von
David Bowie auch nicht verübeln, dass er seiner space oddity noch weitere Filme hinzufügen möchte, die im selben
gedanklichen Universum, dann aber auf der Erde spielen sollen. Eine explizite
Fortsetzung ist jedoch nicht geplant. Ob die Figur des Sam Bell wieder mit von
der Partie sein wird, bleibt also abzuwarten.
Kinostart: 01. Oktober 2010
Nobody knows the trouble I've seen.
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