2007-04-02 00:17:17
...über Limbo, physische Härte, Perfektion, das Tourleben im allgemeinen, Tischtennis, Tanzmusik, den Opernball und Österreich, das Schlaraffenland. Die Beatsteaks im Interview.
Am 30. März erscheint endlich mit „Limbo Messiah“ das lang ersehnte neue Album der Beatsteaks. Drei lange Jahre sind seid der Veröffentlichung der letzten Scheibe vergangen. Drei Jahre des Wartens und Bangens. Zugegeben, den Fans der Berliner Band wurde die Wartezeit mit einer DVD und einer kleinen Zahl an Konzerten verkürzt, wobei bei der letzten Mini-Tour mit „Soljanka“ schon ein kurzer Einblick in das kommende Album gewährt wurde. „Soljanka“, eine russische Suppe, die aus Resten gemacht wird. Dementsprechend klingt auch das Lied etwas russisch und ist ebenfalls aus Resten gemacht.
Das und noch viel mehr verrieten uns Peter und Thomas, ihres Zeichens Gitarrist und Schlagzeuger bei den Beatsteaks, im Interview.
Die erste Frage gleich vorweg: Warum heißt die Scheibe „Limbo Messiah“?
Thomas: Wir dachten immer Limbo Messiah, das klingt doch lustig. Und nach und nach entdeckten wir immer mehr Bedeutungen, weil Limbo ja ganz unterschiedliche Sachen bedeuten kann: Zum einen der Tanz Limbo, dann ist Limbo auch eine Computersprache, und nicht zuletzt wird auch der erste Vorhof zur Hölle, wo die Kinder mit Langeweile gestraft werden, als Limbo bezeichnet. Da dachten wir einfach, passt doch alles super, klingt toll, klingt lustig.
Peter: Na, und wir sind der Herrscher darüber sozusagen.
Thomas: Wir sind quasi der Kneipier im Titty Twister der Hölle.
War das Album aufgrund des Erfolges des Vorgängers „Smack Smash“ eine Herausforderung für euch?
Peter: Irgendwie schon, weil man sich ja nicht wiederholen will. Und dann kann man ja auch nicht ganz vom Tisch fegen, dass „Smack Smash“ auch für uns einen relativ unerwarteten Erfolg gehabt hat, und da macht man sich selber auch ein bisschen Druck. Man versucht nicht nur für sich selbst besonders gut zu sein, sondern man will ja auch was Gutes abliefern. Wir machen die Musik ja nicht nur für uns, sondern auch für die Leute, auf der anderen Seite kann man nie voraussehen, wie sie ankommen wird. Deshalb mussten wir wieder einfach nur das machen, worauf wir am meisten Lust hatten, und hoffen, dass es gut wird. Es war uns ein Ziel, das letzte Album musikalisch zu toppen; Wie oft das neue sich verkaufen wird und ob es angenommen wird, das ist die zweite Frage.
Thomas: Auf jeden Fall sind wir sehr zufrieden mit dem Ergebnis, es ist bestimmt die beste Platte bisher. Sagt man aber immer. Es zeigt dann die Zeit, was übrig bleibt. Wenn man etwas frisch gemacht hat, ist man immer besonders stolz darauf. Eigentlich war das bisher bei jeder Platte so, dass es für uns die beste war. Bis wir die nächste angefangen haben.
Das Album ist deutlich härter als das letzte...
Peter: Also, das war jetzt kein Konzept, aber es hat uns einfach mehr Spaß gemacht, ein bisschen härter zu spielen. Nicht vom Zerrungsgrad, nicht Metal oder in diese Richtung, sondern eher eine physische Härte. Dass es auch ein bisschen weh tut beim Spielen, das wollten wir eigentlich. Und natürlich haben wir auch an die Live-Situation gedacht.
Thomas: Das war nicht geplant, aber als wir die Demos gehört haben, die jeder gemacht hatte, waren halt mehr harte Stücke dabei. Und die Balladen, die wir am Anfang gemacht hatten, die fanden wir dann alle irgendwie doof.
Das letzte Album habt ihr großteils live eingespielt. War das diesmal auch so?
Peter: Ja. War auch der Ansatz, weil es am meisten Spaß gemacht hat, und man weiß schon vorher, was funktioniert. Man hat sofort ein Ergebnis.
Dauert das nicht länger?
Peter: Kommt auf die Vorbereitung an. Wir haben vorher so gut und so oft wir konnten gemeinsam geprobt. Natürlich wartet man dann auf den Take, der jetzt passt, aber letztendlich dauert es eigentlich nicht länger.
Thomas: Eher kürzer, denn eine gemeinsam gespielte Note, die von allen gleich empfunden wird, ist meistens wirkungsvoller als wenn sie erst der Eine spielt, dann kommt der Zweite und macht das dann so und so, dann kommt der Dritte und macht es wieder ein bisschen anders...
Wie wichtig ist euch dabei Perfektion?
Peter: Perfektion im Sinne von „alles richtig“ ist uns nicht so wichtig; Es stimmt einfach über das ganze Lied hinweg ein gewisses Gefühl, das man treffen wollte. Nicht, dass man in den Spuren nachprüfen könnte ob jetzt alles drauf ist und ob alle ihren Part sauber eingespielt haben, sondern eher was dabei herauskommt, was hörbar ist, das ist wichtig. Das Feeling.
Eine Studio-Anekdote?
Thomas: Wir haben eigentlich alle Studio-Anekdoten in einem Film zusammengefasst, den es zu der Platte dazu gibt, über die Entstehung der Platte, und da wollen wir eigentlich nicht zu viel verraten. Aber da gibt es einige Anekdoten, die man sich alle in Bild und Ton angucken kann. Eine Extra-DVD, und es ist ein bisschen mehr als ein Making-of, aufwendiger und besser. Es sind auf jeden Fall keine Musiker drin, die lamentieren, wie toll sie ihre Musik finden.
Ab Ende April geht ihr mit „Limbo Messiah“ ziemlich lange auf Tour...
Peter: Das wird anstrengend. Und dann geht es ja noch weiter, das sind ja erst die ersten feststehenden Daten. War aber auch unser erklärtes Klassenziel, dass wir eine Platte machen, wo wir dann oben drauf ganz viel spielen.
Thomas: Für uns wird es eine Tischtennis-Tour. Eine Tour, auf der wir jeden Tag Tischtennis-Turniere spielen.
Peter: Das haben wir bei den Großen gesehen und das werden wir übernehmen.
Thomas: Das Tourleben ist ja immer dasselbe: Die schönsten anderthalb Stunden am Abend, die sind eigentlich im normalen Leben kaum zu toppen. Und sonst ganz viel warten. Jetzt zu sagen, dass es immer total geil wäre, ist übertrieben, wäre auch falsch. Aber es lohnt sich meistens. Die anderthalb Stunden entschädigen.
Peter: Deshalb müssen wir ja Tischtennis spielen, um die Zeit sinnvoll zu verkürzen.
Habt ihr persönliche Erwartungen an die Tour?
Peter: Eigentlich kommen die Erwartungen von einem selber, man versucht einfach das Beste zu machen, was man machen kann. Wir haben eher Fragen an die nächste Tour: Wird die Kraft reichen? Natürlich wäre es schön, wenn das Publikum die Musik ähnlich mag wie wir, aber das kann man natürlich nicht erzwingen. Wir werden auf jeden Fall unser bestes geben, das so eindringlich wie möglich zu machen: Begreift doch, es ist total schön!
Welche Musik wird im Tourbus laufen?
Thomas: Viel Madonna, deutscher HipHop, befürchte ich. Ich glaube, es lief sogar mal Phil Collins. Selbst so tief sind wir mal gesunken.
Peter: Wenn die Türen zu sind, passieren komische Sachen. Was wir wirklich mögen? Ach, alles mögliche.
Thomas: Beschränkt sich nicht auf Punkrock, auf jeden Fall. Im Bus läuft meistens Tanzmusik.
Wird auch getanzt?
Thomas: Ja, kurz vor dem Klo ist ein kleiner Platz, der Tanzflur. Da kann man sich ein bisschen bewegen, also drei auf einmal.
Habt ihr Idole?
Thomas: Johnny Cash, Joe Strummer, alle mit John. John Lennon, ...
Peter: John Travolta…
Thomas: Depeche John, AC/John, …
Wo liegen eure Stärken bzw. Schwächen?
Thomas: Fangen wir doch mal bei den Schwächen an... hab ich keine... Unsere Stärke ist auf jeden Fall, dass wir zu fünft sind. Es funktioniert nur dadurch dass wir fünf sind. Das ist eine große Stärke, denn man muss es nicht alleine aushalten. Es gibt immer fünf Paar Schultern, wenn es schwierig wird.
Was verbindet ihr mit Österreich?
Peter: Nette Leute mit gepflegter Aussprache. Auch die Punker waren schon immer ein bisschen gestylter als anderswo. Österreich war immer extrem nett und höflich und mehr als ausreichend. Essen und so weiter. Wenn man rumtourt, und dann kommt man nach Österreich, das ist immer Schlaraffenland.
Thomas: Auch die Konzerte sind immer etwas Besonderes. Ein Konzert, das wir mal in den Bergen gespielt haben, war schon ziemlich geil. Ein ganz kleiner Club, und total verschneit. Auch die Arena ist immer so ein Highlight. Ein Konzert dort werde ich nie vergessen, wo einer aus dem Publikum einen vollen Bierbecher schmiss, und Arnim den tatsächlich gefangen, ausgetrunken und dann weitergesungen hat.
Gibt es einen Ort, wo ihr gerne noch spielen würdet?
Peter: Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt, aber da gibt es jetzt keine großen Wünsche. Man freut sich halt, wenn man an einen Ort kommt, wie zum Beispiel diese Kasemattenbühne in Graz, da waren wir echt so geplättet von der Location...
Thomas: Wo findet der Opernball immer statt??
Peter: Oper? Ja, warum nicht, außer, dass die Leute, denen die Oper gehört, das wohl nicht so gut finden würden...
Die toten Hosen haben im Burgtheater gespielt....
Thomas: Stimmt, die haben da einen Song von uns gespielt. Also haben wir dort quasi schon gespielt.
Was ist die Botschaft des Tages?
Thomas: Liebt euch.
Peter: Ja, verdammt noch mal, liebt euch!
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