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Schwerpunkt: KLETTENHEIMERS KleinKunstCafé

Der Klettenheimer und die Mandelbaum im Talk

2009-05-25 20:59:26

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Die Klettenheimers im FM5-Gespräch. Es war witzig, offen und vor allem sehr informativ. Marie Mandelbaum und Jörg Klettenheimer, die Theaterbesitzer, Regisseure, Gastronomen, Autoren und natürlich Schauspieler plauderten was das Zeug hält.

Das lustigste und sympathischste Interview, das man sich nur vorstellen kann, ermöglichten uns Marie Mandelbaum und Jörg Klettenheimer vom klettenheimers KleinKunstCafé im 8. Wiener Gemeindebezirk. Bei Kaffee und Kuchen quatschten die beiden Self-Made-Theaterbesitzer über kleine Geheimnisse, ihr Leben im nicht subventionierten Kleintheater und ihre Insel in der Südsee.

Das folgende Interview ist bitte mit viel Witz und Ironie zu lesen. Put a smile on your face and enjoy!

FM5: Hier ist ein Kinderüberraschungsei: Inwiefern könnt ihr diese Überraschung auf euer KleinKunstCafé beziehen?

Marie Mandelbaum: Phu, ja, also für mich ist das ein Drache. Jörg kommt von Georg, der Drachentöter, das passt ganz gut. Unsere Arbeit hat auch etwas Kämpferisches an sich. Es sieht vielleicht aus, als wäre sie für uns Vergnügen, aber es ist manchmal auch eine richtige Überwindung, weil wir vor dem Stück auch noch hinter der Theke stehen müssen und manchmal, wenn das Publikum überhaupt nicht versteht, was wir hier überhaupt aufführen, ist es wie ein Kampf. Außerdem haben wir beim Hintereingang einen Drachen aus Keramik stehen, der uns vor allem Bösen beschützt. Die Zuschauer sind eh ganz lieb. Es sind eher die Nachbarn im Haus, die ab und zu etwas unangenehm werden. Eine hat sogar mal Wasser heruntergeschüttet und ständig die Polizei gerufen, aber die ist zum Glück jetzt ausgezogen.

Jörg Klettenheimer:
Also, für mich ist das ein Urzeittier, ein Dinosaurier. Das Ei an sich ist ja schon ein Symbol für das KleinKunstCafé.

Steckt hinter den Klettenheimers eine Liebesgeschichte?

M.M.: Ja, also wir sind verkuppelt worden. Damals war ich noch Jungscharführerin und die Kinder von mir waren verwandt mit dem Jörg und er war gerade auf Besuch in Wien, denn er kommt ja aus Deutschland. Die Eltern von den Kindern haben dann gedacht, da ich aufs Reinhardt-Seminar wollte und er auch, dass sie uns doch vorstellen könnten. So war das dann auch. Er war meine erste Liebe. Es ist also wirklich eine extreme Liebesgeschichte. Wir sind jetzt vor allem fast immer zusammen, 24 Stunden und erstaunlicherweise klappt es trotzdem so gut.

J.K.:
Wir wurden sozusagen gezwungen. „Arrangierte Ehe“ ist lustigerweise ein Thema in unserem aktuellen Stück Der Widerspenstigen Zähmung.

Wie seid ihr beiden überhaupt zum Schauspielern gekommen? Wolltet ihr das schon immer mal werden wenn ihr groß seid?

J.K.: Ich habe schon immer Theater gespielt, schon in der Schule. Man muss sich aber immer der Anfeindung aussetzten, wenn der Vater zum Beispiel will, dass man Wirtschaft studiert.

M.M.:
Mhm, ich auch. Zwischendurch zwar mehr in Verbindung mit Singen, aber ich habe auch schon seit ich ungefähr zehn bin gerne geschauspielert.

Was für Unterschiede spürt ihr im Gegensatz zu den großen Bühnen auf denen ihr schon gespielt habt, dem Burgtheater etwa?

J.K.: Es ist ein gewaltiger Unterschied. Im Burgtheater spürt man nicht so den einzelnen Zuschauer. Bei uns ist es sehr klein und intim, man hört die Leute eigentlich Denken. Wir sind vor allem auch sehr empathisch, was manchmal ein kleines Handicap ist. Wir sind auch paranoid, das ist dann sehr anstrengend. Ab 50 oder 60 Zuschauern wird es dann eine Masse und man bekommt den Einzelnen gar nicht so mit.

M.M.:
Der Hauptunterschied ist, im Burgtheater hast du einen Garderobier, Leute, die dich anziehen oder eine Maske, das ist Wahnsinn.

J.K.:
Du hast jemanden, der dir in die Stiefel hilft, alle Kostüme sind fertig und repariert, hier musst du alles selber machen, das ist unerfreulich, ja, eine Tragödie.

Wenn es hier nun so schlimm ist, wieso habt ihr dann dort aufgehört?

J.K.: Das war natürlich alles ironisch gemeint. Dort ist man sehr schnell beamtet. Also, ich hab dort gleich 20 Kilo zugenommen. Zwar hab ich sehr viel gespielt, aber vor allem sehr kleine Rollen, und das ist nicht befriedigend auf die Dauer.

M.M.:
Ich finde es zwar schon toll dort, aber es ist ja auch ein sehr starker Konkurrenzkampf, man bekommt nicht immer eine Rolle. Außerdem finde ich, dass wir hier in den letzten sieben Jahren sicher mehr gelernt haben, als in den zehn Jahren davor.

J.K.:
Hier hast du niemanden, auf den du dich rausreden kannst, die ganze Verantwortung liegt bei dir. Deshalb ist der Stress bei Premieren auch sehr groß, weil es wirklich niemanden, keinen dritten gibt, der sich das schon einmal angesehen oder angehört hat.

Hat es viel Überwindung gekostet, auf eigene Faust ein eigenes Theater zu eröffnen?

J.K.: Es war keine Überwindung mehr, nachdem wir Straßenmusik gemacht haben. Das war in Berlin. Die Leute rasen vorbei, haben natürlich keine Zeit, das ist wirklich demütigend. Doch ganz am Anfang hier war es echt arg, weil einfach keiner da war.

M.M.:
Also ich hab mir damals ein Buch gekauft „Wie mache ich mich selbstständig?“. Da stand genau drinnen, dass man ein Konzept braucht usw. Wir hatten ja keine Ahnung. Mit diesem Konzept haben wir dann um den Kredit angefragt und du musst auch immer so tun, als wäre das was ganz Tolles.

J.K.:
Man macht auch so statistische Aufstellungen, wie viele Zuschauer aus welchen Gesellschaftsschichten kommen, was völlig blödsinnig ist, aber die Bank hat es beeindruckt. Sie haben uns das Geld, das wir brauchten, gegeben, obwohl wir keine Sicherheiten hatten.

Zahlt ihr noch immer den Kredit ab?

M.M.: Nein, wir haben ihn vor einem Jahr abbezahlt. Hier können wir zwar nicht reich werden, aber wir sind unabhängig. Außerdem können wir nun endlich im Sommer zumachen und auf Urlaub fahren.

Was war das schlimmste, was euch je am Theater passiert ist?

M.M.: Bei der ersten Premiere war zwei vor acht noch niemand da, das war ganz schlimm. Irgendwann ist dann meine Mutter gekommen und zwei Leute, die mit dem Bus vorbeigefahren sind und noch ganz wenige Leute, ja, das war unangenehm.

J.K.:
Hm, phu, wir sollten mehr so Anekdoten wissen oder zumindest irgendetwas erfinden. Aber, naja, so richtig schlimme Sachen können uns hier gar nicht passieren, denn da wir auch öfters improvisieren und jedes Stück ohnehin anders abläuft, gibt es nicht wirklich Missgeschicke. Den Zusehern gefallen solche Sachen meist besonders gut, da sie merken, dass sie im Theater sitzen und nicht im Kino. – Oh, das ist gut: Ich hatte einmal einen Unfall auf der Autobahn und war noch in Deutschland und das Burgtheater hat mich extra einfliegen lassen und ich wurde vom Flughafen sogar mit einer Polizeieskorte noch rechtzeitig zur Aufführung gebracht.

Wie reagiert euer Publikum auf die Interaktion mit euch?

M.M.: Also eigentlich immer sehr positiv. Ganz selten bekommen wir zwar Mails mit komischen Beschwerden, aber das sind dann Leute, die hier halt nicht herpassen.

Werdet ihr wirklich überhaupt nicht subventioniert?

M.M.: Damals dachten wir, wir bräuchten das Geld ganz dringend, als wirklich nur eine Hand voll Zuschauer da war. Wir sind auch zum MA7 gegangen, mit Konzept und alldem.

J.K.:
Aber die waren wirklich ungut. Die haben uns dann gesagt, dass sie keine Zeit und kein Geld für so kleine Theater haben und Entschuldungen von den größeren Theatern hier vorgehen.

M.M.:
Aber die Jungunternehmerförderung haben wir bekommen, die hat uns über einen Sommer gerettet. Und mit der Zeit haben die wenigen Zuschauer uns weiterempfohlen und nun klappt es ganz gut.

J.K.:
Mit unserer Insel in der Südsee können wir jetzt ganz gut leben, nur der Jetlag ist doch manchmal anstrengend. (lacht)

Bei euren Gesichtsverzerrungen denke ich mir immer: Wird man so geboren oder kann man das auch lernen?

M.M.: Weil wir immer alles selber spielen, müssen wir uns ja verwandeln.

J.K.:
Ein kleines Ensemble bedingt auch Langeweile beim Publikum, deshalb müssen wir so wandelfähig sein, wie es nur möglich ist. Wir bemühen uns. Auch damit die Leute nicht merken, dass wir nur zwei sind, deshalb haben wir auch Pseudonyme eingebaut. Naja, aber zu den Grimassen: An Hochschulen ist es, glaube ich, nicht gewünscht, dass man komödiantisch spielt.

M.M.:
Ja, bei uns ist das Übungssache. Sozusagen aus der Not geboren. Eigentlich ist es uns gar nicht so bewusst, nur wenn wir dann Fotos von uns schießen, für die Plakate etwa, dann lernt man sich auch selbst etwas kennen.

Kann man sich als professioneller Schauspieler auch im Alltag nützlich verstellen?

M.M.:
Es ist uns nicht so bewusst. Vielleicht ist die Art, wie man kommuniziert anders, aber eigentlich sind wir privat eher so, wie wir sind. Wir sind ja von Natur aus so, also müssen wir uns jetzt nicht unbedingt verstellen.

J.K.:
Würden wir unser Schauspielerdasein auch nach außen tragen, würde uns das manchmal vielleicht helfen, aber nein, das machen wir nicht.

Woher stammen eure Ideen für die Stücke?

J.K.: Manchmal sind es neu adaptierte Klassiker. Aber sonst, thematisch, behandeln wir, was uns gerade bewegt und was wir wichtig finden.

M.M.:
Das wissen wir eigentlich selber nicht genau. Wir nehmen auch Gespräche auf oder wir orientieren uns auch an Filmen oder Radiomusik. Es ist wie ein Zusammenstellen eines Mosaiks aus vielen Ideen zu einem Gesamtwerk. Aber man muss sich das Stückeschreiben wirklich vornehmen, sonst wird das nichts.

Was ist der beste Witz der Welt?

M.M.: Phu, naja, da gibt es doch diesen einen Witz von Monty Python, Den tödlichen Witz. Der ist so witzig, dass man sich halt totlacht. Also, ja, den können wir euch jetzt natürlich nicht erzählen.

J.K.:
Gut, dass dir der jetzt eingefallen ist, ich war schon am Pointen überlegen.

Vielen Dank für das wundervolle Interview.


Damit es auch für Euch etwas zu lachen gibt: Hier zwei Lacher von Jörg Klettenheimer und Marie Mandelbaum.

Jörg Klettenheimer:
Marie Mandelbaum:



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AutorInnen

Hariklia Woutsas

Hariklia Woutsas

das Herz aus Wien, der Körper in Berlin, der Kopf in den Wolken

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