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Der Kampf um die Glühbirne

2011-09-17 17:47:11

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Nicht mehr lange und die gute alte Glühbirne ist Geschichte, ersetzt durch die umgangssprachlich als Energiesparlampe bezeichnete Kompaktleuchtstofflampe. Doch ist sie tatsächlich der richtige Weg in die Zukunft?

Pünktlich zum EU-weiten Verbot der 60-Watt Glühbirnen am 1. September ließ der Osram-Konzern, einer der größten Leuchtmittelproduzenten weltweit, verlautbaren, dass Energiesparlampen aufgrund steigender Rohstoffpreise um bis zu 25% teurer werden könnten. Ein Treppenwitz der Geschichte, wenn man bedenkt, dass das Verbot der Glühbirne auch damit begründet wurde, den Geldbeutel des Verbrauchers letztendlich durch Energiesparleuchten zu entlasten.

Rohstoffknappheit und Umweltproblematik

Doch nicht nur der steigende Preis erweist sich als Problem für die vermeintlich umweltfreundlichere Lampe. Relativ wenig beachtet wird etwa die Tatsache, dass die für die aktuellen Verteuerungen verantwortlichen "Seltenen Erden" beim Abbau erhebliche Umweltschäden verursachen. Sogar als gesundheitlich äußerst bedenklich wird ein weiterer Inhaltsstoff der Energiesparlampe eingestuft: das Quecksilber. Immer wieder wird diese Problematik auch von den Medien kritisch aufgegriffen, zuletzt in dem kürzlich angelaufenen österreichischen Dokumentarfilm Bulb Fiction.

Gefahr Quecksilber

Welche verheerende Wirkung Quecksilber haben kann, stellt Regisseur Christoph Mayr gleich zu Beginn seines Filmes dar. Anfang der 1950er Jahre ließen sich an der Minamata-Bucht seltsame Ereignisse beobachten. Immer mehr tote Fische trieben an Land, Vögel fielen vom Himmel, Katzen und andere Kleintiere verhielten sich sonderbar und verendeten kläglich. Einige Jahre später stellten sich ähnliche Symptome auch bei den Menschen ein: Schwächeanfälle, Koordinationsprobleme, Sprachstörungen und Krämpfe. Am Ende stand häufig der frühzeitige Tod. Zunächst als Minamata-Krankheit tituliert, stellte sich nach eingehender Forschung heraus, dass es sich um Quecksilbervergiftungen handelte. Verantwortlich war ein nahe gelegenes Chemiewerk, das quecksilberhaltiges Abwasser ungefiltert ins Meer leitete. Heute ist Quecksilber in der EU weitgehend verboten und aus den Haushalten verbannt – mit Ausnahme der Leuchtstofflampen.

Wohin mit dem Gift?

Penibel verfolgt Bulb Fiction die Probleme, die durch Quecksilber in Leuchtmitteln entstehen können. So kommt etwa die Familie des vierjährigen Max zu Wort, der nach dem Zerbrechen einer Energiesparlampe mit der Zeit alle Körperhaare verlor sowie fortan mit Zitterattacken und Depressionen zu kämpfen hatte. Aber auch das Problem der Entsorgung wird thematisiert. Selbst Befürworter der EU-Verordnung gehen davon aus, dass ein Großteil der Energiesparlampen unsachgemäß weggeworfen wird und das Quecksilber so ungefiltert in die Umwelt gelangen kann. Doch selbst vom Verbraucher ordnungsgemäß entsorgte Lampen stellen noch ein erhebliches Gefährdungspotential dar. So wurden 20 Mitarbeiter der Electrical Waste Recycling Group in Huddersfield (England) 2010 wegen schlechter Schutzmaßnahmen mit Quecksilber verseucht.

Im Film werden noch weitere Argumente dargestellt, die gegen eine Nutzung von Kompaktleuchtstofflampen sprechen: etwa die Tatsache, dass sie im Gegensatz zur Glühbirne nur ein sehr geringes Farbspektrum abbilden, dass sie im hochfrequenten Bereich flimmern, dass sie teilweise Brummgeräusche und eine erhebliche Menge an Elektrosmog abgeben. Welche Auswirkungen dies alles auf den Menschen hat, ist bisher nicht bekannt und wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen.

Diktatur des Lichts


Letztlich stellt sich die Frage, ob die EU in einer Verordnung tatsächlich soweit gehen darf, ihren Bürgern ein jahrzehntelang etabliertes Produkt zu Gunsten eines anderen zu verbieten, dessen Verträglichkeit bisher noch nicht ausreichend erforscht wurde. Doch um einen geringeren CO2-Ausstoß zu erreichen, scheint mittlerweile alles erlaubt. Ob die Rechnung aber aufgeht? Bulb Fiction zeigt, wie stark die Verordnung letztlich in die Karten der Industrie spielt und wie Greenpeace sich in der Naivität des grünen Gedankens zum willfährigen Gesellen hat machen lassen.

Natürlich darf man nicht vergessen, dass auch die Kämpfer für die Glühbirne eine stets subjektive Sicht einnehmen. So ist auch Bulb Fiction in seiner Berichterstattung tendenziös. Es kommen fast ausschließlich Experten zu Wort, die gegenüber der Energiesparlampe negativ eingestellt sind und diese bekämpfen. Anders als bei der berühmt-berüchtigten Michael-Moore-Methode, lässt Christoph Mayr dem Zuschauer aber noch die Möglichkeit zur eigenen Reflexion. Ob eine herkömmliche Glühbirne oder eine Energiesparlampe eingeschraubt wird, kann also jeder nach Abwägung der Vor- und Nachteile für sich selbst entscheiden. Allerdings nur noch bis zum 1. September 2012. Dann sind ausschließlich Leuchtmittel zugelassen, die die Energieeffizienzklasse C erreichen. Eine solche Glühbirne gibt es bisher nicht. Als Alternative bleibt dem Verbraucher dann nur noch die Halogenlampe erhalten.

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