"Wir sind Helden" machen zur Zeit eine kleine Schaffenspause, um sich auf das neue Album zu konzentrieren. Ein Grund mehr für uns das lang ersehnte Interview zu veröffentlichen. Hier die ganze Wahrheit über den Namen der Band, ihre Einstellung zu Kommerz, Sexismus und erste Infos zum zweiten Album.
Mark Tasavol ist als letzter bei der vierköpfigen Band namens Wir sind Helden dazugekommen. Seit 2001 gibt es nun die Band, die einen der schnellsten Aufstiege im Deutschpop hinter sich hat. Wir haben ein vier Mann starkes Team nach München geschickt, um den Bassisten (Mark) von Wir sind Helden zu interviewen.
FM5: Einer der journalistischen Fehler ist es, wenn man eine Band gleich am Anfang nach der Entstehung des Bandnamen fragt. Nachdem wir uns bei FM5 nicht immer so genau an die Regeln halten, hoffe ich du verzeihst unsere erste Frage: Wie sind Wir sind Helden auf den Bandnamen gekommen?
Wir haben uns eine Zeitlang immer ein paar Geschichten ausgedacht, wie wir auf unseren Namen gekommen sind. Nachdem du eingeräumt hast, dass die Frage ziemlich oft gestellt wird, will ich mal erzählen wie es wirklich war!
Wir haben uns nach einem deutschen Namen mit Sinn und etwas Ironie umgesehen. Darauf hieß die Band erstmal nur Helden. Wir hatten das Gefühl es passt zu uns und der Name ist auch sehr einprägsam. Irgendwann haben wir uns gedacht, wir könnten das Ganze noch toppen, in dem wir einen ganzen Satz draus machen, mit Subjekt, Prädikat und Objekt. Wir haben den jetzigen Namen erst vor ungefähr zwei Jahren beschlossen und da unsere Homepage schon zuvor so hieß, passte das ganz gut.
FM5: Trotz großen Ruhmes, vielen Preisen und verkauften Platten gebt ihr euch sehr große Mühe nicht als kommerziell zu gelten. Was bedeutet für euch die Musik, warum macht ihr Musik?
Wir wurden alle sehr überraschend beruflich im Musikbusiness tätig. Vor ein paar Jahren hätte noch überhaupt niemand von uns damit gerechnet. Wir hatten ja sogar zum Teil etwas ganz anderes vor. Durch diese Entwicklung hat sich jetzt schon einiges für uns verändert. Natürlich tauchte auch die Frage bezüglich "kommerziell sein" auf und natürlich sind wir jetzt glücklich darüber unabhängig zu sein. Andererseits ist es aber nicht so, dass wir unsere Popularität ausschlachten, durch Werbung oder dergleichen. Wir könnten, wenn wir uns geschickt anstellen und bestimmte Sachen mitmachen, locker das Doppelte mit der Musik verdienen.
FM5: Seit wann könnt ihr von Musik leben?
Das ist seit ungefähr Anfang 2003 der Fall. Es fing an mit einem Plattenvertrag, den wir nach reichlicher Überlegung und abwägen mit Labels gemacht haben. Eben auch unserer Wunsch- und Lieblingsplattenfirma. Die haben uns für das erste Jahr unabhängig sein lassen und was danach kam und war, wussten wir natürlich noch nicht.
FM5: Habt ihr nicht Angst, dass durch das viele Touren und der großen Popularität irgendwann euer Spaß an der Musik verloren geht?
Die Angst hatte ich, als wir im Herbst letzten Jahres unsere große Tour gemacht haben. Es waren wirklich viele Konzerte, so an die 32 Stück. Es gab dann auch tatsächlich bei jedem von uns ein kleines Tief, aber das war eher von der Anstrengung und blieb auch nicht lange. Es war unter dem Strich wesentlich weniger Stress als ich erwartet hatte und es gibt ja viele Berufe bei denen man oft das Gleiche macht und da finde ich das was wir machen wesentlich abwechslungsreicher. Es lag aber auch an dem gesamten Team, welches mit uns unterwegs war. Wir haben wirklich sehr viel gelacht und rumgeblödelt.
FM5: Wie wirkt sich die Konsumkritik, die Judith bei Guten Tag besingt, bei euch im wirklichen Leben aus?
Diese Kritik ist nicht als Verzicht zu sehen. Gemeint ist ein kritischer Umgang mit Sachen, von denen man glaubt, dass man sie braucht, beeinflusst durch Medien und Werbung. Dieses konsumieren von Sachen die gerade bei Jugendlichen impliziert werden, wie zum Beispiel Downloaden von Handylogos. Sachen bei denen einem gesagt wird, dass man sie braucht um in der Gruppe eine Rolle zu spielen. Besungen wird eben ein kritischer Umgang mit solchen Gütern. Und das tun wir auch.
FM5: Findet ihr es schade, wenn Berichte über eure Musik und Auftritte meist nur auf einen Lobgesang über Judiths aussehen verkürzt werden?
Ja... aber das ärgert uns jetzt nicht ins Bodenlose. Wir haben auch bemerkt, dass gewisse Medien, die wir zum Teil auch schätzen und konsumieren, positiv über die Musik, die Texte und Auftritte berichtet haben. Es ist aber schon so ein Stemmen gegen den Druck einer Boulevardpresse, die sich halt sehr gerne auf eine attraktive Frontfrau stürzt. Das hält sich aber im Rahmen. Es ist nur etwas komisch wenn die Presse bei Interviews oder Fototerminen sich manchmal nur auf Judith konzentrieren.
FM5: Es ist aber auch eine Art von Sexismus, die euch etwas nützt.
Wir können natürlich nicht verhindern, dass jemand Judith attraktiv findet und wir werden sie auch sicher nicht in einen Kartoffelsack stecken.
FM5: Habt ihr nicht manchmal auch Angst, dass ihr durch euren schnellen Aufstieg und Erfolg von der Musikindustrie "verbrannt" werdet?
Wir haben sicher Angst, dass alles zum zweiten Album vorbei ist. Das gibt es aber sicher bei jeder Band und das wird es auch bei uns vor einem dritten oder vierten Album geben. Wenn es so sein sollte, bin ich auf den Fall dankbar für das was ich erleben durfte. Ich habe nie damit gerechnet als Musiker arbeiten zu können. Es ist halt schwer abzuschätzen ob die Fans medienabhängig zu unseren Konzerten kommen und unsere CD kaufen. Ich kann auch nicht sagen, ob die in den nächsten Jahren noch immer da sind, wenn unsere Medienpräsenz mal ausfallen sollte.
FM5: Wenn ein erstes Album so erfolgreich ist wie das eure, ist es natürlich noch schwieriger den Druck und die Erwartung auszuhalten, welche die Leute ins zweite Album stecken. Wie wollt ihr das angehen?
Es gibt natürlich kein Patentrezept für unser Album. Meine beste Erfahrung bezüglich dieser Problematik beim nächsten Album war, dass wir uns unsere Songideen gezeigt haben. Für mich war es einfach sehr beruhigend zu sehen, dass wir Vier Ideen haben und dass Judith gute Songtexte schreibt. Dadurch wird das neue Album - zumindest für uns - ein gutes zu werden.
FM5: Vor kurzem hat mir eine österreichische Band erzählt, dass sie nach einem Konzert gebeten worden sind eine gebrannte CD zu signieren. Ist euch das auch schon mal passiert?
Na klar! (lacht)
Wir haben laut gelacht, die CD weitergereicht und signiert. Das ist wirklich kein verbissenes Thema für uns. Denn wir wissen durchaus, dass wir davon sogar Vorteile haben.
Die Band Wir sind Helden macht zur Zeit eine Tourpause und arbeitet an ihrem zweiten Album. Zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe war noch kein näherer Termin oder Titel des Albums veröffentlicht.
Dank an Mark Tasavol für das Interview und dem Tourmanagement von Wir sind Helden.