2007-04-02 00:11:23
Das zweite Album der österreichischen Formation Bauchklang „Many People“ zeigt sich unglaublich facettenreich. Einmal top, dann wieder flop.
Sieht man der im Jahre 1996 in Niederösterreich gegründeten Band Bauchklang zum ersten Mal live beim Performen zu, kann einem dabei schon mal die Spucke wegbleiben. Denn die wandelnden Instrumente zaubern Töne aus ihren Körpern, an die der/die Normalsterbliche nicht einmal im Traum denken würde. Damit haben sie sich mit den Jahren eine große Fangemeinde erspielt. Kaum treten die sechs Jungs irgendwo auf, ist das Konzert binnen Tagen/Wochen auch schon wieder ausverkauft. Bei diesen reicht dann die Publikumspalette von kreischenden Teenies bis hin zum bereits voll in der Midlife-Crisis steckenden Ehemännern – auch tanzende Senioren wurden bereits gesichtet. Nun, das soll jetzt keineswegs negativ gedeutet werden. Vielmehr zeigt es auf, dass Bauchklang einfach massentaugliche Musik machen.
Der Erfolg kam mit ihrem Debüt „Jamzero“ im Jahre 2001. Dieses sicherte ihnen auch zwei Amadeus Awards, die ihnen aber nicht vorrangig die Tür zu Ruhm und Anerkennung aufgestoßen haben. Dafür waren schon eher die rund 160 Auftritte im In- und Ausland verantwortlich. Dieser energieraubende Faktor und personelle Umstrukturierungen rückten das Releasedate des neuen Albums immer weiter nach hinten. Dazu kamen der selbst auferlegte Druck und die große Erwartungshaltung der Fans und – nicht zu vergessen – der Plattenfirma. Nach zweijähriger Arbeit war es nun am 04. November so weit und das mit „Many People“ betitelte Album von Bauchklang wartet seit diesem Zeitpunkt in den Plattenläden auf Abnehmer.

Nackte Haut und Mission Impossible
Mit der Eröffnungsnummer „United Slaves“ wird gleich ordentlich viel Dampf abgelassen. Der Beat zieht einem in Knockout-Manier eines über die Rübe. Halb benommen vernimmt man ein Gasmasken-Atem-Geräusch und hypernervöse Trance-Flächen ergeben sich dem Druck der Basedrum. Darauf folgt bereits das orchestralste Stück auf dem mit 17 (!) Songs voll gepacktem Album. Die treibende Kraft ist dabei die gegen den Erdmittelpunkt gerichtete Baseline, die wohl dem dafür zuständigen Bauchklang-Akrobaten vor Atemnot blau anlaufen lassen muss. Beim darauf folgende Stück „Rythm of time“ schenken Bauchklang ihre Aufmerksamkeit dem auf MTVIVA zu sehenden Nackerpatzerl-R&B.
Mit „Barkin news“ und „Radio“ folgen zwei Stücke, die den Tiefpunkt auf dem Album darstellen. Dabei handelt es sich um einschläfernde, kaum an Schärfe besitzende Stücke, die einem mit Halbherzigkeiten überfordern. Der bei „Navigator“ zu vernehmende Bass verpasst einem zum Glück eine (gesunde) Watsche, die den bereits auf gefährlich niedrige Frequenz gesunkenen Pulsschlag wieder auf Vordermann bringt. Kurzes Durchatmen, bevor einem die schnalzende Snare eine überbrät und zur Verfolgungsjagd - à la Mission Impossible - auffordert.
Bei den restlichen Songs begibt man sich auf eine Achterbahnfahrt des Geschmacks. Widmen sich Bauchklang der Geschwindigkeit und rohen Energie, wirken die Songs wie aus einem Guss - unantastbar. Sobald sie sich aber dem Dub, Reggae und Ethno-Kitsch zuwenden sucht man den Rettungsanker, der sich in Form der Forward-Taste offenbart. Bauchklang ziehen sich mit einem knapp über 60 Minuten dauernden Werk - abgesehen von den angeknacksten Zwerchfellen, gezerrten Zungen und beinahe verschluckten Kehlköpfen - noch einmal positiv aus der Affäre. Von einem Pflichtalbum kann in diesem Falle jedoch keineswegs die Rede sein.
Bauchklang Live:
26.11.'05: Wien, Arena / BK Release Party
02.12 '05: Innsbruck, Treibhaus
03.12 '05: Dornbirn, Conrad Sohm
07.01.'06: "FM5 ist 3"-Geburtstagsfest/Baumgartenberg (O.Ö)(weitere Infos folgen)
Mein Leben befindet sich zurzeit in Bearbeitung. Ich bitte deshalb um etwas Geduld. Danke.
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