2008-04-02 16:58:56
In Yasmina Rezas neuem Stück wird eine Prügelei zwischen zwei elfjährigen Kindern zum Ausgangspunkt eines katastrophalen Zusammentreffens für deren Eltern.
Ein Junge verprügelt einen anderen auf dem Schulhof mit einem Stock. Dieser verliert beide Schneidezähne und bekommt auch noch ein blaues Auge. Ein Grund für die beiden Elternpaare der Kinder, sich zu treffen und das Problem wie zivilisierte Leute untereinander auszudiskutieren. Doch was als nette Einladung zu Kaffee und Kuchen beginnt, gerät im Laufe des Stücks immer mehr aus den Fugen. Und bald wird klar, dass die heile Welt, an die sich die beiden Familien klammern, ganz und gar nicht mehr gerade steht.
Yasmina Reza.
Die Französin Yasmina Reza, die zur Zeit die erfolgreichste Gegenwartsdramatikerin sein soll, hat neben Der Gott des Gemetzels schon ihre Stücke Kunst und Drei Mal Leben am Burgtheater aufführen lassen. Bisher waren all ihre Werke ein großer Publikumserfolg in Wien. Zuletzt hat Reza mit ihrem Buch Frühmorgens, abends oder nachts, indem sie den Wahlkampf des französischen Präsidenten Nikolas Sarkozy dokumentiert hat, weltweit für Aufsehen gesorgt.
Das Vier-Personen-Stück Der Gott des Gemetzels wurde von Dieter Giesing unter Einsatz nur weniger Requisiten inszeniert. Man kommt nicht daran vorbei, sich mit jeder einzelnen Figur auf der Bühne tatsächlich auseinanderzusetzen und bekommt somit schneller als die Protagonisten selbst zu spüren, wie es wirklich um sie steht. Seltsam und unglaublich bedrückend driftet die Handlung immer mehr in ein Gemetzel der Gefühle ab.
Schräglage.
Je mehr die beiden Paare merken, wie schief der Haussegen eigentlich hängt und dass wohl sie selbst der Auslöser für die Prügelei ihrer Söhne waren, desto stärker gerät auch das Bühnenbild in die Schieflage. Vorerst eher unbemerkt, wird es gegen Ende zum "gefühlten" Hindernis, wenn die Schritte der Schauspieler viel gequälter und viel unnatürlicher als zu Beginn aussehen.
Rästelhafte Interpretationen.
Unbegreiflich erscheint es, wie so mancher Burgtheater-Besucher sich lachend im Sessel windet und anscheinend nicht begreifen kann, dass es in Der Gott des Gemetzels um mehr geht, als den eingebauten Wortwitz von Frau Reza. Es geht um das Zerbrechen zweier Familien an nur einem einzigen Nachmittag und darum, wie unsere gesellschaftlich aufgezwungene Höflichkeit durch einen winzigen Funken in zerstörerische Barbarei ausarten kann.
Yasmina Reza, die schon einen Comedy-Preis für Kunst mit dem Satz „Und ich dachte, ich habe eine Tragödie geschrieben.“, dankend abgelehnt hat, wird anscheinend auch bei Der Gott des Gemetzels wieder falsch verstanden. Vielleicht aber handelt es sich hier um eine Art Humor, die einigen Theaterbesuchern die Kehle zuschnürt und anderen das Zwerchfell kitzelt, wer weiß.
...und ich wär' hier so gerne zu hause,
denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.
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