2010-02-18 22:41:43
Aufgrund seiner filmischen Arbeiten war Roman Polanski in letzter Zeit weniger in den Schlagzeilen zu finden. Dies sollte sich nun aber ändern: Sein Politthriller Der Ghostwriter überzeugt auf ganzer Linie.
Nicht weniger skandalumwittert als Polanskis Persönlichkeit
selbst, ist die Thematik seines neuesten Films. Hier geht es zwar nicht um Sex
mit Minderjährigen, aber an Brisanz fehlt es der Story trotzdem nicht. Die
Zutaten: Ein Ex-Premierminister (Pierce Brosnan), ein Folterskandal im
Irakkrieg und Verwicklungen mit der CIA. Mittendrin: ein unbedarfter
Ghostwriter (Ewan McGregor), der zwischen die Fronten gerät. Da scheint
Spannung garantiert. Kein Wunder, zeichnet sich doch der britische Bestseller-Autor
Robert Harris für die literarische Vorlage und zusammen mit dem Regisseur auch
für die Drehbuchfassung verantwortlich.
Literaturverfilmungen?
Ja, bitte!
Nun kranken Literaturverfilmungen aber häufig an der
Problematik des Medienwechsels. Aufgrund der unterschiedlichen künstlerischen
Gesetzmäßigkeiten, wird manch großartiges Buch so zu einem halbgaren Film, der
versucht, Worte in Bilder zu übersetzen, anstatt sie sich für das neue Medium aktiv
nutzbar zu machen. Glücklicherweise versteht es Polanski aber, die Geschichte eindeutig
ins Filmische zu wenden. Dies zeigt sich schon in der ersten Szene. Zu
spannungsgeladener Musik öffnet eine gerade angedockte Autofähre ihren Bauch.
Es ist Nacht und es regnet in Strömen. Der Zuschauer weiß: gleich muss etwas
passieren. Doch vorerst geht alles seinen Gang. Die Autos werden nacheinander
herausgewunken. Eines leistet den Aufforderungen der heftig gestikulierenden
Arbeiter aber keine Folge. Schnell wird klar wieso: es sitzt schlichtweg niemand
darin. Jedes Klopfen ist umsonst. Schnitt. Eine Leiche liegt am Strand und wird
immer wieder von den Wellen überspült.
Suspense ohne Ende
Ohne ein einziges gesprochenes Wort, legt Polanski die
Grundlage für den gesamten Film. Dem Zuseher wird zwangsläufig klar: hier
stimmt etwas nicht. Und dieses Gefühl wird er bis zum Ende des Films auch nicht
mehr verlieren, obwohl in der Folge erklärt wird, was eigentlich geschehen ist.
Der Tote ist der Ghostwriter des ehemaligen britischen Premierministers Adam
Lang. Die Polizei geht von Unfall oder Selbstmord aus. Jedenfalls: es muss
schnell Ersatz beschafft werden.
Auch Tote können
sprechen
Ebenjener ist von der Aufgabe zunächst wenig begeistert,
obwohl ihm ein mehr als fürstliches Honorar versprochen wird. Politiker sind
nicht unbedingt sein Metier. Letztlich nimmt er die Aufgabe aber doch an und
fliegt auf die Atlantikinsel Martha’s Vineyard, wo sich Adam Lang mit seinem
Stab aufhält. Kaum angekommen eskaliert die Situation jedoch. Lang wird vor dem
Haager Kriegsverbrechertribunal angeklagt, Demonstranten bevölkern die Insel und
der Ghostwriter entdeckt immer mehr zweifelhafte Zusammenhänge in dem von
seinem Vorgänger verfassten Rohskript. Er beginnt zu recherchieren und stößt
bald auf Widersprüche und Ungereimtheiten. Alle scheinen irgendwie verdächtig:
da ist Adam Lang selbst, seine Frau Ruth (großartig: Olivia Williams), seine
persönliche Assistentin Amelia (Kim Cattrall), ein rätselhafter Professor (Tom
Wilkinson) und der ehemalige Außenminister Rycart (Robert Pugh). Erst ganz am
Ende erschließt sich, wer nun mit wem ein falsches Spiel gespielt hat.
Realismus oder
Fiktion
Schon bei der Veröffentlichung des Buches durch Robert
Harris mehrten sich die Gerüchte, dass es sich hierbei nicht nur um reine Fiktion
handeln könnte. Schließlich war nur kurz zuvor Tony Blair als Premierminister
abgelöst worden. Auch seine fragwürdige Rolle in Bezug auf den Irakkrieg und
eine im Raum stehende Anklage wegen Kriegsverbrechen waren zu jenem Zeitpunkt
aktuell. Harris gibt auch offen zu, dass ihm die Ereignisse einen Schlüssel für
die Thematik des Romans in die Hand gegeben haben, verweist aber darauf, dass er die
eigentliche Idee schon viele Jahre zuvor gehabt hatte. Was nun stimmt oder
nicht sei dahingestellt. Auf jeden Fall mehren sich auch im Film subtile
Verweise auf die Person Blairs. Diese werden durch die schauspielerische
Darbietung von Pierce Brosnan noch zusätzlich unterstützt. Vor allem sein
Grinsen scheint dem Blairs bewusst entlehnt zu sein.
Spannung auf allen
Ebenen
Gerade darin liegt aber auch die Spannung des Films. Verschiedene Genres und Themen halten hier ein Stelldichein. Thriller,
Liebschaften, Politik und Horror – verwiesen sei auf das immer wiederkehrende
Motiv der Fährfahrt – fügen sich hier wunderbar zu einem Mainstreamkino, wie
man es sich eigentlich nur wünschen kann.
FILMSTART: 19.
Februar 2010
Nobody knows the trouble I've seen.
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ich war gestern drin und fand ihn auch sehr gut.
ein bisschen wie miss marple für erwachsene ;)
und der ewan is so lässig! wie er immer weiter
reingesogen wird. dazwischen kommt auch paar
mal was zum lachen. das setting is ein traum.
die story kommt ein wenig blass durch. insgesamt
aber coole sache.
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