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Der Garten im Schrank.

2008-08-24 17:14:26

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Und dort kann er gerne bleiben. Eine Performance des jüdischen Theaters, die nicht wirklich überzeugt hat. Schade, eigentlich.

Schon Tocotronic haben einst ein Lied darüber geschrieben. "Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit" lautet der Refrain. Diese Zeilen waren die ersten, die mir während der Premiere von "Der Garten im Schrank" eingefallen sind.

Unter freiem Himmel.

Mitten in Wien, auf der Mariahilferstraße, direkt vor der Kirche Maria-Hülf hat das Jüdische Theater Austria unter der Leitung von Warren Rosenzweig eine Bühne errichtet. Während das abendliche Treiben auf der belebten Einkaufsstraße seinen Lauf nimmt, wird hier "Der Garten im Schrank" uraufgeführt.

Die Grundidee der Performance ist ziemlich futuristisch: Jeder Besucher bekommt einen funkgesteuerten Kopfhörer und kann wählen, ob er das dargebotene Stück auf Englisch oder Deutsch hören mag. Die Schauspieler selbst sprechen nicht, sondern öffnen und schließen ihre Münder eben dann, wenn im Kopfhörer der Zuseher etwas zu hören ist.

Um diese Idee jedoch richtig gut umsetzen zu können, wäre es nötig gewesen, dass die Gestik der einzelnen Darsteller ihr Übriges dazu tut. Außerdem wären professionelle Sprecher oder Native Speaker ein großer Schritt in die richtige Richtung gewesen.*

Audio killed the theatre star.


Denn nicht nur die schlechten Deutsch- bzw. Englisch-Kenntnisse der Sprecher, sondern auch das Rauschen in den Kopfhörern konnte man leider nicht ausschalten. So war man das ganze Stück über eher genervt als positiv erregt, was viele der Premierengäste durch einen sehr spärlichen Schlussapplaus auch zu erkennen gaben.

Warum sich der Autor dieses Textes um den Inhalt des Theaterstückes windet, ist leicht erklärt: Er hat ihn nur wenig bis gar nicht verstanden. Dennoch wagt er einen Versuch:

Zum Inhalt.

Eine Familie, bestehend aus Vater, Mutter, Sohn, Schwiegertochter und Baby (alle werden auch mit diesen Bezeichnungen benannt), trifft sich im Garten vor ihrem gemeinsamen Haus. Irgendwo in der Nähe sind Schafsweiden auf denen ein Hausangestellter namens "Junge" die Tiere hütet.

Die Mutter ist Alkoholikerin und redet andauernd von Streichhölzern und einem Schrank im Keller, indem sich ein geheimnisvoller Garten befinden soll. Der Vater bezeichnet die Mutter als Spatzenhirn und aufgrund ihres mysteriösen blauen Auges als Zwetschgenaug'.

Der Sohn ist Vertreter, oder zumindest beruflich viel unterwegs, während sich seine Frau zu Hause mit den Schwiegereltern fadisiert und ihr Baby hütet. Als er endlich einmal wieder nach Hause kommt, entfacht ein Wortgefecht zwischen allen Protagonisten, in dem vieles Insider-Charakter hat. Soll heißen: Man versteht's als Außenstehender einfach nicht.

Symbolik?

Die gibt es leider auch noch zu Genüge. Denn natürlich habe ich verstanden, warum die einzelnen Personen keine Namen haben, hier soll sich jeder angesprochen fühlen. Doch ein wenig subtiler hätte das auch gelöst werden können. Das Publikum von vornherein als unintelligent einzuschätzen, ist eine Untat.

Mir ist auch bewusst, dass der Mord, an dem alle Figuren beteiligt sind, und die gemeinsame Geheimniskrämerei rund um diesen mysteriösen Garten, in mir ein Bewusstsein für die Kollektivschuld hätte schaffen sollen. Doch das hätte man auch weniger überspitzt darstellen können.

Ein Tipp noch für die nächste Inszenierung: Wenn man Nebenhandlungsstränge erwähnt, sollte man sie ruhig länger als zwanzig Sekunden behandeln. Denn was es mit den "koksenden Schlampen im Obergeschoß", dem brennenden Licht um zwei Uhr nachts, oder der allwissenden Nachbarin auf sich hat, werde ich wohl nie erfahren.

Fazit.


Enttäuschung, aber auch ein wenig Anerkennung tun sich in mir auf, denn ich weiß den Versuch und die Idee sehr wohl zu schätzen und finde sie bewundernswert. Dennoch bringt einem das ganze Tamtam nichts, wenn die Message nicht rüberkommt. Deshalb schließe ich diesen Bericht mit einem Zitat, der am Anfang des Stücks durch die kollektiv (!) getragenen Hörer schallte:

Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist.


* Falls das Missverständnis entstanden sein sollte, dass die Akteure des Stücks unprofessionell sind, möchte ich darauf hinweisen, dass sich die mangelnde Professionalität lediglich auf das schlechte akustische Verständnis bezogen hat.

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AutorInnen

Christian Pausch

Christian Pausch

...und ich wär' hier so gerne zu hause,

denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.

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Kommentare




 

11.09.2008
Warren Rosenzweig

Immer noch die gleiche Hymne

Dear Editor,

The Jewish Theater of Austria is a low-budget, independent, "off-theater" artistic company based in Vienna. It is the first initiative of its kind in Austria since 1938, the year we are commemorating with our current production "der Garten im Schrank – Ein Volksstück". For the past nine years since its inception, the Jewish Theater of Austria has been producing quality, professional productions of new works, generally without the support of the city of Vienna or the federal government.

"der Garten im Schrank", which was recently awarded the Interkulturpreis of Upper Austria, is a critical, creative examination of xenophobia and "Verdrängung", and raises questions concerning “collective memory”, social responsibility, and the “inheritance of evil”.

In his lengthy, pointedly biased article for FM5, entitled "Der Garten im Schrank," which begins with the line "Und dort kann er gerne bleiben", Christian Pausch writes "[Es] wären professionelle Sprecher oder Native Speaker ein großer Schritt in die richtige Richtung gewesen" and complains of "die schlechten Deutsch- bzw. Englisch-Kenntnisse der Sprecher". Considering the fact that the cast comprises a group of highly experienced film and stage actors, there can be no question at all concerning professionalism. Such actors as Erwin Leder, Mimi Kilinger, and Rita Hatzmann are the definition of "professionelle Sprecher". The "Deusch- bzw. English Kenntnisse der Sprecher" is not discernible from the prerecorded, bi-lingual performances, since the actors work with a fixed text in both German and in English. Furthermore, any objective evaluation will readily show that even pronunciations are perfectly clear throughout both language versions.

The perceived problem of not having "native speakers" in performance is another matter and indirectly suggests the very fear and hatred of "otherness", which is among the primary themes of the production. While the perception that only a native speaker should perform in German on stage in Austria (and, conversely, that a native German speaker should not perform in English on an Austrian stage) is not yet fully antiquated in our small corner of the world, it is disconcerting to think that an electronic journal of young, progressive, cultural reporting like FM5 would endorse such a retrograde, xenophobic position. I prefer to imagine that this has been merely an oversight on the part of the editors.

As if to excuse himself to the reader, Mr. Pausch confesses his ignorance about a work that is hardly as difficult to understand as he pretends: "Warum sich der Autor dieses Textes um den Inhalt des Theaterstückes windet, ist leicht erklärt: Er hat ihn nur wenig bis gar nicht verstanden." Yet, despite his professed confusion, he takes his invective to considerable length.

The article closes with the remark "[Ich schließe] diesen Bericht mit einem Zitat, der am Anfang des Stücks durch die kollektiv (!) getragenen Hörer schallte: Glücklich ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist." The quote was made famous, of course, by “Die Fledermaus” of Johann Strauß and was made infamous by NSDAP Vienna Gauleiter and Ostmark Reichstatthalter Joseph Bürckel in his speech at the Vienna Concert House on March 24, 1938. In his article, however, Mr. Pausch refers specifically to how the quote was cited at “der Garten im Schrank” production as invoked by the Austrian psychiatrist and author of “Die Österreichische Seele”, Erwin Ringel, in the following comment concerning the problem of amnesia surrounding events in Austria in 1938: “‘Glücklich ist, wer vergißt, was doch nicht zu ändern ist.’ Man könnte dies als die heimliche Hymne des Österreichers bezeichnen.”

In this 20th "Gedenkjahr" it is disturbing to witness such crass insensitivity and ignorance in the heart and mind of a would-be journalist. But perhaps this cannot be helped, and perhaps it is only a reminder of the importance of attempting to interpret, if not to understand, the inexorable spirit of prejudice and malice.

Sincerely,

Warren Rosenzweig
Artistic Director of the Jewish Theater of Austria
Author and Director of “der Garten im Schrank”

[antworten]




 

16.09.2008
cpausch [info]

Neue Töne.

Kritik ist immer subjektiv. Meine Aufgabe als Kritiker ist es weder die Leistung des jüdischen Theaters als Institution an sich, noch die Leistungen der SchauspielerInnen oder des Regisseurs aus früheren Produktionen zu würdigen, sondern einzig dieses zu besprechende Theaterstück subjektiv zu beurteilen. Auch das Budget – ob independent/low-budget oder nicht, ist für den Kritiker im Moment der Rezeption irrelevant.

Das Freie Magazin FM5 und seine AutorInnen freuen sich stets über Rückmeldungen, Anmerkungen und sachliche Kritik an den veröffentlichten Texten.

Das Freie Magazin FM5 ist eine Plattform für Kunst und Jugendkultur, die bemüht ist „Räume der Begegnung und des Austauschs für Jugendliche [zu] schaffen, unabhängig ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft“, weshalb das Freie Magazin FM5 niemals faschistische, rassistische und antisemitische Inhalte zulassen würde.

Das Freie Magazin FM5 weist somit die getätigten Vorwürfe der Xenophobie, Ignoranz, Rückwärtsgewandtheit und den Vorwurf der mit Vorurteilen behafteten Berichterstattung entschieden zurück.

Bei weiteren Anmerkungen bitten wir unsere LeserInnen sich an kreatives@fm5.at zu wenden.

Hochachtungsvoll,

Christian Pausch,
Freies Magazin FM5.

[antworten]




 

18.09.2008
Warren Rosenzweig

J'accuse!

Dear Herr Aschauer,

I have left a detailed message concerning Mr. Pausch's private motives in publishing mercenary invective on your web magazine. I hope that you will investigate and address this serious accusation accordingly. Such mischief does disservice to FM5 as well as to its readers.

Thank you.

Sincerely,

Warren Rosenzweig

[antworten]




 

18.09.2008
gebürtiger Mauthausner

dass die kritik keinen hochwertigen journalismus darstellt, muss euch schon klar sein

die kritikpunkte (schlechter akzent, rauschen im kopfhörer, "tipp für die nächste inszenierung") im text am stück sind mir schon beim lesen als zu "oberflächlich" aufgefallen und wenn man sich halt eh schon verstärkt mit dem thema antisemitismus beschäftigt wie der herr rosenzweig, dann kann man hinter diesem ersten grossen richtig "bösen" verriss den fm5 seit seinem bestehen bislang veröffentlich hat, schon die ein oder andere "movivation" rauslesen, wenn man möchte. zumindest der hinweis "eh nix verstanden zu haben, von dem was da vorgeht" ausser, dass dem theaterbesucher da irgendwie eine kollektivschuld eingereded werden soll, kommt einer kapitulation dem stück und der ganzen thematik hinter dem stück gleich. sowas zu veröffentlichen und dann noch als fm5 gesamt dahinterzustehen ist mehr als peinlich. bitte in zukunft etwas sensibler und fundierter an theaterstücke mit derartigem inhalt rangehen, denn zum stück und zur darin behandelten thematik gäbe es genug recherchematerial (psychoanalyse, faschismusforschung zb hinsichtlich der familienstruktur usw), oder es gleich bleiben lassen.

[antworten]




 

25.09.2008
Florian Müller

Der Ich-weiss-nix-Text

Ich habe bis jetzt noch nie einen Artikel gelesen, in dem jeder zweite Satz sinngemäß "Ich weiß nicht, worum es geht, aber ich kritisiere es" ist. Der Text ist ein durchgehendes Armutszeugnis für seinen Autor. Tipp für den nächsten Artikel: Lieber nicht schreiben, wenn dem Autor unklar ist, worum es im Artikel geht.
Die Produktion wurde nicht zu unrecht ausgezeichnet, aber sicher gibt es auch Dinge daran zu kritisieren. Die Art und Weise, wie das in diesem Beitrag geschieht, ist jedoch unter jeder journalistischen Kritik.
Ich bedaure, dass Warren Rosenzweig so viel Zeit mit diesem Artikel in Form eines Leserbriefs verschwendet hat, denn seine Theaterstücke sind wirklich gut geschrieben.

Florian Müller, Freier Journalist

[antworten]




 

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