2007-06-30 11:52:14
Walter Gröbchen, Kommunikations- und Consulting-Agentur-Chef der Firma monkey music im FM5-Interview über Austropop, die pragmatischen Neuen Österreicher, den Musiktank Österreich, Creative Commons im Musikbusiness und LoungeFM, das andere Radio.
FM5: Durch deine Tätigkeiten u.a. als Musicbox-Moderator und als langjähriger Artist- und Repertoire-Manager kennst du das österreichische Musikbusiness ziemlich gut. Du warst auch bei der ORF-Sendung Austropop begehrter Interviewpartner. 1995 hast du dein Buch Heimspiel – eine Chronik des Austropops veröffentlicht. Wie geht’s dem Austropop im Vergleich zu vor zehn Jahren?
Walter Gröbchen: Das Lustige ist, ich glaub, das letzte Mal hab ich mich damit beschäftigt, wie der Rudi Dolezal um die Ecken gebogen ist und seine Austropop DVD-Serie gemacht hat, die ja im Fernsehen gelaufen ist. Damals hab ich gesagt, na ja, das ist ja alles gut und schön, aber es kommt zehn oder fünfzehn Jahre zu spät. Den Austropop gibt es als nostalgische oder als historische Chiffre, aber nur mehr mit ganz großen Abstrichen als lebendige Materie. Vielleicht kann man noch die ganzen Künstler, die sich so ein bisschen in der Tradition des Austropop sehen, dazurechnen, so a la Birgit Denk und ein paar andere, aber ansonsten ist das Genre tot.
Du bringst also nicht die Schiene von den Neuen Österreichern irgendwie mit dem Austropop noch in Verbindung?
Ich bring sie schon in Verbindung, es ist ja eine etwas perfide Sache, dass Ö3 jetzt so tut - ich versteh schon Ö3, warum sie's tun - aber es ist historisch und auch aus einer größeren Perspektive einfach unzutreffend zu sagen, hier haben wir die alten Österreicher und hier die neuen Österreicher, das ist natürlich ein dialektischer Schmäh. Um sozusagen eine neue Ära zu definieren um die quasi nach eigenen Bedingungen und Vorstellungen definieren zu können. Die Neuen Österreicher heißt ja im Prinzip nichts anderes, als eine jüngere Generation von Künstlern, von denen die meisten auch deutschsprachig singen, nicht alle, die quasi mit Ö3 verzahnt sind oder verzahnt werden im Zug dieser Aktion. Und wenn man's jetzt nüchtern betrachtet, oder vielleicht auch pessimistisch, dann ist es eine gelungene Ö3-Martketing-Aktion, indem man manche Künstler ins gute Körbchen legt, eben die neuen Österreicher, die dann auch von Ö3 unterstützt und wahrgenommen werden und wo man sich deren Erfolge mit auf die Fahnen schreibt, und außerhalb dieses Körbchens der Neuen Österreicher gibt’s offensichtlich gar nichts. Dann gibt es noch die alten Österreicher. Die alten Österreicher, sprich Austropop, also das, was man heute eher auf Ö-Regional hört, bis auf die, die man dann im Zug der Ö3 Musikreform sozusagen immer wieder gern hervor holt, wie Falco und so weiter, also die Evergreens, an denen auch Ö3 offensichtlich nicht vorbeikommt. Insgesamt halte ich das alles für absurd und äußerst fragwürdig, aber das ist die Realität und eines haben die neuen Österreicher gelernt: bedingungslose Pragmatik.
Der Creative Commons-Sektor boomt derzeit, neuerdings gibt’s auch Business-Konzepte dazu, zum Beispiel beatpick.com in England oder magna tune in Amerika, die jetzt wirkliche Business-Modelle drauf gesetzt haben. Wie beurteilst du die Chancen der cc-artists in Österreich?
Es ist ein Modell, das in Expertenkreisen bekannt ist und diskutiert wird, in verschiedensten Abstufungen. Ich glaub aber, dass das in der Breite noch nicht richtig kommuniziert wurde und noch nicht wirklich bekannt ist. Obwohl natürlich immer mehr mit so einem cc-Ansatz konfrontiert werden und lernen, damit auch umzugehen. Bis jetzt ist ja das Copyright sehr strikt und mit so einer großen Freiheit müssen natürlich alle Seiten erst mal lernen, umzugehen. Ob es als Businessmodell taugt, wird die Zukunft weisen und zwar für alle Seiten, ob Agenturen, ob Profis, ob Medien gescheit damit umgehen können, aber auch, ob Privatleute eine gewisse Eigenverantwortung oder Einschätzung entwickeln, die auch bei ihnen liegt, was man damit tun will und tun kann. Auf der anderen Seite natürlich die Urheberseite, die sozusagen einen "revenue" daraus beziehen kann, was ja letztendlich wesentlich sein wird, sofern man nicht sagt, ok, wir sinken wieder eine Stufe runter, wo der Künstler wieder von Mäzenen und so weiter abhängig ist. Das wird alles die Zukunft weisen. Aber ich glaub, die Sache wird dringlicher und sie wird brisanter und sie bietet sich als Alternative immer klarer an - und die Modelle, sozusagen von der Ur-Idee, werden ja auch ausgefeilter. Also die Lizenzen, unter denen cc-Rechte benutzt werden können, werden ausgefeilter. Es gibt sozusagen mehr Abstufungen und ich glaub, dass das in den nächsten 5 bis 10 Jahren ein wesentlicher Faktor sein wird.
Was ist das Kerngeschäft einer Kommunikations- und Consulting-Agentur mit angeschlossenem Label und Verlag?
Das Kerngeschäft ist der Umgang mit Musikrechten, d.h. Verlag ist ein Teil des Kuchens. Das Label ist eigentlich etwas, was man relativ nüchtern sehen muss. Als Privatmann sehe ich das natürlich sehr verklärt, aber als Geschäftsmann, muss ich das sehr nüchtern betrachten. Das ist einfach eine Art von Serviceleistung, die man dem Künstler anbietet oder anbieten muss. Das heißt, du produzierst und veröffentlichst nach wie vor eine herkömmliche CD, das ist für bestimmte Zwecke unabdingbar.
Wir haben kein einziges Produkt bis jetzt, das wir nur online vertreiben, sondern es gibt für Kenner, für Liebhaber, für Journalisten und für andere Zwecke, die also Wert auf höchste Audio-Qualität usw. legen, immer noch eine CD.
Etwas, das nicht veröffentlicht ist, ist zum Beispiel für einen Verlag uninteressant. Etwas, das veröffentlicht ist, hat die Chance, wahrgenommen zu werden und immer wieder auf Interessenten zu stoßen, auch jenseits des Fans, sei es jetzt bei der Werbung oder bei Filmleuten, die Musik suchen oder sei es für den Einsatz im Radio.
Dass der physische Tonträger meist nur mehr ein nostalgisches Relikt ist, das eigentlich mehr Geld kostet, als es bringt, liegt im Jahr 2007 auf der Hand, aber es gehört nach wie vor zum Business dazu. Letztendlich ist es ein Bündel an Dienstleistungen. Was wir nicht machen ist vielleicht sogar einfacher zu definieren als das, was wir machen. Wir machen kein Booking, also nur in Ausnahmefällen, wir sind keine Booking-Agentur. Wir machen auch aktiv keine Veranstaltungen. Also kein Event-Marketing und keine Event-Agentur Tätigkeiten. Wir machen auch kein Management, im klassischen Sinne, kann aber gut sein, dass wir das bald machen.
Seit neuestem bietest du auch eine Download-Plattform an, Musiktank. Erlaubt es der österreichische Markt, rein von der österreichischen Musik zu überleben, als Download-Plattform. Und Nicht-Österreicher sind ja quasi vom Kauf scheinbar ausgeschlossen?
Ursprünglich hieß es Musiktankstelle; wir haben aber dann aus markenrechtlichen Gründen umgeschwenkt auf Musiktank. Der Musiktank ist eigentlich ein sehr experimentelles Vehikel. Wir haben vor drei Jahren gesagt, wir würden gern klein, aber fein selbst ein Gärtlein anlegen und da versuchen ein Pflänzlein hochzuziehen. Und das ist uns in einer gewissen Weise gelungen, in einer gewissen Weise aber auch nicht gelungen, weil die Materie sich tatsächlich als sehr komplex herausgestellt hat. Komplex einerseits, weil es von den Plattenfirmen unnötig komplex gemacht wird. Man kann hier den österreichischen Filialen nur zum Teil einen Vorwurf machen, die hängen da natürlich in der hierarchischen Kette dann sozusagen hinter Deutschland, England, Amerika. Kein Mensch kümmert sich jetzt darum, ob die Österreicher irgend so einen komischen Musiktank mit ihren komischen österreichischen Produkten befüllen können und wollen, oder nicht. Wir sind aber eigentlich auf sehr viel Wohlwollen gestoßen, weil die Österreicher hier, sowohl in den Major-Plattenfirmen als auch bei vielen Labels gemerkt haben, dass es klug ist, da ein bisschen damit herum arbeiten zu können. Außerdem hat der Musiktank eines gemacht und da liegt der Verdienst auch beim SR-Archiv: Viele österreichische Plattenfirmen auf Major-Seite haben kein gescheites Archiv, d.h. die haben für viele Tonträger aus den 70er, 80er Jahren, oder auch aus den 60ern und zum Teil aber auch aus den frühen 90ern keine Master mehr und wissen zum Teil gar nicht mehr, dass sie das mal im Katalog gehabt haben. Die mussten da erst in irgendwelchen Kellern und Aktenordnern graben und teilweise haben sie aber auch keine Master mehr und waren da sehr dankbar, dass das SR-Archiv den ziemlich umständlichen und mühevollen Prozessen des Digitalisierens und des Katalogisierens und des Einfügens von Metadaten übernommen hat.
Insofern wurde das mit Wohlwollen betrachtet und man ist uns immer wieder auch entgegengekommen und hat da ein oder zwei Augen zugedrückt. Das gleiche gilt für die Austromechana. Zum Teil sind da einige Dinge nach wie vor nicht gelöst, das ist eine kuriose Angelegenheit und man ist da selber mitten auf einem Schlachtfeld, und das Schlachtfeld ist natürlich erstens ein wirtschaftliches Schlachtfeld, weil ringsum fallen sozusagen die alten Gebäude in sich zusammen. Das hat sich aber in den letzten drei Jahren deutlich gebessert und es gibt jetzt mehr Selbstverständnis und mehr Selbstverständlichkeiten in der Materie als früher.
Du bist noch in einem anderen Projekt drin, das nennt sich LoungeFM. One ist recht zufrieden mit diesem Projekt und bezeichnet es als das erfolgreichste Webradio Österreichs. Lounge-Musik findet man definitiv auf LoungeFM, allerdings würde ich es nicht als Webradio im Sinne eines Web 2.0 bezeichnen. Man findet keine Playlists, keine Communitiy-Elemente. Die HörerInnen sind beinahe vollständig ausgeschlossen. LoungeFMist meiner Meinung nach ein normales Privatradio. Wurde deshalb die Lizenz im Raum Wels-Linz-Steyr und Wien beantragt? Wird LoungeFM ein "normales" Radio?
Das was du jetzt im Web hören kannst, oder auch über One-Handys, also über UMTS, ist tatsächlich ein Modell, das wir vor über 1 ½ Jahren aufgesetzt haben. Und damals ging es eher darum, zu demonstrieren, dass das Handy auch als Empfangsgerät dienen kann, für ein dezidiert dafür aufgesetztes Programm. Es ist kein Web 2.0-Modell, aber wir sind gerade in ziemlich intensiven Gesprächen mit One, wir brauchen ja immer einen Business-Partner an Bord. One bastelt ja auch grade an seiner Marke One Loves Music herum und da wird sich einiges tun, ohne jetzt allzu viel verraten zu wollen. Und wenn man LoungeFM tatsächlich jetzt auf einer UKW-Frequenz erhält, dann ist das natürlich Berieselungsradio, wobei ich es hier positiv definieren will, als ein Radio-Angebot, das es so nicht gibt und wo wir auch eine gewisse Chance sehen.
Du bist für das Musikprogramm zuständig, zumindest liest man das, nach welchen Kriterien triffst du die Musikauswahl?
Eine Geschichte wie LoungeFM ist letztendlich, da muss man sich nichts vormachen, das ist kein von Enthusiasmus und Fan-Begeisterung und von Entdecker-Freude getriebenes Radio, sondern hat eine gewisse funktionale Qualität, hoffe ich. Sprich, man schafft eine Art von Sound-Tapete, die möglichst viele Leute erfreuen soll und auch von dem, wie sie wirken soll, sprich loungemäßig, beruhigend, entspannend, gute Hintergrundstimmung ergebend, aber auch bewusst gut wahrnehmbar, also nicht einfach Fahrstuhlmusik.
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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mir egal aber es könnte kommen...
danzer? :)
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schlecht
finde das interview zu brav und die fragen zu konstruiert.
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