2007-04-02 00:10:38
Nichts scheint der heutige Mensch mehr zu brauchen, als Rankings, egal ob „die Besten“, „Die Dümmsten“ oder „Die Schlechtesten“. Heutzutage auch gern mit dem finalen „aller Zeit“ Zusatz versehen. Im Kino ist es nicht anders, nur gibt es hier anscheinend mehr Mut zur Unvollkommenheit und ein positives Eingeständnis zur Subjektivität, wie der Canon des Filmmuseums Wien beweist.
Dass wir alle gerne bewerten und Bewertungen erhalten, ist schon im Alltag nicht zu übersehen. Dass Gerade populäre Massenmedien immer wieder endgültige Wertungen in Sachen Schönheit, Beliebtheit, Verrücktheit und dergleichen erlassen und dies großen Verkaufswert hat, ist ebenso wenig von der Hand zu weisen. Vom Publikum gewählt oder von einer Fachjury erkoren scheint es, als gäbe es kein Rütteln an der Unumstößlichkeit dieser Tabellen. Doch anders als in Wirtschaft und Sport, wo es gewisse objektive Spielregeln, Punktesysteme gibt, die, trotz menschlicher Fehler und Schummeleien und Sympathien, zu einer einfacheren Reihung führen, als in kulturellen Gütern. Ein Bild kann von unschätzbarem Wert sein und trotzdem scheiße aussehen. Das funktioniert im Sport zwar auch (Ablösesummen, etc.), aber es scheit hier doch noch mehr Eigenwissen gefragt zu sein als in anderen Bereichen des Lebens, einfach weil wir in kulturellen Dingen mehr aus dem Bauch heraus entscheiden als kühlen analytischen Urteilen folgen. Natürlich gibt es Kunstwerter, Kritiker, Schätzmeister, Auktionäre die mir hier heftigst widersprechen, doch ich denke die Parallele liegt vor allem im Namen des Künstlers. Denn Kunst und Wirtschaft ist ja nicht einfach so zu trennen wie Dotter und Eiweiß.
Gerade das Kino ist Industrie, und die Produktion ist Geschäft. Deshalb gehen wir vom Endverbraucher aus, der vielleicht etwas vertiefter in der Materie, trotzdem aber kein absoluter Kenner ist und sich nicht nur von großen Namen sondern eben auch vom Gefühl für einen Film leiten lässt. Es gibt einfach Filme, die nur einem selbst gefallen und das ist auch gut so. Einer der sich das gedacht hat, der aber sicher NICHT zu vorherig erwähnter Endverbrauchergruppe zu zählen ist, ist Alexander Horwath. Ein das Filmmuseum programmierender Kenner darf schon etwas wertender auftreten als zum Beispiel ich. Doch er macht das recht sympathisch. Alleine schon das Zugeständnis der eigenen Sympathie zu den Filmen und die bereits eingangs erwähnte Subjektivität erlauben dem Zuseher und Besucher des Filmmuseums sich selbst ein Bild zu machen, selbst entscheiden zu dürfen was er als gültig akzeptiert oder was er verneint.
Der bisher sehr gut besuchte Canon „Utopie Film“, der noch bis Ende September im Filmmuseum zu sehen ist, stellt ein Bild der Filmgeschichte dar, das nicht nur das – meist zu Genüge bekannte – Material der gegenwärtig als die „besten Filme aller Zeiten“ umfasst. Er setzt sich stattdessen aus Filmen, die einen tieferen Eindruck davon vermitteln was Film ist, kann und leisten soll zusammen. Das kreative Arbeiten mit einer Kunstform, die schon beim Entstehen sich selbst dokumentiert, aufzeichnet und finalisiert bis zum nächsten Directors Cut. Und hier liegt auch ein Teil des Problems, der Hund begraben. Endgültige Ranglisten „aller Zeiten“ gibt es erst dann wenn die Kunst, der Sport, die Wirtschaft die gewertet wird, selbst nicht mehr existiert oder produziert. Wenn alles Schaffen eingestellt wird und man zurückblicken kann, von einem endgültigen Standpunkt aus. Doch glücklicherweise machen die Menschen sich das selber schwer, sie machen weiter, sie erfinden neues und, ja, manchmal wärmen sie gerne altes wieder auf. Deshalb ist die Endgültigkeit hoffentlich noch lange nicht aktuell. Zumindest nicht in der Kunst, mit Michael Schumacher könnte man darüber diskutieren.
„Utopie Film. 100 Vorschläge“ ist noch bis zum 30. September 2004 im Filmmuseum Wien zu sehen, genaue Programminfos auf www.filmmuseum.at. Auch nicht zu vergessen: eine Aktion des Filmmuseums in Kooperation mit dem Kulturreferat der ÖH Uni Wien für StudentInnen im ersten Semester, die eine gratis Herbstmitgliedschaft und ermäßigte Kinopreise ermöglicht. www.oeh.ac.at
Was gibt es da schon viel zu sagen, bzw. schreiben. Ein normales Studentenleben mit 23. In Wien. Mit viel Musik und wenig Materiellem. Die alltäglichen Gegensätze tun sich jedenfalls genau dort auf. Meistens geht es besser wenn es schlecht geht als wenn es glatt geht und dafür nirgendwo hin geht. Ich brauche eben immer ein paar Ecken die ich nicht wahrhaben will. Klingt nach 80ern, aber Retro ist bekanntlich Trend wenn dabei nur nichts Neues entsteht. Was das heißt? Schreiben Sie mir ein Mail oder denken Sie nach. Privat bleibt eben privat.
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