2007-04-02 00:12:40
Picasso. Malen gegen die Zeit. ist vom 22.09.2006 - 7.01.2007 in der Albertina zu sehen. Die Ausstellung verspricht viele Akte und was sonst noch zu einem Nachmittag im Museum gehört.
Deformierte Akte
Irgendwann begegnet man Pablo Picasso. In der Volksschule wird im Zeichenunterricht unbefangen mit seinen Werken gearbeitet. Das Nachmalen von Picassos Bildern stellt für Schulkinder meist keine Barrieren dar. Später in der Oberstufe beschäftigt man sich näher mit dem Maler, seinem Leben und dem Hintergrund verschiedener Werke. Das wahrscheinlich bekannteste Bild heißt Guernica. Der eigentliche Auftrag der spanischen Regierung für den spanischen Pavillon der Weltausstellung 1938 in Paris wurde von Picasso verworfen. Der Angriff auf die Baskenstadt Guernica war Inspiration zu Picassos Werk.
Die Albertina präsentiert
Guernica zählt natürlich nicht zu den Spätwerken Picassos mit denen sich die Ausstellung „Picasso. Malen gegen die Zeit“ beschäftigt. Ungefähr 200 Werke werden in der Albertina präsentiert. Neben Gemälden und Zeichnungen befinden sich auch unbekannte Druckgrafiken und Skulpturen im Equipment der Schau. Kurator Werner Spieß sieht die Dialektik von Malerei und Zeichnung im Zentrum seiner Ausstellung.
Malen gegen die Zeit
In den letzten Jahren seines Schaffens schien der Künstler wenig Zeit zu haben. Schnell, wild und teilweise ungenau wirken die Gemälde Picassos. Passend zum Titel der Ausstellung „Malen gegen die Zeit“ sind die Bilder des Künstlers.
Jede Räumlichkeit bekommt ein eigenes Thema. Beim Betreten des ersten Raumes begrüßen Persiflagen des Gemäldes „Frühstück im Grünen“ von Eduard Manet (1863) den Besucher. Ausführliche Texte an der Wand kommentieren die Bildgruppen, manchmal sogar einzelne Gemälde und Skulpturen. Auch dem Konzept „Der Maler und sein Modell“ wird viel Platz gewidmet. Hier ist vor allem die Bodenständigkeit Picassos erkennbar. Der Maler sitzt auf Höhe seines Modells, er sieht sich selbst als ebenbürtig und nicht als übermenschliches Wesen.
Nacktheit im Mittelpunkt
Viele Akte ziehen sich wie ein roter Faden durch die Ausstellung. Bereits in der Ankündigung der Albertina wird darauf hingewiesen. Manchmal ist diese Nacktheit – geprägt von Deformation - jedoch zu voyeuristisch. Anhand der ausgewählten Werke ist zu erkennen, dass Picasso nicht nur Akte gemalt hat, sondern sich sehr wohl auch mit angezogenen Menschen beschäftigt hat. Es scheint, als wäre das Ziel der Ausstellung möglichst viele Darstellung Nackter – oft nicht gleich als menschliche Wesen erkennbar - passend zu jeder Themengruppe zu zeigen. Natürlich bleibt hierbei fraglich, ob dies auch die Absicht des Künstlers war.
"Als Kind ist jeder ein Künstler. Die Schwierigkeit liegt darin, als Erwachsener einer zu bleiben." (Pablo Picasso)
Picasso blieb seinem Zitat treu. Werner Spies versucht dies in der von ihm kuratierten Ausstellung „Malen gegen die Zeit“ zu vermitteln. Mit vielen Erläuterungen und Hintergrundberichten werden dem Besucher Picassos Sichtweise und Gedankengänge näher gebracht. Es wäre schön gewesen ein wenig mehr Freiraum für Eigeninterpretationen zu haben, dennoch verspricht die facettenreiche Ausstellung einen Kunstgenuss, in den man nicht alle Tag kommt.
zu sehen bis 7.01.2007 in der Albertina
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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