2008-06-26 11:23:21
Ben Gibbard steigt mit Band die waghalsigsten schmalen Indietreppen empor. Ermüdungserscheinungen wie beim ziellosen und etwas mageren Vorgänger 'Plans' sind diesmal nicht auszumachen. Death Cab For Cutie finden zu alter Stärke und neuem Mut.
Sie scheinen wieder inspiriert. Geradezu verschwenderisch gehen sie mit Melodien und Arrangements um, ohne das Schwelgen in bittersüßem aber hoffnungsvoll abgeklärtem Songmaterial zu vergessen.
Nicht nur der Ansatz ist diesmal toll, sondern auch die eigentliche Ausführung beweist den richtigen Riecher.
Fresh Feelings
Das Album beginnt programmatisch und führt uns nach Kalifornien: "I descended a dusty gravel ridge beneath the Bixby Canyon Bridge, until I eventually arrived at the place where your soul had died". Mit polternden Drumschlägen an den richtigen Stellen und lautem Aufschrei der E-Gitarre, fiept hier alles wie in einem feucht-fröhlichen Fiebertraum.
In epischer Präzision dehnt sich die Songstruktur bei I Will Possess Your Heart, dem wichtigsten und besten Stück des Albums. Über Piano-Tupfer und rumorendem Bass geht der rote Faden dabei nicht verloren.
Wer in den kurzweiligen acht Minuten nicht den Rhythmus aufnimmt und unweigerlich dem Groove folgt, der macht definitiv etwas falsch.
"When I was young, lying in the grass, I felt so safe, in a warming bath of sunlight" - In No Sunlight steuert die Band gemeinsam dem sonnigen Refrain entgegen, obwohl die grauen Wolken mit zunehmendem Alter sich vermehren und kein Sonnenlicht mehr durchlassen.
Für eine zweite Single würde sich der Song noch genügend Leuchtkraft aneignen. Doch kann das restliche Material da noch mithalten?
Der starke Eindruck, den die mächtige Single I Will Possess Your Heart erweckt, wird das Album nicht allzu schnell los.
Dennoch spannt und wickeln sich die restlichen Songs mit ihren feinen Melodien um diesen einen Song herum, bis das ganze Album in schönem Glanz erstrahlt.
Die ersten drei Songs sind auf ihre Art und Wiese Hitgaranten, die nachfolgenden stellen die besonnene und Songwriter-orientierte Seite der Band dar. Danach gibt es wiederkehrendes Liedgut in dieser abwechselnden Form, entweder rockig wie das beschwingte Long Division oder schwermütig wie The Ice Is Getting Thiner, dem letzten Stück, dass Tiefgefrorenes zum Schmelzen bringt.
Eine überraschend exotische Note setzt Pity And Fear, und fällt mit tribalartiger Percussion etwas aus dem Indie-Konzept.
Der Wohlfühlfaktor
Death Cab erzählen wonnige Geschichten mit trüben Bestandteilen ohne abgedroschene Phrasen zu benutzen.
Narrow Stairs ist ein Album über die Schwierigkeit des Seins und die Barrieren der Liebe (Your New Twin Sized Bed oder I Will Possess Your Heart als offensichtliche Exemplare dieser Gattung).
Ben Gibbards Stimme ist immer noch ein rührendes Gemisch aus Weiner-, Bitter- und Traurigkeit. Dabei fällt auf, wie der Text eines Songs und die Stimmung, die er transportiert, auseinandergehen können.
In der pechschwarzen Poesie ihres Sängers, rafft sich die Band in luftige und umschmeichelnde Höhen auf.
Mit diesem munteren Indie-Kleinod kann man die Sonne direkt in sein Herz lassen und die Sorgen und den Ernst des Lebens vergessen.
Selbst die ärgsten Miesepeter sollten da mitziehen.
"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)
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