2009-04-27 19:23:39
Das sechste Crossing Europe Filmfestival ging am 26. April zu Ende.
18.000
FestivalbesucherInnen, ein Plus von 2.000 FilmliebhaberInnen gegenüber dem Vorjahr, kamen
und genossen. Das Interesse sei steigend, freut sich auch Festivalleiterin Christine
Dollhofer. Kein Wunder bei der Vielfältigkeit des Filmprogramms – 177 Filme aus
33 Ländern.
Wie etwa Eden Lake. Eden
Lake lief im Spezialprogramm Nachtsicht, das sich voll und ganz dem Genre Horror verschrieben hatte. Das Regiedebüt des Engländers James Watkins
porträtiert Englands soziale Gesellschaftsprobleme und siedelt sie in einem
Psychohorrortrip an. Ein junges schönes Paar aus London gönnt sich ein
Wochenende am Land. In der Nähe eines Dorfes soll ein Wohnprojekt am See
entstehen – Eden Lake. Dort campen sie, Proletariat trifft auf Borgeousie, ein
Klassenkampf wird entfacht. Und ganz nach dem Sinne dieses Genres werden
hier schöne Körper demoliert und zerstört, Imagebilder einer Region
zu Schreckensbildern. Ebenfalls in diesem Special lief erstmals Dario Argentos
Trilogie The Three Mothers: beginnend mit Suspiria (I, 1977),
dann Inferno (I, 1980) und schließlich La Terza Madre (I/USA,
2007), das jüngste Werk Argentos, das nahtlos an seine
Vorgängerfilme anschließt. Obwohl optisch dem 21. Jahrhundert angepasst, spielt der
Altmeister des Suspense noch immer mit denselben Stilmitteln: mit Licht und Farbe. Alte herrschaftliche Häuser dienen als verwunschene böse
Orte, viel plakatives rotes Blut und unheimliche Musik.
Andere Länder – andere
Sitten
Neben all den dunklen Seiten
des Kinos bot das Crossing Europe zudem wieder viel Platz für abwechslungsreiches
europäisches Kino: von Dokumentarfilmen bis hin zu Shorts. Das Tromso
International Filmfestival war zu Gast und präsentierte in der Reihe Tromso Palm Winners die Gewinner der letzten drei Jahre – zwei Kurz- und ein
Dokumentarfilm, in denen es stark um zwischenmenschliche Beziehungen, die Weite und Einsamkeit der nordischen Länder geht. Das Filmfestival am Polarkreis findet immer im Jänner statt, wenn nach den dunklen Monaten des
Winters das Licht in den Norden zurückkehrt.
Spazieren wir nach
Italien, zu dem Debütfilm Pranzo di Ferragosto von Gianni di Gregorio.
Gianni ist auch Hauptdarsteller in dem Film und schrieb mit Matteo Garrone, der hier als Produzent fungiert, das
Drehbuch von Gomorra. Rom: Die Hitze des Augusts lässt die Städter am
Ferragosto Wochenende ans Meer oder aufs Land fliehen, aber Gianni, der seine Mutter
betreut, bleibt in Rom. Weitere drei ältere Ladys werden von ihrem
Hausverwalter und seinem Arzt bei ihm einquartiert. Das Wochenende kann kommen.
In Pranzo di Ferragosto dreht sich alles um la mama und ums
italienische Essen. Weg von Mamas Maccaroni a la casa hin zu Fish'n'Chips. In Somers Town von Shane Meadows sehen wir Thomas Turgoose wieder, der auch bei Eden Lake und Shane Meadows preisgekröntem Film This is England (lief voriges Jahr am Crossing Europe) mitspielte. Hier gibt er Tomo, der versucht sich in London allein durchzuschlagen. Somers Town bannt die sozialen Probleme Londons in leicht-flockiger Art auf Leinwand.
Preisträger
Der mit € 10.000 dotierte Crossing
Europe Award ging an den türkischen Regisseur Mahmut Fazil Coskun für seinen
ersten Spielfilm Ihtimal/Wrong Rosary (Türkei 2009). Den von der Filmzeitschrift ray gesponserten
Publikumspreis erhielt der Spanier Alexis Dos Santos für Unmade Beds (GB
2008). Den Local Artist Award haben sich dieses Jahr zwei Filme geteilt: Martin Music erhielt für seinen Film Drauf €
4.000 und Furniture von Harald Hund und Paul Horn den Sachpreis um €
2.000.
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