2007-07-20 11:04:21
Über die Simpsons wurde schon so viel geschrieben. Ein bisschen etwas muss aber noch sein.
Am Anfang musste es schnell gehen. In wenigen Minuten schüttelte der Comiczeichner Matt Groening das Konzept für eine neue Serie aus dem Ärmel. Das war 1987, im Büro des Produzenten James L. Brooks. Bei den Namen der Charaktere griff er aufs Naheliegende zurück: seine Familie. Sein Vater hieß Homer, die Serie The Simpsons.
Zuerst nur als kurzer Pausenfüller für eine Fernsehschow gedacht, wurden die Cartoons ab 1989 als eigenständige Serie ausgestrahlt. In Deutschland begann der Siegeszug der Serie schließlich 1991.
Besondere Unterhaltung
Soweit, so banal. Wäre das alles nur die Geschichte einer weiteren Zeichentrickserie für Kinder, wäre dieser Artikel wohl nie geschrieben worden. Ebenso der Berg an Diplomarbeiten, wissenschaftlichen Sammelbänden und Analysen, die Artikel in ernsthaften Zeitungen wie Die Zeit, Süddeutsche und Standard nicht zu vergessen.
Unterhaltung für alle
Das Geheimnis der Simpsons ist, dass sie praktisch für jeden funktionieren. Kinder entdecken Slapstick-Humor, abwechslungsreiche Handlungen und rotzfreche Identifikationsfiguren in ihrem Alter. Erwachsene fühlen sich durch die zahlreichen Anspielungen und gesellschaftskritische Hinweise erhaben, soweit sie sie verstehen.
Mehr als Unterhaltung
Heute wirkt der Horrorschocker Der Exorzist harmlos und lächerlich. Ebenso lockt Barts „Eat my shorts“ keinen konservativen Familienverband mehr hinter dem Ofen hervor. Nachfolgeserien wie South Park überholten die Simpsons darin sogar. Trotzdem war The Simpsons Vorreiter. Alles, was in großen Teilen Amerikas hoch und heilig ist, bekam bei den Simpsons sein Fett ab: der amerikanische Traum, die Familienharmonie, die Waffenlobby, die Atomindustrie, die political correctness, Frömmelei, FOX und die hohe Politik.
Da wurde schon mal Ex-Präsident Bush sen. eine Clown-Perücke auf den Kopf geleimt und Richard Nixon als einflussreicher Förderer eines Schweins vorgestellt.
Unterhaltung und Kritik
Die Simpsons sind beides: lustig und kritisch. Eine bessere Kombination gibt es nicht. Mit ihrer Breitenwirksamkeit schaffen sie es, politische und gesellschaftliche Angelegenheiten wieder unters Volk zu bringen. Zuviel darf man sich davon totzdem nicht erwarten. Immerhin sind die Simpsons ein äußerst geldbringender Teil der Unterhaltungsindustrie und laufen auf Rupert Murdochs Sender FOX. Daran ändern auch die (selbst)kritischen Anspielungen in der Serie nichts.
Simpsons und Gesellschaft
Unterschätzen sollte man die Simpsons allerdings ebenso wenig. Die Gegenseite nimmt sie als Gefahr wahr. Nicht umsonst meinte der Ex-Präsident Bush sen. in einer Rede: „We need a Nation closer to The Waltons than The Simpsons”. Filme und TV-Serien waren schon immer Hinweis und Orientierung fürs wirkliche Leben. Also die bieder-braven Waltons als Vorbild für ein konservatives Amerika? Nein danke, dann lieber Bier trinken bei Moe.
Und was hätte wohl der große Kritiker der Kulturindustrie und ihres unkritischen Einheitsbreis, der todernste Professor Adorno, zu den Simpsons gesagt? Vermutlich: „Neinn!“
Ich mag mein Studium (Politikwissenschaft), Tiere, die Wiener Außenbezirke und gutes Essen (Tiere). Mitglied des FM5-Kletterteams.
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