2008-01-30 23:31:15
Susanna Ridler veröffentlicht ihr erstes Album unter ihrem Namen: Koe:r ist ein angenehmes Werk, das zum Wohlfühlen anregt. Ein bisschen Jazz inklusive.
Beim Erwähnen des Namens Jazz schwingt ein leichtes Angstgefühl mit. Schließlich handelt es sich bei diesem, schon lange den musikalischen Wiederholungsprozess bedienenden Genre um jene verstockte Sorte, die überhaupt in unseren Breitengraden extrem anstrengend erscheint. Es ist nämlich ein bisschen so wie damals in der Schule: Einer redet, alle hören (stillschweigend) zu. Umgemünzt auf klangtechnische Verhältnisse bedeutet das endlose, immer im Mantel des Akademischen steckende Gitarren-Soli; grantelnde Mitsechziger mit Vollbartmontur und adretter Professor-Krawatte, die sich per Schlagstock einen von der Palme wedeln; und so weiter und so fort. No excess, no posing! Innovativ klingt anders.
Auch bei Susanna Ridlers neuem Album Koe:r kommt man um dieses Wort, das sofort Alarmsignale auszulösen vermag, nicht herum. Doch in diesem Fall schwingt ein ungewöhnliche angenehmer Nebeneffekt mit: Jazz wird Trip Hop (!), Pop (!!), ja sogar die große Welt der Elektronik (!!!) beigemengt. Wahrscheinlich liegt es aber auch an jenem Umstand, dass die Protagonisten von Koe:r, allesamt das Who is Who der österreichischen Jazz-Szene, der eher im interessanten Bereich angesiedelten Szene angehören: So agieren Peter Herbert (Stehbass), Wolfgang Puschnig (Saxophon), Thomas Gansch (Trompete), Helmut Jasbar (Gitarre) und Rainer Deixler (Schlagzeug) neben der wunderbaren, herrlich lasziv anmutenden Stimme von Susanna Ridler.
„Being Under Water“
Ridler, die Schauspiel, Gesang und Musik studiert und einige Jahre am Theater gearbeitet hat, geht in den letzten Jahren der Beschäftigung mit dem Computer nach und versucht bewusst, ihrer verführerischen Stimme ein subtil elektronisches Stimmungsbild unterzuordnen. Bereits im Jahr 2003 veröffentlchte sie unter dem Pseudonym tristan einen Remix über George Gershwin `s bekanntem Stück Summertime. In Anbetracht der Tatsache, dass genau diese Symbiose aus verspielten elektronischen Klangteppichen und Ridlers wundervollen Vocals überzeugen kann, veröffentlicht sie dieser Tage ihr Debütalbum unter ihrem Namen Koe:r – und liegt damit natürlich goldrichtig. Denn hier trifft ein schönes Stück auf das andere. Es sind Töne, die dauernd ein wenig an einen vor sich hinplätschernden Wasserfall erinnern. Was eine Metapher ist, die wahrscheinlich gar nicht so weit hergeholt ist. So lautet der Opener zum Beispiel Dirty Water und der Sound kling danach. Außerdem trägt ihr am Albumcover notiertes, getätigtes Statement den musikalischen Inhalt wohl ein wenig vor: „As I was producing these eleven songs I spent most of time wearing my headphones – an experience similar to being under water.“ Nachsatz: „I hope you are not hydrophobic as I wish u a good dive.“ Nein, keine Angst, wir tauchen gerne ab und schwimmen weiter im Ozean der wohltuenden Klänge.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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