2007-04-02 00:10:55
Suzie Kerstgens, ihres Zeichens Sängerin der sich zwischen zarten Pop-Klängen und melancholischen Dauerblüten bewegenden, aus Köln stammenden Band Klee, plaudert im Gespräch mit dem Freien Magazin über den deutschen Pop, die Definition von Klee und über Liebeslieder.
Liebe, groß geschrieben
Die Songtexte des sich seit 1996 Klee nennenden Trios rund um Sängerin Suzie Kerstgens, Gitarristen und Bassisten Tom Deininger und Keyboarder Sten Servaes – bei Konzerten wird die Band von Stefan Götzer (Bass) und Daniel Klingen (Schlagzeug) unterstützt – drehen sich hauptsächlich um das ewige Thema Liebe. Man müsste sämtliche Textzeilen dieser Formation erwähnen; der am besten geglückte Versuch, der Liebe auf den Punkt zu kommen – so weit das möglich ist – stellt wohl der im Jahre 2004 veröffentlichte Song „2 Fragen“ da: „Und wenn ich dich zwei Fragen fragen würde, wär das: Woran glaubst? Und wofür lebst du?“ Selten findet eine Band solch treffende Worte um die komplexeste – und gleichzeitig einfachste – Sache der Welt darzustellen. Man muss sich als Zuhörer immer eine Wiese voller Klee-Blätter vorstellen, in der man gerade liegt und den feinen Klängen der Band Klee lauscht… . Bei einem Gespräch mit der Band Klee – genauer: mit der Sängerin Suzie – würde dieser Gedanke natürlich ins Abseits führen; den sollte man sich für das Konzert aufheben.
Freies Magazin: Das deutsche Musikmagazin VISIONS hat Folgendes über euch geschrieben: „Ihr neues Album 'Zwischen Himmel und Erde' geht musikalisch noch weiter in Richtung Hymnen-Pop.“ Ich finde, dass diese Bezeichnung den Nagel auf den Kopf trifft. Was meinst du dazu?
Suzie Kerstgens: Also das ist auf jeden Fall ein Kompliment. Wir haben uns im Studio natürlich schon sehr viel Mühe gegeben, aber ich glaube, es liegt daran, dass wir letztes Jahr sehr viele Konzerte gegeben haben – u. a. mit The Wedding President im Ausland, Festivals und eine Tour mit Nena – und auf kleinen und großen Bühnen gestanden sind. Und das sind Eindrücke, die verarbeitet werden wollen und das isst uns auf diesem Album gut gelungen. Deshalb wahrscheinlich die Bezeichnung „Hymnen-Pop“.
FM5: Also du findest die Bezeichnung Hymnen-Pop in Ordnung? Stichwort: Schubladisierung.
Suzie: Ich mag eigentlich keine Schubladisierung, aber der Mensch muss sich ja an irgendetwas orientieren bzw. muss navigieren. Man braucht ja auch die Sterne und den Horizont, damit man nicht die Orientierung verliert. Solange es keine 0815-Schubladen sind, denn da macht man es sich zu einfach.
FM5: Warum sollte man sich Klee anhören?
Suzie: (lacht) Weil man möchte. Ich glaube, Klee ist für Menschen, die Gefühle für sich selbst zulassen, die romantisch veranlagt sind. Diese Leute haben Zugang zu Klee-Musik. Das geht aber auch noch weiter, dass man so eine Menschlichkeit in sich spürt. Unsere Konzerte sind auch nicht von vorne bis hinten klar durchstrukturiert.
FM5: Klee bedeutet ja klassischer Pop: Zarte, feine Melodien, die sehr beseelt und emotional sind. Habt ihr vor, einmal politische Songs zu schreiben oder ist euch das zu peinlich?
Suzie: Nein, letztendlich, wenn man genau hinhört, sind unsere Songs ja sehr politisch. Wir sind halt keine Band, die mit Pauken und Trompeten und mit erhobenem Zeigefinger unsere Musik und Inhalte hinausbrüllen. Ich finde, man sollte jedem Menschen die Freiheit geben zu entscheiden, wie man was versteht. Uns geht es um Liebe und zwischenmenschliche Beziehungen, wie man mit Mitmenschen umgeht und da fängt ja Politik an. Das ist ja der Samen dafür. Ich würde es mir nicht zutrauen, mit erhobenem Zeigefinger zu sagen: Das darfst du und das nicht! Ich habe aber schon meine eigene Meinung und die sage ich auch in den Songs.
FM5: Kannst du den Albumtitel Zischen Himmel und Erde erörtern? Soll das eine Ableitung bzw. ein Wortspiel von dem Ausdruck Zwischen Himmel und Hölle sein?
Suzie: Nein, das war nicht der Ursprung. Das Album ist eben so liebevoll. Die Frage war, welchen Rahmen kann man setzen und uns war es schon wichtig das Ganze in einen weichen Rahmen zu setzen und nicht immer diese Härte, die ohnehin in der Welt herrscht, auch noch zu unterstreichen.
FM5: Die Band Klee gibt es jetzt seit 10 Jahren. Habt ihr euch damals vorgestellt, dass ihr so werdet wie ihr heute seid? Was habt ihr euch damals gedacht?
Suzie: Wir haben uns natürlich charakterlich geformt und es ist sehr schön, sich bei jedem neuen Album selbst treu zu bleiben; die Musik hat auch einen eigenen Charakter. Und wir denken alle nicht, dass wir uns zurücklehnen; dafür sind wir zu viel Musiker. Und das fühlt sich jetzt nicht so an: Das ist unser Höhepunkt! Sondern wir haben eigentlich nur das gemacht, was unser Leben ist, nämlich Musik. Und ich will ja auch noch weiterleben.
FM5: Wie war die Tour mit Nena?
Suzie: Cool! Ja, das war schon aufregend. Allein schon dieser Moment, als sie uns fragte, ob wir sie begleiten wollen. Die Nena, deren Schallplatten wir in den 80ern im Kinderzimmer hörten. Ich habe das alles irgendwie nicht packen können. Das Ganze war so lehrreich, wie das alles so funktioniert bei so einer bombastischen Tour. Es war unheimlich schön!
FM5: Der deutschsprachige Pop bringt Bands hervor, deren Wiedererkennungswert ja immer geringer wird. Es klingt halt alles zu ähnlich. Was hältst du von der These, dass in diesem Raum schon alles so gleich klingt?
Suzie: Man muss sich schon darauf einlassen. Ich finde zurzeit sind die ganzen Bands, die es da so gibt, die man präsentiert bekommt, ziemlich gut und eigenständig. Das kann man nicht über einen Kamm scheren. Auf der anderen Seite, wenn man ein bisschen tiefer schaut, unter der Oberfläche: So eine Musikkultur ist schon toll! Popmusik als Kultur. Das ist in England seit Jahren so, dass sich ein sechsjähriges Kind mit seiner Oma im Wohnzimmer zu Oasis mitsingen kann. Oder bei Blur.
FM5: Beschreibe doch Klee mit eigenen Worten. Stichwort spezielle Charaktereigenschaften.
Suzie: Es ist Pop-Musik, die vielleicht einen Hauch poetischer, romantischer als andere Bands ist, aber dennoch irgendwie auch Rock`n`Roll ist. Nicht nur von der Einstellung! Du bekommst bei Klee nichts vorgesetzt!
FM5: Was bedeutet der Songtitel „Liebe mich leben“?
Suzie: Der Song ist sehr selbstbewusst, muss ich schon sagen. Man muss vom Leben verlangen, dass es dich liebt, genauso wie du es liebst. Das ist eher so ein existenzialistischer Gedanke, der da dahinter steckt. Dass man sich dem Ganzen nicht so ergibt.
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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