2007-04-02 00:10:10
FM5 war zu Gast bei LH Dr. Josef Pühringer um über das einst umstrittene Thema Musiktheater zu plaudern.
Linz will im Jahr 2009 Kulturhauptstadt Europas werden. Im Zuge dessen soll das ehemals umstrittene Projekt Musiktheater umgesetzt werden. Kein anderer hat sich so stark dafür gemacht wie Sie. Warum ist Ihnen das Musiktheater persönlich so wichtig?
Oberösterreich hat einen guten Kulturstandort entwickelt. Wir sind bekannt dafür, dass wir auf der einen Seite unser reiches kulturelles Erbe ordentlich weiterentwickeln, pflegen, in einer Form, dass es von der nächsten Generation angenommen wird, wir sind aber auch bekannt dafür, dass wir offen sind für das Neue, dass wir auch dem kulturellen Experiment Stellenwert geben. Wir haben sehr viel entwickelt in Stadt und Land, ob das die Ars Elektronica ist, das Offene Kulturhaus, unsere extrem gut besuchten Landesaustellungen, das flächendeckende Musikschulwerk, das Festival der Regionen usw. Wir haben aber einen Schwachpunkt: Das ist das derzeitige Landestheater mit seinen Angeboten an Platz und an technischen Möglichkeiten. Unsere Schauspieler leisten hervorragende Arbeit, wir haben eine Spitzenauslastung, aber wir können viel in diesem alten Haus nicht mehr machen, dazu kommen Probleme mit dem Arbeitsinspektorat, was die Arbeitsplätze anlangt, daher kann es nur ein neues Theater geben, denn Oberösterreich ohne einem zeitgemäßem Theater als Spitzenland in Österreich ist nicht vorstellbar.
Bei der Volksbefragung im Jahr 2000 lautete die Frage: Soll in Linz ein neues Musiktheater gebaut werden? 60 % damals haben gegen den Bau gestimmt. Jetzt behaupten aber viele, es ging nur den Standort im Berg. Was war Ihrer Meinung nach der Grund für die Ablehnung und was hat sich heute 2004 geändert?
Ich war nie ein Freund dieser Volksbefragung, weil ich glaube, dass man Kulturprojekte genauso wie Sozialprojekte nicht einer Volksbefragung unterziehen kann. Wenn Sie das Bruckerhaus, das heute außerhalb jeder Disskusion steht, wenn Sie das Lentos, das außerhalb jeder Disskusion steht, einer Volksbefragung unterzogen hätten, hätte es dafür keine Mehrheit gegeben. Das ist die eine Seite. Das zweite ist, 40 % dafür ist auch ein sensationeller Wert. Marcel Prawy hat mir am Tag nach der Volksbefragung ein Telegramm geschickt, wo drinnen gestanden ist, 40 % für ein Theater, das hats auf der ganzen Welt noch nicht gegeben. Der Landtag hat sich noch einmal damit befasst und war mit ganz großer Mehrheit, nur gegen die Stimmen der FPÖ, der Meinung, man sollte das Theater bauen. Wir haben den Standort gewechselt und haben jetzt eine Grundsatzentscheidung getroffen und ich hoffe, dass wir es Ende 2009 eröffnen können. Ich kann mir einfach ein Kulturland OÖ ohne ein zeitgemäßes Theater nicht vorstellen. Es war keine Volksabstimmung, es war eine Befragung und die Kompetenz liegt natürlich beim Landtag.
Finden Sie privat noch Zeit Kulturveranstaltungen zu besuchen? Wenn ja, was bevorzugen Sie?
Ich bin ein großer Konsument von Kulturveranstaltungen, denn sonst würde ich auch nicht richtigerweise Kulturreferent des Landes sein. Ich bin schon im Jahr mindestens fünfmal im Theater, im Landestheater, bin aber auch bei den Festivals draußen, im Sommer und auch bei sonstigen Aufführungen, ich bin Gast bei den Stiftskonzerten, genauso wie beim Brucknerfest. Ich würde sagen, dass ich etwa 25 Abende für den Kulturkonsum mir noch reservieren kann, in Jahren, die politisch nicht so heiß sind, vielleicht noch etwas mehr.
Wird es im neuen Musiktheater auch für Jugendliche ein Angebot geben?
Das gibt es im alten auch schon. Wir haben als einziges Landestheater eine eigene Experimentierbühne, wenn Sie wollen, für die zeitgenössische Kunst, nämlich das Eisenhand. Wir werden natürlich dem Jugend- und dem Kindertheater Stellenwert geben, denn es ist ja nicht unbekannt, das OÖ als einziges Bundesland Schäxpir veranstaltet, ein Kinder- und Jugendtheaterfestival von internationalem Format. Wir werden diese Aktivitäten, wenn es bessere räumliche Vorraussetzungen gibt, natürlich verstärkt fortsetzen können.
Das Musiktheater findet nicht nur Zustimmung. Es gibt auch kri tische Stimmen bzw. Organisationen. KUPF sagt zB, dass ein derart kostspieliges Projekt, was sowohl die Errichtung als auch den laufenden Betrieb des Musiktheaters betrifft, zulasten der freien Szene, zum Nachteil alternativer Zeitkultur geschehen könnte und damit die infrastrukturelle und finanzielle Schieflage zwischen Hochkultur und alternativer Kulturarbeit verschärft würde. Wie stehen Sie dazu?
Ich nehme natürlich jede Kritik und jegliche Anregungen ernst, aber man soll auf der anderen Seite auch nicht das Gras wachsen hören. Die KUPF sollte sich erkundigen, was ihre Schwesternorganisationen in der Steiermark, in Wien in Niederösterreich an Förderungen bekommen, denn die freie Szene, die zeitgenössische Kulturszene in Oberösterreich erhält mehr Förderungen als in Salzburg, Kärnten und Niederösterreich zusammen. Natürlich wird das nicht zulasten der freien Szene gehen, die Größenordnungen sind ja gar nicht vergleichbar. Außerdem machen wir eine PPP, eine Private Public Partnership Finanzierung, sodass die Budgets nicht unmittelbar betroffen sind, sondern dass sich die Finanzierung über einen langen Zeitraum erstreckt. Ich sage, es wird nicht zulasten der Kulturförderung gehen. Es wird für die Kultur eine große Bereicherung sein.
Wie schaut der Zeitplan aus?
Es ist jetzt der Grundsatzbeschluss Mitte Juli gefasst worden. Sie müssen der Kulturabteilung und der Bauabteilung schon einige Monate Zeit geben, um einen Architektenwettbewerb, der ja europaweit durchgeführt werden muss, vorzubereiten, das passiert jetzt, und ich hoffe, dass wir noch in der ersten Hälfte 2005 die Ausschreibung machen können, und dass wir mit Architektenwettbewerb europaweit zweiteilig Behördenverfahren, Grundstücksfreimachung, es muss ja das alte UKH aberissen werden usw, soweit sind, dass wir Anfang 2007 mit dem Bau starten können, das würde ein Bauende zum Ende des Jahres der Kulturhauptstadt ermöglichen.
Ich gehöre zu den Personen die von Anfang an dabei waren. In FM5 steckt nicht nur viel Zeit sondern auch ganz persönliches von mir. Im Moment habe ich mich ans Doktorat gemacht. Ich gehöre wohl zu den Personen, die nie Zeit haben...
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