2009-04-17 00:33:01
Vorhang auf für das neueste Werk von Carlos Ruiz Zafón. Nach dem Weltbeststeller Der Schatten des Windes folgt sein neuester Streich.
Barcelona, die In-Metropole
Europas wird in diesem Roman zum düsteren Schauplatz, zur Stadt der Verdammten. Im
Barcelona vor der Zeit des spanischen Bürgerkriegs explodiert
die Bevölkerungszahl und die Stadt breitet sich scheinbar unaufhaltsam aus. In seinem Vorgängerroman Der Schatten des Windes aus dem Jahr 2001 führte uns Carlos Ruiz Zafón in die Welt der Vergessenen Bücher. Auch diesmal dreht
sich wieder alles um Bücher, Literatur, eine unerfüllte Liebe und die Angst vor dem
Tod.
Alles Literatur?
Hauptfigur und Held
im Roman ist der junge Schriftsteller David Martín. Vom Laufburschen in der
Redaktion Stimme der Industrie steigt er auf der
Karriereleiter zum Autor von schaurigen und blutigen Groschenromanen auf. Bald
schreibt er unter einem Pseudonym für ein schmieriges Verlegerpaar die 127-teilige Romanserie Die Stadt der Verdammten. Die Romane werden zum Erfolg und gehen
weg wie warme Semmeln.
Sein erstes anspruchsvolles literarisches Werk, das unter
seinem eigenen Namen erscheint, wird jedoch von den Kritikern verrissen.
David Martín schreibt und schreibt, als ginge es um sein Leben. In Wahrheit ist er tatsächlich nur mehr einen kleinen Schritt vom Tod entfernt. Doch da taucht eine faustische Figur – der Verleger Andreas
Corelli – auf. David Martín soll für ihn eine Religion des Hasses erfinden und sie
niederschreiben. Der junge Autor geht mit Corelli einen Pakt des Teufels für sein
Seelenheil ein. "Das Erzählen ist eine
mächtige Waffe", sagt Ruiz Zafón. "Wir lernen neue Dinge am besten über
Geschichten, so funktioniert unser Gehirn. Deshalb können Geschichten dazu
verwendet werden, Menschen zu manipulieren. Wie bringt man jemanden dazu, zum
Massenmörder zu werden? Indem man ihm Geschichten erzählt, zum Beispiel die vom
himmlischen Paradies, in dem die Jungfrauen aus dem Victoria’s-Secret-Katalog
auf ihn warten."
Kein Silberstreifen am dunklen Horizont
Das Buch zieht
den Leser immer tiefer in den Strudel der Geschehnisse hinein. Anfangs steht das Wesen des Schriftstellertums und der Literatur im Zentrum der Erzählung. Die Buchhandlung
von Sempere und der Friedhof der vergessenen Bücher aus Der Schatten des Windes dürfen da natürlich nicht fehlen. Je weiter man in die unheimlich fesselnde Lektüre eintaucht, desto mysteriöser werden die Geschehnisse, desto stärker verdichten sich die Schatten. Das Grande Finale besticht durch atemberaubende Spannung. Zafón lässt die melancholisch düstere Stimmung in einem thrillerähnlichen Höhepunkt gipfeln.
Carlos Ruiz Zafóns Roman Das Spiel des Engels ist ein Werk voller Surrealität und dunklen Abgründen.
Der anspruchsvolle Leser wird begeistert sein und sich dem Sog der Worte nicht
entziehen können. Das Ende des Buches lässt viel Raum für eigene Gedanken. Nichts für Menschen, die ein Happy End oder
ein "Und sie leben glücklich bis in alle Ewigkeit"
erwarten.
Zum Autor:
Carlos Ruiz Zafón wurde 1964 in Barcelona geboren. Seine berufliche Laufbahn
startete er als Texter. 1994 zog er nach Los Angeles, um in die Glamourwelt
Hollywoods einzutauchen. Er verfasste Drehbücher und war als Journalist tätig.
Das Spiel des Engels
von Carlos Ruiz Zafón.
erschienen im S. Fischer Verlag.
Hardcover, 720 Seiten, EUR 25,70
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