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Das Soundportal: eine Bestandsaufnahme mit Blick in die Zukunft

2007-04-02 00:15:00

FM5 Im Gespräch mit den Machern von Radio Soundportal Didi Tschmelak und Werner Kiegerl.

FM5: Werner, auf deinem Profil auf der Soundportal Hp liest man unter "was bringt die Zukunft" eine Österreichweite Privatradiolizenz. Wie sieht es damit aus?

Werner: Ja das dauert noch ein bisschen (lacht) aber wir haben ja auch noch jahrelang Zeit. Vor eineinhalb Monaten haben wir zwei zusätzliche Frequenzen bekommen und werden Ende September in der kompletten Oststeiermark, bzw. in Gleisdorf, Fürstenfeld, Feldbach und in Weiz, auf Sendung sein.

FM5: Kann man davon ausgehen, dass lokale Schwerpunkte gesetzt werden?

Werner: Je nach Relevanz des Verbreitungsgebiet natürlich. Und was durchaus realistisch ist, wäre in der ganzen Steiermark auf Sendung zu gehen. Was wir uns als nächstes überlegen ist, wohin wir uns weiterverbreiten. Gehen wir nach Wien, nach Linz oder nach Slowenien - das ist alles noch nicht klar. Wir machen das Schritt für Schritt und mittlerweile haben wir schon Bewerbungen verschickt für weitere Frequenzen in der Obersteiermark. Danach werden wir uns Voitsberg vornehmem. Also in den nächsten drei, vier Jahren sollten wir die Steiermark gänzlich versorgen können.

FM5: Wird die Nachfrage auf Dauer gehalten werden können, wenn der Lokalbonus wegfällt und auf der anderen Seite ein Programm gemacht wird, welches kaum Schwerpunkte setzt?

Didi: Naja, wir steigern uns jedes Jahr, wie die mittlerweile auf 10% gestiegene Hörerrate ja beweist. Wir machen diesen Job auch nicht seit gestern. Seit Mitte der Neunziger arbeiten wir daran, gegen Ende der Neunziger ist das Projekt dann verwirklicht worden und ab 2000 läuft das Ganze unter 97.9 und dementsprechend ist die Kurve der Publikumsentwicklung auch nach oben gewandert. Daher glaube ich sehr wohl, dass das geht, da die Leiste unserer Zuhörer auch immer breiter wird.

FM5: Man kann in der ganzen Medienlandschaft Versuche einen Bereich abzudecken und sich zu spezialisieren bemerken. Bei euch kann man das nicht erkennen. Entsteht da nicht die Gefahr dazwischen durchzufallen?

Didi: Gefahren bestehen bei allem was man tut. Wir haben ja ein klipp und klares Zielgruppensegment, weil wir einfach viele Sachen nicht machen, die z.B. Ö3, Antenne Steiermark oder Kronehit spielen. Da gibt es schon genaue Grenzen und Schranken. Unser Musikrepertoire wird sich immer in jenem Bereich abspielen, der sich weitläufig „Alternative Music“ nennt. Mit Augenmerk auf junge Nachwuchsbands.
Werner: Trotzdem brauchen wir aus finanziellen Gründen natürlich auch gewisse Quoten und deswegen auch eine Breite. FM4 zum Beispiel müssen sich mit drei, vier Prozent in der Steiermark herumschlagen und das würde uns nicht reichen, weil wir zu wenig Geld für die Werbung bekommen würden. Und das ist schon die ganze Geschichte.

FM5: Zu Zeiten des Arcardiums war der „Live Club“ am Donnerstag ein fixer Bestandteil im Grazer Kalender. Schmerzt es zu wissen, dass dieser jetzt praktisch verschwunden ist?

Didi: Da ich Jahre meines Lebens Woche für Woche im Arcardium verbracht habe, tut es mir nicht nur um den „Live Club“ sondern vor allem ums Arcardium selbst leid. Obwohl der Untergang zum Schluss in gewisser Weise schon absehbar war – ohne Subventionen war es einfach nicht mehr durchführbar.
Trotzdem haben wir den „Live Club“ bis zum letztmöglichen Tag angesetzt. Es war eine total wichtige Plattform für alle lokalen und nationalen Bands und vor allem für junge, internationale Bands. Das ist auch eine Frage, die man an die Politik weitergeben kann, wie weit die daran interessiert wäre solche Nachwuchsplattformen zu unterstützen. Den „Live Club“ gibt es aber einfach auch deswegen nicht mehr, weil das Arcadium geschlossen hat. Der nächste Schritt wird sein, sich im Osten der Steiermark um Locations zu zum Beispiel reaktiviert und unter dem Namen „Live Club Ost“ wieder als Spielstätte junger Bands herhalten.

Werner:
Man muss aber auch hinzufügen, dass der „Live Club“ so und so auf Dauer nicht funktionieren hätte können. Niemand hat dabei Geld verdient. Weil es Kultur ist, und Kultur braucht im Normalfall ein gewisses Minimalbudget.

FM5: Nun zum Reizthema PPC, von dem 51% ihr besitzt und hoch verschuldet ist. Könnte es sein, dass diese Location zur Außenstelle des Univiertels wird?

Werner: Ich glaube, das kann man entkräften. Die ganze PPC-Entwicklung schaut ja so aus, dass der erste Geschäftsführer, Stefan Auer, finanziell einen ziemlichen Scherbenhaufen hinterlassen hat und die Bude schon knapp vorm Konkurs gestanden ist. Dann sind wir gekommen und haben halt versucht etwas zu retten, indem wir Programm eingeschoben, Konzerte aus dem Arcadium ins PPC verschoben und neue Clubs wie „High Voltage“ gemacht bzw. umgelegt haben. Und das Niveau dieser Clubs ist eindeutig ein anderes als das im Univiertel, das muss ich schon dazusagen. Aber dass das PPC so hoch verschuldet ist kann ich nicht bestätigen. Wir haben eine neue Geschäftsführerin bestellt und ich arbeite das alles gerade auf. Bis jetzt habe ich noch nichts Gravierendes in diese Richtung entdeckt. Also ich weiß nicht woher diese Gerüchte kommen.
Didi:
Wir sehen unsere Aufgabe einfach darin, darauf zu achten, dass die Location stabil bleibt und ein tolles und abwechslungsreiches Programm bieten kann.

FM5: Der letzte eingeführte Club „Motown Fever“ wurde ja schon wieder aus dem Programm genommen. Er kam nicht über seine Startprobleme hinaus. Läuft das in Graz immer so ab bzw. würde das beispielsweise auch mit „High Voltage“ passieren, wenn eine schwierigere Zeit kommen würde?

Werner: Zu „Motown Fever“ muss ich sagen, dass wir da sehr große Erwartungen hatten. Vor allem weil der Start, so ähnlich wie bei „Völlig losgelöst“ oder „Club2“, phänomenal war. Wir glauben halt eher, dass es an der Musik gelegen ist. Funk und Soul in der Form, wie wir es dort präsentiert haben, kommt anscheinend nicht gut an. Es gibt wahrscheinlich 50 Leute, die das interessiert und der Rest, den man braucht um den Club zu füllen, ist nicht gekommen. „High Voltage“ hat sich ja auch langsam aufgebaut. Am Anfang waren immer so um die 150 Menschen da, hin und wieder 200, und erst ab März dieses Jahres läuft es wirklich gut.
Didi:
Außerdem macht es ja keinen Sinn, etwas auf Biegen und Brechen durchzuziehen, wenn das Publikum nicht darauf einsteigt. Und um noch einmal zum „Live Club“ zurückzukommen: die Vergangenheit wurde meiner Meinung nach auch ein bisschen verklärt. Es hat wunderbare Konzerte gegeben mit großartigen Acts wo ich alleine mit wenigen Menschen gestanden bin, obwohl es vielleicht sogar freien Eintritt gegeben hat. Diese Tage hat es natürlich auch gegeben. Ein Mitgrund für das Scheitern wird auch eine Übersättigung an Live-Konzerten sein und natürlich muss auch bei den Clubs eine Partystimmung entstehen. Die Leute sollten Freude daran haben. Wenn das nicht so ist, wird das Ganze einfach keinen Sinn machen…

FM5: Das Elevate steht an, Spring war auch heuer wieder ein großer Erfolg. Doch von den größeren Veranstaltungen hört man wenig bei euch.

Werner: Also beim Springsommer sind wir immer mit dabei - mit Ticketverlosungen bis zu diversen Interviews.
Didi:
Und das Elevate war keine große Veranstaltung, eher der größte Flop in den letzten Jahren. Das war ein ziemlich schlecht gemachtes Festival, das im Nachhinein einige Probleme aufgeworfen hat. Aber das kann auch einmal passieren.
Die „Tast of Chaos" Tour ist zum Beispiel größer als das Elevate, wird in der List-Halle stattfinden und ist eine sehr zeitgemäße, große Rockgeschichte.
Das Spring funktioniert seit Jahren auf einem sehr hohen Niveau, es gibt immer ein super Programm und dementsprechend gibt es in unserem Radioprogramm genügend zu hören.

FM5: Wie lang könnt ihr euch noch vorstellen Radio zu machen?

Werner: Also ich habe eigentlich nichts Anderes vor (lacht).
Didi:
Wir sind durch hunderttausend Schwierigkeiten in unserer Geschichte gegangen und so etwas prägt natürlich. Vom ersten Tag an gab es Probleme zu überwinden, was mit der verkrusteten Medienlandschaft in Österreich zusammenhängt. Da ist es schwer als autonomer Privater etwas zu Iniizieren. Und so etwas vergisst man dann nicht so schnell.

FM5: Kann man da heraushören, dass du das nicht noch einmal durchmachen möchtest?

Didi: So würde ich das nicht sagen. Ich glaube, dass wenn jemand etwas startet, das es vorher noch nicht gegeben hat, kann dir niemand sagen, was dich erwartet. Aber wenn dir im Vornhinein jeder sagen würde, was auf dich zukommt, dann überlegst du es dir sicher. Aber diese Frage stellt sich einfach nicht, weil du arbeitest an der Geschichte und du schaust, dass sie funktioniert. Und deswegen denkst du gar nicht daran.

FM5: Welches Potenzial hat das Soundportal bei den Hörern?

Werner: Ich glaube, dass das um die 10% sind, und das passt auch so. Mehr kannst du dir nur durch Größe holen. Das heißt noch mehr Bezirksländer, Obersteiermark, Weststeiermark und so. Uns geht es auch nicht darum ob wir jetzt 9 oder 13% haben und auch nicht, dass wir einmal an die Antenne mit 20% herankommen. Darauf arbeiten wir gar nicht hin. Da müssten wir uns eine andere Strategie einfallen lassen.

FM5: Vielen Dank das ihr euch Zeit genommen habt.

Fotos: Nora Laufer

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AutorInnen

Lukas Bauer

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