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Schwerpunkt: The Swell Season

Das Lied selbst hat kein Zuhause

2010-02-13 00:42:32

  • The interview Swell Season
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FM5 traf The Swell Season kurz vor ihrem Konzert am 10. Februar in der Halle E des Museumsquartiers zu einem Gespräch über Film, Musik und die absolute Wahrheit.

Es ist die letzte Türe am Ende eines langen Ganges im Backstagebereich der Halle E hinter der Markéta Irglová und Glen Hansard einen kleinen Interview-Marathon absolvieren. Die letzte Türe am Ende eines Ganges, vor der wir ungeduldig warten, bis sie endlich da sind, unserer 20 Minuten mit The Swell Season. Sie wirken müde, ein bisschen abgekämpft, und liefern uns trotzdem ein Interview, das mehrere Seiten füllt.

FM5: Ihr beide habt den Soundtrack zu dem Film Once (2006, Regie John Carney) gemacht, und soweit ich weiß, war das nicht der einzige Film, zu dem ihr Musik beigesteuert habt. Wie seid ihr dazu gekommen, überhaupt Filmmusik zu machen?


Glen
: Ich glaube das ist sozusagen ein Teil des normalen Lebens, wenn man in einer Band ist. Leute fragen dich, ob du auf ihrer Hochzeit spielen möchtest oder einen Song auf der Beerdigung ihres Vaters, einfach Gelegenheiten und interessante Anfragen, wie zum Beispiel, ob man ein paar Lieder für eine Dokumentation oder einen Spielfilm schreiben möchte.

Also sind es die anderen, die auf euch zukommen und fragen?


Glen
: Ja, und in diesem Fall war es John (Carney), ein alter Freund von mir, der Markéta und mich gefragt hat, ob wir ein paar Songs für ihn schreiben könnten und wir haben nicht weiter darüber nachgedacht, sondern einfach zugesagt. Was sich daraus entwickelt hat, haben wir beide nicht geahnt.

Habt ihr eigens für den Film die Lieder geschrieben oder welche verwendet, die ihr bereits vorher geschrieben hattet?


Glen
: Ich würde sagen, dass sie alle extra für den Film waren. Aber das stimmt nicht. John wollte einige unserer Lieder für den Film verwenden, andere sollten wir speziell für diese oder jene Szene schreiben, die er uns dann so genau wie möglich beschrieben hat und wir haben versucht einen Song sozusagen drumherum zu schreiben. Das war für uns beide sehr interessant.

Ihr schreibt also beide die Lieder?


Glen
: Ja, genau.

Und wie kam es dazu, dass ihr beide auch die Hauptrollen in Once übernommen habt?


Glen
: Das hat sich eigentlich mehr oder weniger so ergeben. Ich spielte die männliche Hauptrolle, weil der Schauspieler, der sie eigentlich hätte spielen sollen, ausgestiegen ist.

Markéta
: John hat schon länger darüber nachgedacht einen Film über einen Straßenmusiker zu machen und hat sich schließlich mit Glen über das Projekt unterhalten, da Glen früher selbst Straßenmusiker war und so seine Erfahrungen in die Geschichte und auch in den Charakter des männlichen Protagonisten mit einfließen lassen konnte. Und außerdem gab es im dem Film auch eine Menge Lieder, die der Straßenmusiker spielen würde, also fragte John gleich, ob Glen denn nicht die Musik zu Once schreiben könnte.

Das ganze zusammen war also ein großer Entstehungsprozess.


Markéta
: Genau. Und dann fehlte noch die weibliche Hauptrolle, die Klavier spielen und aus Osteuropa kommen sollte. Und da kam dann ich ins Spiel. Wir haben zu dieser Zeit nämlich gerade zusammen Musik gemacht.

Aber noch nicht als The Swell Season, oder? Das kam erst später.


Markéta
: Richtig. Auf jeden Fall spielten Glen und ich gerade ein Konzert in Irland und danach kam John auf uns zu und sagte: „Das, was ihr beide auf der Bühne habt, das ist genau wonach ich gesucht habe!“

Klingt perfekt
.

Glen
: Das war es wirklich. Einfach ein riesen Glück alles zusammen.

Macht es für euch einen großen Unterschied, ob ihr Musik für einen Film oder für ein eigenes Album schreibt? Also der Prozess des Schreibens an sich, ist der in gewisser Art und Weise anders?

Glen
: Ja, es gibt schon kleine Unterschiede. Wenn du ein vorgegebenes Skript hast, ist eigentlich sehr klar, was du zu tun hast. Du schöpfst zwar immer noch aus der selben Quelle wie für ein eigenes Album, aber es macht die Arbeit an gewissen Nummern einfacher. In gewisser Weise ist Filmmusik schreiben, wie in eine andere Rolle zu schlüpfen und aus deren Sicht zu schreiben. Das war etwas, was wir beide sehr genossen haben.

Und der Schreibprozess für deine andere Band The Frames? Ist der anders, als der für The Swell Season?

Glen
: Ja, sehr. Mar ist sehr ehrlich und alles, was sie von mir verlangt ist die Wahrheit. Also muss ich für The Swell Season ein bisschen tiefer gehen. Wohingegen ich bei The Frames so vage sein kann, wie ich möchte. Der Band geht es dabei mehr um die Musik generell.
Mit Mar als Partnerin konzentriert sich die Arbeit mehr auf die einzelnen Songs. Manchmal spiele ich ihr ein Lied vor, das mir gefällt und sie sagt: „Es ist ganz schön, aber es berührt mich nicht.“ - Dann weiß ich sofort, dass es kein The Swell Season Song ist.

Markéta
: Man merkt einfach, wenn einem jemand eine Lüge erzählt. Und ich glaube, das gilt auch für Kunst. Man merkt, ob ein Künstler ehrlich ist oder ob er nur versucht etwas darzustellen, von dem er denkt, die Leute möchten es gerne sehen. Ich persönlich finde das auch völlig in Ordnung, wenn jemand für sich beschließt eine Maske aufzusetzen und etwas zu konstruieren, aber das berührt mich dann eben nicht.

Glen
: Manche Künstler sitzen ja ewig an ihren Werken, gehen alles noch einmal durch und überarbeiten es, schreiben noch etwas um und so weiter – bis nur mehr die absolute Wahrheit überbleibt.

Wie lange dauert es im Schnitt bis du ein Lied fertiggestellt hast?


Glen
: Manchmal einen Tag, oder zwei. Ein anderer Song braucht sechs bis sieben Jahre. Und wieder andere liegen ewig herum und ab und zu greifst du auf sie zurück und bearbeitest sie und irgendwann finden sie ihren Weg.

Gibt es bei dir auch solche, die nie fertig werden?


Glen
: Viele, viele, viele. Pro Jahr beginnt man vielleicht 300 und zehn oder zwölf davon werden fertig. Ein Lied zu schreiben ist die einfachste Sache der Welt, zumindest der Anfang. Es fertigzustellen ist die Schwierigkeit. Viel von dem, was Kunst ist, ist Inspiration. Aber man muss auch wissen, damit umzugehen und zu Arbeiten. Das kommt für die meisten aber erst mit der Zeit, denke ich. Ich musste das jedenfalls erst lernen.

Ist es schon mal vorgekommen, dass du begonnen hast ein Lied zu schreiben, und nicht genau wusstest, ob es für The Frames oder The Swell Season wird?

Glen
: Ständig. Das ist eigentlich bei allen so. Das Lied selbst hat kein Zuhause.

Also weißt du erst, wenn es fertig ist, wo es wirklich hingehört?

Glen
:  Ja, es geht nur darum, wo die Songs eingeordnet werden.

Eure Musik ist ja eher ruhig und sanft. Da habe ich mich gefragt, was passiert eigentlich, wenn ihr so richtig wütend seid? Verwandelt ihr das in einen ruhigen Song, oder schreibt ihr in dieser Stimmung einfach gar nicht?

Glen
: Das kommt darauf an. Ein harter Song kann voller Freude sein und ein sanfterer voller Wut. Es kommt alles darauf an wie du dich ausdrückst. Nimm zum Beispiel einen einfachen Popsong wie "Rock Me Amadeus". Obwohl er so schlicht ist, zeigt er, dass Leute auch einfachste Songs mit soviel Hingabe singen können, dass es dich umhaut.
Aber generell versuche ich keine wütenden Lieder zu schreiben. Ich bin 39 und möchte nicht mehr aus der Sicht eines 18-Jährigen schreiben, ich habe einfach gelernt, wie man damit anders umgehen kann.

Markéta
: Für mich wäre das sowieso sehr schwierig, weil Wut kein Gefühl ist, das bei mir lange andauert. Leidenschaft ist ein viel schönerer Ausgangspunkt um ein Lied zu schreiben.

Glen
: Als Abschluss möchte ich noch sagen, der Gedanke, dass die meiste Kunst aus einer Art Traurigkeit entstanden ist, ist doch eigentlich sehr interessant. Wenn du an ein Tagebuch denkst, sind die glücklichen Tage leere Seiten. Wenn du glücklich bist, lebst du dein Leben, da hast du keine Zeit zum Schreiben. Das heißt also, es gibt Menschen, die einfach ein zufriedenes Leben führen mit normalen Jobs, einem Haufen Kinder die sie lieben und irgendwann sterben sie, ohne eine Spur zu hinterlassen. Das sind die wirklich faszinierenden Menschen, wenn du weißt was ich meine. Der Rest von uns verspürt das komische Bedürfnis irgendeine Spur zu hinterlassen...

… und sie sind einfach nur glücklich.


Glen
: Sie sind einfach nur glücklich! Und uns eigentlich um einiges voraus, denn das ist es ja, was wir alle erreichen wollen.

Das war ein schönes Schlusswort.


Glen:
(lacht) Stimmt.



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AutorInnen

Anna Hausmann

Anna Hausmann

Ja, ich finde dieses Foto repräsentiert mich sehr gut.

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Mona Hermann

Mona Hermann

eine Insel Puerto Ricos
eine Stadt auf jamaika
der alte Name einer Insel vor der walisischen Küste
eine Kaffeemarke in der DDR
eine Gattung in der Pflanzenfamilie der Portulakgewächse
ein kleines Mädchen aus Mauer

http://monahermann.wordpress.com/

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