2007-05-26 00:54:52
Marianne Faithfull spielt im neuen Film von Sam Garbarski eine Frau, deren neue Profession ihr ein Leben und eine Liebe schenkt.
20 Minuten Standing Ovations erhielt Marianne Faithfull bei der Weltpremiere des Sam Garbarski Films Irina Palm, die im Rahmen der 57. Internationalen Filmfestspiele im Berlinale Palast stattfand. Das erste Mal seit über 40 Jahren spielt Faithfull wieder die Hauptrolle. Bereits in Tony Richardsons Hamlet und Jack Cardiffs The Girl on a Motorcycle bewies die Chanteuse, dass ihre Begabung nicht nur in der Stimme liegt.
Der triste Alltag
Maggie (Marianne Faithfull) ist Ende fünfzig und lebt das typische Leben einer englischen Hausfrau. Nach der frühen Heirat war sie Mutter, erlernte nie einen Beruf. Jahrzehnte später ist der Gatte tot, der Enkel Olly krank. So krank, dass Maggie ihr Haus verkaufen muss, um die Behandlung des Kindes bezahlen zu können.
Da sich Ollys Zustand nicht verbessert, kommt eine neue Behandlungsmethode in Australien gerade richtig. Das einzige Problem sind die fehlenden finanziellen Mittel und Ressourcen der Familie. Doch Maggie wäre nicht Maggie, wenn sie nicht alles täte, um dem Kind zu helfen. Der letzte Ausweg scheint eine Bar zu sein, die dringend eine auf er suche nach neuen Hostessen ist. Maggie missversteht die Stellenbeschreibung und wird von dem überraschten Barbesitzer Mikky (Miki Manojlovic) über die wahren Aufgaben einer Hostesse aufgeklärt.
Mikky lässt sich nicht von Maggies Alter abschrecken, schließlich laufen die Geschäfte hinter einer Wand – eine neue Idee aus Japan – ab. Zudem begeistern ihn Maggies sanfte Hände.
Der Star von „Sexy World“
Die Aussicht auf viel Geld in kurzer Zeit und die Tatsache, dass die Männer schnell gefallen an Maggies Handkünsten finden, machen aus Maggie „Irina Palm“. Zumindest die paar Stunden, die sie im „Sexy World“ hinter der Wand verbringt. Doch Maggies Arbeitsplatz ist mehr als die dunkle, kleine Kammer mit Stuhl, Tisch und dem Loch in der Wand. Ihre Arbeitskleidung besteht aus einer Kleiderschürze und Hauspatschen und um sich heimelig zu fühlen, dekoriert sie ihre Kammer mit Bildern.
Irina Palm ist wirklich gut und so kommt auch genügend Kundschaft. Bald hat Maggie das Geld für die Behandlung zusammen, nicht einmal ihr „Penisarm“ – eine Erscheinung, mit der viele Frauen dieses Milieus zu kämpfen haben – kann sie von ihrer Arbeit abhalten. Was rechts nicht geht, muss eben mit links erledigt werden.
Was die Leute denken….
Natürlich wird auch Maggies Umwelt auf ihren neuen Job aufmerksam. Als sie den Mitgliedern ihrer Bridgerunde das Geheimnis offenbart, wird sie verstoßen. Und Maggies Sohn (Kevin Bishop) verfolgt seine Mutter, um zu erfahren, woher das Geld für die Behandlung kommt. Als er seine Mutter in ihrer Kleiderschürze im „Sexy World“ vorfindet, kommt es zu einer heftigen Auseinandersetzung. Maggie muss versprechen, ihren Job als Irina Palm aufzugeben, obwohl sich kurz zuvor der erste Kuss zwischen Mikky und Maggie anzubahnen schien.
Ein kleines Meisterwerk
Sam Garbarski schuf mit seinem Film Irina Palm ein wunderbares Glanzstück, in dem die Schauspieler nebeneinander brillieren. Jede Rolle wirkt perfekt ausgearbeitet und passend besetzt. Der Film wurde in drei Ländern gedreht. Neben Deutschland und Luxemburg, wo die Innenaufnahmen entstanden, wurden die Außenaufnahmen in England gedreht. Was dem aufmerksamen Zuseherauge dadurch auffallen könnte, dass Maggie in jeder Außenszene dieselbe Kleidung trägt.
Die wunderbare Marianne Faithfull
Die Rolle der Maggie scheint wie dem Lied The Ballad of Lucy Jordan entnommen. Eine Frau, die von einem anderen Leben träumt, aber trotzdem im tristen Alltag zu ersticken droht. Dennoch haben Maggie und Marianne wenig gemein; Faithfull selbst sieht den einzigen Berührungspuknkt zwischen ihr und der Figur der Maggie in der Liebe zu Sohn und Enkel.
Besonders das Zusammenspiel von Faithfull und Miki Manojlovic ist erwähnenswert. Während es sich zuerst um eine rein geschäftliche Beziehung handelt, bahnen sich in wenigen Wochen erste Zärtlichkeiten an.
Schade, dass sich Marianne Faithfull 2007 einer Welttournee widmet und eine CD aufnehmen möchte, aber vielleicht versüßen gerade die musikalischen Impressionen der Ikone die Wartezeit auf ihren nächsten Film.
Bilder: Filmladen
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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