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Das Herz der Americana

2007-04-02 00:13:30

Was macht einen guten Journalisten aus? Der amerikanische Reporter Eric Schlosser liefert in seinen Reportagen und Büchern einen Einblick in seine Arbeit und die zwiespältige Natur seines Landes.

Was sind die Verbindungen, die den Drogenhandel, die Erdbeerplantagen Kaliforniens, den nationalen Pornohandel und die Fast Food-Industrie zusammenhalten? Die verdeckten gemeinsamen Wurzeln der amerikanischen Gesellschaft und ihrer führenden wirtschaftlichen Zweige sind es, die den amerikanischen Journalisten Eric Schlosser interessieren.

Im Herzen Amerikas
Schlosser ist ein preisgekrönter und hoch angesehener Journalist, zumindest in seiner Heimat. In Europa werden seine Reportagen in Magazinen zwar vergeblich gesucht, dennoch ist er zumindest branchenintern ein angesehener Vertreter seiner Zunft. Die Arbeit die ihn auszeichnet, publiziert der 47 jährige vor allem in der Zeitschrift „Atlantic Monthly“, doch sein bislang bekanntestes Werk begann als zweiteiliger Artikel im „Rolling Stone“.

Heute gilt „Fast Food Nation“ (deutscher Titel: „Fast Food Gesellschaft“, erschienen im Riemann Verlag) bereits als Standardwerk im Aufdeckerjournalismus. Die jahrelangen und äußerst präzisen Recherchetätigkeiten sind die Basis zu den angesehenen Artikeln, die in seiner Heimat für Aufsehen sorgen. Schlosser hat in seinem ersten Buch – publiziert 2001 – die Machenschaften und Verwurzelungen der Fast Food-Industrie bis in die letzten Ecken nach verfolgt. Dabei sind sowohl Sympathie für das freie Unternehmertum als auch Kritik am imperialistischen globalen Feldzug immer wieder spürbar.

Das Ende der Brüder McDonald
Schlosser ist ein Mensch, dessen finanzielle Sicherheit zum Teil auf den Wirtschaftsbereichen ruht, die der Journalist in seinen Reportagen bis in die dunkelsten Ecken hinein recherchiert. In „Fast Food Nation“ führt dies über die Gründung der McDonald’s-Restaurants durch die Brüder Mike und Ron McDonald, bis hin in die entlegenen Winkeln der „Great Plains“ und das harte Los der einsamen Viehzüchter.

Wie in jedem Punkt in diesem Buch, ist auch diese Chronologie der Ereignisse vom „New Deal“ Franklin D. Roosevelts ebenso geprägt, wie vom globalisierten Markt, deren Opfer die unabhängigen Unternehmer sind. Dabei entlarvt Schlosser das viel gerühmte Franchising-System als finanzielle Falle. Doch was bedeutet das alles? Lokale wie McDonald’s vergeben Lizenzen um horrende Preise an interessierte Geschäftsleute, die das Know How und die Logistik der bereits etablierten Kette übernehmen und eine eigene Filiale führen dürfen, doch dabei sind sie von der „Mutterfirma“ abhängig. Diese bestimmt die Preise für die Waren, die Zusammenstellung der Speisekarte und kassiert auch noch die Miete, da die meisten Grundstücke, auf denen – etwa McDonald’s – Filialen stehen, der Firma gehören. So lautet ein entscheidender Satz bei Schlosser in „Fast Food Nation“: „Wir (McDonald’s) sind hauptsächlich im Immobiliengeschäft und dann erst im Lebensmittelhandel tätig.“

Wo Drogen wirklich den Tod bedeuten
Doch Schlosser wäre kein Aufdeckerjournalist, wenn er sich mit einem Thema zufrieden gegeben hätte. Deshalb ist auch sein zweites Buch – „Reefer Madness“ (deutscher Titel: „Die Scheinheilige Gesellschaft“, erschienen im Riemann Verlag) –, welches er 2003 publizierte, eine Sammlung von aufregenden Reportagen, in denen – nicht nur – die amerikanische Gesellschaft einer harten Prüfung unterzogen wird. Ob die Geschichte des Drogenhandels, des Erdbeerhandels oder der Pornoindustrie, überall trifft Schlosser – und der Leser mit ihm – auf grundlegende Elemente der Wirtschaft. So überraschen viele Schlussfolgerungen nicht, etwa dass Hanfanbau während des Zweiten Weltkriegs gefördert wurde und heute für den Besitz eines einzigen Joints, in manchen Bundesstaaten, die Todesstrafe darauf steht, da jeder Bundesstaat seine eigenen Gesetze für Drogenhandel und Gebrauch hat.

Dieselben Charakteristika der verlogenen Förderung und Bestrafung finden sich auch in den anderen behandelten Bereichen. So wird die Erdbeerindustrie gefördert illegale Einwanderer einzustellen und Gewerkschaften werden sabotiert – dieselben Methoden die auch bei der Fast Food-Industrie zu verfolgen sind – während Unternehmer Förderungen kassieren. Da nimmt sich der moralische Feldzug gegen die Pornohändler des Landes beinahe schon logisch heraus, auch wenn der stets betonte freie Wille und die Freiheit des Individuums durch rigorose Gesetze beschnitten werden.

Die Illusion des freien Menschen
Eric Schlosser schreibt über gesellschafts-politische Themen, in aufwühlender und vor allem interessanter Art und Weise und hat sich somit zum „Role Model“ für kommende Journalisten gemacht. Solcherlei Exponenten des Journalismus sind schwer zu finden und stellen sich selbst vor ein bewusst gewähltes Problem. Denn obwohl Schlosser in seinen Reportagen nie Stellung bezieht, sind seine Bücher und Artikel geradezu prädestiniert um als Aushängeschild der „Linken“ und „Liberalen“ zu gelten.

Für einen Journalisten der nicht Michael Moore sein will, könnte solch eine Etikettierung zum Problem werden.



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AutorInnen

Patrick Dorner

Patrick Dorner

Im Jahre 1983 geboren in der Steiermark, führte mich mein Weg über einen Zwischenstopp in Graz zum Studium nach Wien. Die meiste Zeit verbringe ich dennoch im Kino und ich würde lügen würde ich die Freude an dieser Beschäftigung bestreiten.

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