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Das Ende der freien Kultur

2008-02-17 17:59:50

  • kultur freie

Lawrence Lessig gilt als Begründer von Creative Commons. Mit seinem Buch "Freie Kultur" zeigt er die engen Grenzen des Urheberrechts auf und beschreibt warum es veraltet ist. Eine Pflichtlektüre für alle Kinder des 21. Jahrhunderts.

Wir sind in Mitten einer Zeit des Umbruchs. Einer Revolution. Einer digitalen Revolution. An den Fronten kämpfen einerseits die Major Player der Musik- und Unterhaltungsindustrie und andererseits Ideologen, die den freien Zugang und die unbeeinflusste Entwicklung von Kultur fordern. Dazwischen stehen die Menschen, welche tagtäglich das Internet nutzen. Ausgelöst wurde der Kampf durch die engen Grenzen des Urheberrechts, das keinen Platz für die Anwendung digitaler Innovationen wie Peer-to-Peer-Technologien vorsieht und diese sogar verurteilt. Einer, der sich diesem Kampf angenommen hat, ist der Stanford Jura-Professor Lawrence Lessig. Mit seinem Werk Freie Kultur versucht der Autor aufzuzeigen, wie sich das Gesetz den veränderten technologischen Rahmenbedingungen anpassen sollte und zeigt gleichermaßen sein eigenes Scheitern in diesem Kampf.

Das Urheberrecht und das Internet


Außer Frage stellt Lessig gleich zu Beginn die Wichtigkeit des Urheberrechts. Jede/r SchöpferIn geistigen Eigentums soll sein/ihr Werk kontrollieren und darüber bestimmen können. Damit sich Kultur jedoch weiterentwickeln kann, muss dieser Schutz begrenzt sein. Lessigs zentraler Kritikpunkt ist, dass das bestehende Urheberrecht an allen Ecken und Kanten nicht den Anforderungen des 21. Jahrhunderts und somit dem World Wide Web entspricht. Illegalität ist dabei ein zentrales Schlagwort, das immer wieder vorkommt. Dementsprechend düster und paradigmatisch zeichnet sich der Grundton in Freie Kultur ab. Was dazu sicherlich beiträgt, ist die Tatsache, dass sich Lessig vorwiegend mit dem amerikanischen Urheberrecht und der US-Industrie beschäftigt. Dabei wäre es klarerweise fatal deren Einfluss auf die europäische Gesetzeslage und Industrie zu leugnen, dennoch können nicht alle Fakten auf die nationalen Gegebenheiten übertragen werden.

Faktenfetischismus und Seitenhiebe


Schon bald wird die persönliche Involvierung des Autors deutlich, was leider erst gegen Ende des Buches erklärt wird. Lessig versuchte mit Hilfe mehrerer Anwälte gegen den Sonny Bono Copyright Term Extension Act (CTEA) zu klagen. Der CTEA ist die Gesetzesgrundlage, welche die Dauer des amerikanischen Urheberrechts auf weitere 20 Jahre ausdehnen sollte. Sein Scheitern dokumentiert Lessig eindrucksvoll auf mehreren Seiten. Trotz des Faktenfetischismus den Lessig verfolgt, bietet Freie Kultur einen fundierten Einstieg in den Diskurs zwischen Urheberrecht und den Möglichkeiten des Internets. Lessig dokumentiert seine Argumente logisch aufgebaut und zieht Vergleiche mit Europa und Asien. Seine Ausführungen lockert der Jura-Professor immer wieder durch kleine Seitenhiebe auf, beispielsweise wenn er die amerikanische Angst vor dem Kommunismus einbringt.

Die Lösung: Creative Commons


Weit wichtiger als der mitreißende Aufbau der Fibel Freie Kultur erscheinen jedoch die Lösungsansätze die Lessig vorschlägt. Darunter befindet sich beispielsweise das alternative Verwertungsmodell von Creative Commons, als dessen Erfinder Lessig gilt. Der Autor nimmt dabei Abstand vom Paradigma all rights are reserved und schlägt vor, dass der jeweilige Urheber selbst entscheidet, in wie weit er die Werknutzung seines geistigen Eigentums frei stellt. Obwohl das System von Creative Commons noch in den Kinderschuhen steckt, bildet es den ersten sinnvollen Lösungsansatz, wie die Möglichkeiten des World Wide Web mit den Grundgedanken des Urheberrechts in Einklang zu bringen sind. Schon alleine aus diesem Grund sollte Freie Kultur eine Pflichtlektüre für alle künstlerisch Schaffenden sein.

Freie Kultur. Das Wesen und die Zukunft der Kreativität von Lawrence Lessig ist 2006 bei Open Source Press erschienen. EUR 24.90, 304 Seiten.

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