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Das Ende der Platzhirschen

2007-09-29 16:55:17

  • 02 Nudelsuppe Kavka
  • 03 Nudelsuppe Kavka

Gibt es den „neuen“ Mann, die „neue“ Frau? Und wenn ja, wie sehen sie aus? Wie sieht die Zukunft der Geschlechter aus? Diesen Fragen gingen die MTV-Journalisten Markus Kavka und Caroline Korneli in einem neuen Buch nach.

"Ham' wir wieder 'was gelernt. Recht herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit." Mit diesen Worten beendet der 1976 in Ingolstadt geborene Musikjournalist, DJ und Frontmann bei MTV, Markus Kavka, stets die MTV News. Dass dieser Mann wohl der Letzte bei dem einst als Musiksender gegründeten Fernsehkanal ist, der wenigstens noch ansatzweise interessante, spannende und vor allem mit viel anekdotenreichem Humor untermalte Moderationen gestaltet, ist gewiss. Den Beweis dafür liefern Sendungen wie Rockzone.

Aber als - wenngleich auch kreuzbraver und sicher mit einem Schuss subtilem Konservativismus behafteter - Frauenversteher hat man diesen kleinen Mann, der notorischer Indie-Fan und Techno-DJ ist, noch nicht kennen gelernt. Zusammen mit seiner MTV-Kollegin Caroline Korneli, die auch als Moderatorin beim Berliner Radiosender Fritz tätig ist, hat er ein Buch verfasst. Obwohl: Es ist kein Buch im klassischen Sinn, sondern eher eine Diskussion. Also ein aufgezeichnetes Gespräch der beiden über Männer und Frauen, den "Kampf der Geschlechter" und die Zukunft der Lebensentwürfe und Beziehungen. Ein besonderer Aspekt sticht dabei sofort ins Auge: Die zwei Gesprächspartner könnten, sowohl die Charakterzüge als auch die Lebensmodelle, Erziehungen und Biografien betreffend, nicht unterschiedlicher sein: Kavka wuchs in einem bayrischen Dorf auf. Wohlbehütet von seinen Eltern, genoss er eine recht konservative Erziehung – Frau am Herd, Mann in der Arbeit. Korneli ist das exakte Gegenteil: Sie erlebte ihre Sozialisation in Dresden, ihrer Geburtsstadt, wo sie sehr selbstständig werden musste, nicht nur aus politischen Gründen – Stichwort DDR –, aber im Osten lebte es sich eben härter. Die rebellische Frau war mit 20 Jahren bereits zum ersten Mal Mutter. Heute, sechs Jahre später, lebt sie mit dem Vater ihres zweiten Kindes in Berlin zusammen. Die Voraussetzung für die Entwicklung einer sinnvollen Diskussion war also gegeben.

Boys vs. Girls

Das im Rowohlt-Verlag erschienene Buch trägt den komischen Titel Mach mir mal 'ne Nudelsuppe, bevor ich dich besudel, Puppe. Dieser Umstand soll jetzt nicht erschreckend (langweilig) wirken: In dem Werk sind geistreiche sowie lustige und vor allem überzeugende Thesen zu finden, die es auf jeden Fall wert sind, gelesen und durchdacht zu werden. Gewiss, ein kleines bisschen Spaß muss – will man die Kinderwagen schiebenden Berliner Bobos am Prenzlauer Berg erreichen – sein, das schadet hier jedoch nicht unbedingt: Caroline: „Du willst dich doch um die Kinder kümmern?“ Markus: „Ja, gleichberechtigt mit meiner Frau.“ Caroline: „Dann lass dir schon mal Titten wachsen.“ Auf Einschübe dieser Art muss man gefasst sein, schließlich will die Neon-Leserschaft auch bedient werden. Exempel Nummer zwei, das Korneli äußert: „Ich kaufe mir morgen einen Kinderwagen, du kannst ihn gern danach benutzen, wenn du willst.“

Bei all dem entsteht jedoch ein recht beunruhigender Eindruck: Hier wird viel und mitunter klug geredet, aber von einem Erkenntnisgewinn fehlt jede Spur. Außer vielleicht dem, dass nun endlich das Ende des Platzhirsches namens Mann gekommen sei. Trotzdem sind keine Antworten auf die oben gestellten Fragen zu finden. Der/Die LeserIn lernt zwar recht hübsches, vulgäres ostdeutsches Vokabular kennen („Plastikhupe“) – allein, das ist weit davon entfernt ausreichend zu sein. Ob das die Autoren wissen? Egal. Schließlich ließ Korneli einen durchaus von Optimismus getränkten Satz aufkommen: „Männer und Frauen können zusammen.“

Das Buch „Mach mir mal 'ne Nudelsuppe, bevor ich dich besudel, Puppe“ von Markus Kavka und Caroline Korneli ist im Rowohlt Verlag erschienen.

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AutorInnen

Johannes Rausch

Johannes Rausch

"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)

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