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Darling, ich bin im Museum

2007-04-02 00:12:39

Am 7.Oktober war es wieder soweit, die 5. Lange Nacht der Museen fand statt. Und mitten in ihr waren wir.

Alle sonstigen samstäglichen Verabredungen wurden verschoben, oder gar abgeblasen. Denn am 7. Oktober 2006 war es wieder soweit. Die alljährliche “Lange Nacht der Museen“ wurde pünktlich um 18 Uhr abends eingeleitet. Von Glockengeläute war am Heldenplatz zu dieser Zeit jedoch wenig zu hören. Vielleicht lag es daran, dass der „Treffpunkt Museum“ restlos überflutet war.

In diesem wilden Tumult mussten sich sechs Leute finden, um gemeinsam ihre „Lange Nacht der Museen“ zu bestreiten. Schlussendlich fanden wir einander. Wir, das sind: Christa, Lena (die beiden Autoren), Alex (bekannt durch seine Wahlanalyse), Séverine (Erasmusstudentin und Buddy-Schützling aus Brüssel), Danuta und Pawel.

Eine lange Schlange

Bereits der Kauf der Tickets erforderte große Disziplin. Kurz nach 18 Uhr wurde die Warteschlange am Heldenplatz immer länger. Zu den Wartenden mischten sich bereits Gäste, die mit den ersten Bussen in die entfernt liegenden Museen fahren wollten. Radiomusik versüßte das Warten. Sofern man auf die aktuellen Charts steht.

Angekommen bei der netten Kassadame durften wir unsere Tickets erwerben. Für Studenten galt der humane 10€-Tarif, anstatt 12€ für Nicht-Studenten, -Schüler-, -Invalide, -Zivildiener etc. Doch die Freude auf die Torte konnte uns keiner nehmen. Mit insgesamt 60€ weniger in der Tasche und Mordslust auf die süße Leckerei machten wir uns auf den Weg zum Kohlmarkt.

Demel’s weltberühmte Sachertorte

Unsere Tour begann in der Konditorei Demel. Diese angeblich weltbekannte Wiener Zuckerbäckerei hatte unser Interesse geweckt und zwar auf Grund der Tatsache, dass einige von uns der festen Überzeugung waren, dort gäbe es gratis Sachertorte zu verkosten. Dass dem nicht so war, erfuhren wir aber leider erst nach langem Warten und einem eher uninteressanten Rundgang durch das Demel-Museum.

Natürlich ist es irgendwie cool, wenn es Leute gibt, die aus Zucker und anderen ähnlichen Zutaten Büsten von Bill Clinton und Nelson Mandela fertigen können. Dass diese Figuren aber schon seit Jahren an ein und derselben Stelle stehen, ist doch ein wenig unappetitlich. Die Autogramme von berühmten Gästen wie Andy Warhol oder Larry Hackman, an der Wand aufgehängt und eingerahmt, als wären es historische Schriftdokumente, machten das Ganze leider auch nicht spannender.

Wirklich enttäuschend wurde es aber erst dann, als wir feststellen, dass für ein kleines Stück Sachertorte vier Euro verlangt wurden. So viel zur gratis Verkostung, aber wahrscheinlich ist Weltruhm einfach teuer. Schließlich kann man sich die Torte sogar nach Japan schicken lassen. Was dieser Luxus kostet, wollten wir dann allerdings doch nicht so genau wissen.

Kunst und Natur

Was man bei einem Wienbesuch niemals missen darf, sind die Besuche im Kunst- und im Naturhistorischen Museum. Wie Zwillinge stehen sich die beiden gegenüber. Gut behütet von einem Denkmal der Kaiserin Maria Theresia.

Wir entschieden uns zuerst für die Kunst. Diese kostete gleich beim Eintreten 50 Cent. Eine freundliche Dame wies daraufhin, dass Rucksäcke im Museum nicht erlaubt seien. Alex hätte bestimmt einen Sarkophag in seinen Rucksack gepackt, den wir später als Bücherregal oder Staubsaugerabstellplatz verwendet hätten. Nach einer eindrucksvollen Wanderung durch die ägyptische Sammlung, begannen wir die „Saliera“ zu suchen. „ Geh, die muss doch irgendwo sein…“. Gefunden wurde das weltberühmte Salzfass zwar nicht, aber dafür konnten uns flämische, niederländische, italienische und deutsche Maler mit ihren wunderbaren Werken im 1. Stock verzaubern. Gemälde hin, Mumien her, ich wollte Dinosaurierskelette sehen. Das schönste an meinem Wunsch war, dass diese nur wenige Schritte von der Kunst entfernt liegen.

Gleich beim Eintreten in das Naturhistorische Museum, wartet dieses mit einem Vivarium auf. Die Reptilien und Fische wurden durch eine Vielzahl von Besuchern verschreckt, die- als hätten sie noch nie einen Frosch gesehen- gegen die Scheiben klopften. Ein Leguan fiel verwirrt von einem Ast. Das arme Tier hatte noch 3 Stunden vor sich, ich hoffe es geht ihm heute gut.

Endlich war es soweit: Dinosaurier, yippie! 1000 Kinder drängten sich um die wenigen Skelette, die das Museum zu bieten hat. Leider sind diese auch nicht mehr so imposant, wie sie vor 15 Jahren einmal waren. Das liegt wohl daran, dass ich um 60cm größer bin als damals. Interessant waren auch die ausgestellten Exkremente. Diese bewegten ein Kind zu dem Ausruf: „He, schau mal, ein Dinosauriergehirn!“ So kam zumindest ein bisschen Spaß in diese alten, dunklen Gemäuer.

Picasso - Rennen gegen die Zeit. 07.10. 2006 - 22.15.33

Picassos Werke werden in Wien ausgestellt. Nix wie hin! Der Gang zur Albertina war keineswegs eine gute Idee. Viele Leute wollten die Bilder sehen, viele Leute werden wahrscheinlich noch einmal kommen müssen. Denn zu sehen gab es wenig. Außer viele Köpfe, die einem die Sicht versperrten. „Das machen wir nochmal!“ Mit diesen Worten verließen wir die Räumlichkeiten der Albertina. Zumindest haben wir 3 Bilder gesehen und können sagen, dass wir dort waren. Ein kleiner Trostgedanke.

Doch so waren wir zumindest einer kleinen Stärkung im „Centimer“ näher. Denn danach wartete noch die Hauptattraktion auf uns. Das Alt-Wiener-Schnapsmuseum wollte gestürmt werden.

Es lebe der Schnaps!

Bei einem Zwischenstopp im Restaurant Centimeter machten wir uns, nach einer herzhaften Knoblauchcremesuppe, Knödel mit Ei und 10cm Aufstrich-Brot, gegen Mitternacht auf zum Schnapsmuseum.

Dass wir zu dieser späten Stunde noch auf so freundliche Art begrüßt und zu einer Führung eingeladen wurden, überraschte uns positiv. Herr Gerald Fischer, Besitzer dieses Stücks Alt-Wiener Tradition, erzählte in familiärer Atmosphäre von der guten alten Zeit, der Entstehung des Schnapsmuseums, seiner Familie und den australischen Kampftrinkern. Außerdem erfuhren wir Wissenswertes über das Destillieren von Schnaps und Likören und wie man den Unterschied zwischen echtem und unechtem Schnaps erkennen kann. Die kurze und doch interessante Führung endete in einer Verkostung verschiedener exquisiter Schnäpse. Nach unserer großen Enttäuschung im Demel-Museum waren wir von diesem Teil der Führung restlos begeistert. Zu verkosten gab es unter anderem Mannerschnitten-Likör, Absinth in österreichischer Tradition ohne Anis-Geschmack, Apricot-Whiskey-Likör und zu guter Letzt Orangenlikör mit echtem 23-karätigem Blattgold. Das Rauchen war auf Grund der Explosionsgefahr verboten, aber bei dieser erlesenen Auswahl an Alkohol störte das wohl nicht einmal den stärksten Kettenraucher.

Wo fährt der Nachtbus hin?

Auch die beste Schnapsverkostung hat einmal ein Ende und so kam es, dass wir müde, aber glücklich den Heimweg antraten. Als besonders einfach erwies sich dieses Unterfangen aber leider nicht. Die letzte U6 war bereits abgefahren, auf den Nachtbus musste 30 Minuten gewartet werden. Lena und Alex versuchten ihr Glück mit der Schnellbahn, doch auch die war schon weg. Glück im Unglück hatten die beiden, als sie einem Shuttlebus der Linie 5 begegneten, in den sie auf Grund eines freundlichen Busfahrers noch einsteigen durften. Der Rest von uns machte sich ans Warten, wobei uns nicht ganz klar war, wohin wir mit dem Nachtbus fahren sollten. Man sollte meinen, dass wir nach zwanzig in Wien verbrachten Jahren wissen sollten, wo sich die Längenfeldgasse befindet. Nun ja, letztlich schaffte auch ich es den richtigen Nachtbus zu finden, und so kam jeder von uns nach einigem Hin und Her nach Hause an.

Müde Beine und verwirrende Booklets

Alles in allem war die „Lange Nacht der Museen“ ein abenteuerliches Erlebnis. Es hatte positive und negative Seiten, wobei die positiven eindeutig überwogen. Schließlich kann es nicht schlecht sein, um nur 10€ so viele Museen ansehen zu können, wie man möchte. Leichter wäre uns die Planung dabei aber gefallen, wäre das Programm-Booklet ein klein wenig übersichtlicher gewesen. Es kann nicht schaden weniger als 10 Minuten zu brauchen, um die Seite mit dem Schnapsmuseum zu finden. Nun denn, Fehler hat jeder. Schön war’s trotzdem.

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AutorInnen

Lena Fürnkranz

Lena Fürnkranz

We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)

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