2007-04-02 00:10:54
The Sunshine Underground huldigen auf ihrem neuen Album „Raise the Alarm“ nur fünf Buchstaben: Disco! Was angesichts der über Kontinentaleuropa einbrechenden Flut an alte Tanzgefühle hervorrufenden Bands wohl nicht unbedingt als heißer Scheiß zu bezeichnen ist.
Die einst von Gerhard Koch getätigte Aussage „Forschung ist gefährlich, man könnte etwas Neues entdecken!“ trifft auch bei dieser aus dem englischen Leeds stammenden Band wieder einmal zu: The Sunshine Underground brachten vor kurzem ihr Debütalbum „Raise the Alarm“ an das Tageslicht und meinen damit wohl, dass zitieren das kleinere Übel ist. Natürlich, der von Syd Barrett fusionierte Bandname Pink Floyd – entstanden aus den Namen der beiden Blues-Musiker Pink Anderson und Floyd Council – verdeutlicht, dass auch frühere Musiker nicht immer alles, was geglänzt und nach Gold ausgeschaut hat, selbst erfunden haben. Doch eines kann man diesen, in den 60-, 70- und 80-ern werktätigen Bands nicht vorwerfen: dass sie so – und vor allem so offensichtlich! – aus der Fundgrube bereits bestehender Bands gestohlen haben wie es die Schlingeln dieser Tage machen; auch wenn sie damals einen noch größeren Spielraum hatten. Das mag zwar dem einen oder anderen etwas zu konservativ oder gar reaktionär klingen, es ist aber die Wahrheit – und nichts als die Wahrheit.

Zu herabschauend? Foto: www.myspace.com
Balladen, Disco und Rock
So tun sich die vier Burschen Craig Wellington (Gesang, Gitarre, Percussion), Stuart Jones (Gitarre, Percussion), Daley Smith (Bass) und Matthew Gwilt (Schlagzeug) mit der Vergangenheitsbewältigung, die zugegebenermaßen nicht so hoch wie andernorts ist, ein bisschen schwer: nicht, dass sie nur ihren Namen nach einem von den Chemical Brothers auf dem Album „The Surrender“ erschienenen Song benennen, sie klingen ebenfalls nicht sehr neu respektive eigenständig. Nicht einmal subtil. Einzig und allein der Song „Dead Scene“ kann mit dem kurzen Einsatz eines Keyboards eine schöne Stimmung erzeugen. Und auch die Radiotaugliche Version „I ain `t losing any sleep“ markiert eine gewisse eigene Ader. Das war's dann aber auch schon und mehr darf sich der Hörer bei diesem sich zwischen Disco-Hits wie „Wake up“, grundsätzlichen Balladen („Somebody `s always getting in the way“) und Rockeinflüssen bewegenden Werk bei Gott nicht erwarten. Sonst haben es The Sunshine Underground höchstwahrscheinlich mit einem globalen, alle nachkommenden Musiker betreffenden Problem zu tun: die Eigenkreativität muss ganz klar steigen, es wird nämlich wegen dem vorhandenen Konglomerat an Bands immer komplizierter, eine wenigstens ansatzweise nach etwas Neuem klingende Musik zu erschaffen. Man merkt: früher war alles besser!
"Von Beginn an ist Johannes ein hedonistischer Charakter und Ästhet – im Sinne Kierkegaards – der nur darauf aus ist, Cordelia zu verführen." (Wikipedia)
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