2007-04-02 00:10:40
Seit über einem Jahr existieren nun bereits die Creative-Commons-Lizenzen, die Kunstschaffenden erlauben, ihre Werke unter von ihnen gewünschten Bedingungen zu veröffentlichen und damit die Fesseln des restriktiven Urheberrechts abzulegen. Mittlerweile kann auf zahlreiche frei verfügbare Fotos, Grafiken und Musikstücke zugegriffen werden.
All rights reserved
Das traditionelle Urheberrecht ist restriktiv. Unter dem Motto “Alle Rechte vorbehalten” wird jedes kreative Werk automatisch unter dessen Bestimmungen gestellt, die dem Urheber das Monopol an sämtlichen Rechten wie Veröffentlichung und Vervielfältigung erteilen. Stelle ich zum Beispiel eine Grafik online, wird diese ohne mein Zutun urheberrechtlich geschützt. Auch wenn ich überhaupt nichts dagegen hätte, dass jemand diese Grafik auf seiner Homepage verwendet, wäre dies theoretisch ein Urheberrechtsbruch. Was bei traditionellen Medien wie Büchern und CDs vielleicht noch Sinn macht, ist in einer Welt wie dem Internet, wo jeder zum potentiellen Urheber wird, nicht immer passend. Das Monopol am Veröffentlichungsrecht ist für die kommerzielle Verwertung eines Werkes eine existentielle Bedingung: Um mit einem Buch Gewinn zu machen, ist es wichtig, dass niemand anderer den Text einfach kopieren und selbst verkaufen kann. Erwähnenswert ist jedoch, dass Autoren die Rechte an ihren Werken oft an einen Verlag oder eine Platten-/Film-Firma abtreten.
Some rights reserved
Diese restriktive Lizenzierung stellt für Rezipienten, aber auch für viele Kunstschaffende, eine unnötige Einschränkung dar. Ein System wie das World Wide Web, wo prinzipiell jeder zu verschwindenden Kosten veröffentlichen kann, basiert auf dem Remix-Prinzip: Ich nehme, verändere und gebe weiter. Um den Konsumenten gewisse Rechte wie Veränderung oder Verbreitung zu gestatten, bedarf es einer expliziten Lizensierung der Werke unter einer maßgeschneiderten Lizenz. Da nicht jeder ein Jurist ist und eine rechtlich korrekte Veröffentlichungsbedingung verfassen kann und will, hat das Team von Creative Commons ein modulares Lizenz-System geschaffen, das Kreativen ermöglicht, mit wenig Aufwand ihre Schöpfungen unter den von ihnen gewünschten Bedingungen zu veröffentlichen. So kann unter anderem angegeben werden, ob das Werk kommerziell verwendet werden darf oder ob der Verfasser angegeben werden muss. Sodann wird die passende Lizenz, auf die Gesetzgebung des jeweiligen Landes zugeschnitten, generiert. Während es die US-amerikanischen Lizenzen bereits seit Dezember 2002 gibt, wurde die österreichische Variante am 7. September 2004 vorgestellt.
No rights reserved
“Commons” bedeutet auf Deutsch soviel wie Allgemeingut oder Allmende. Unter Creative Commons-Lizenzen gestellte Werke gehören also zu einem Großteil allen. Freizügiger ist nur noch die Public-Domain-Lizenz, bei der der Urheber alle Rechte aufgibt. Creative Commons ermöglichen somit eine Lizensierung zwischen “All rights reserved” und “No rights reserved”.
Zum Beispiel
Seit dem kurzen Bestehen dieser Lizenzmodelle sind bereits unzählige Werke darunter veröffentlicht worden, auch zahlreiche “größere” Anbieter im Internet bieten diese Lizenzen an. Der Fotoservice Flickr ermöglicht etwa die Veröffentlichung der Bilder der Benutzer unter Creative-Commons-Bedingungen. So kann ich zum Beispiel ein Foto einer Blume unter der “Attribution-NonCommercial-NoDerivs”-Lizenz veröffentlichen: Ein jeder darf dann dieses Foto auf seiner Homepage verwenden, vorausgesetzt, er gibt meinen Namen an (“Attribution”), nutzt es nicht kommerziell (“NonCommercial”) und verändert es nicht (“No Derivative Works”). Auch auf openphoto.com findet man frei benutzbare Fotos.
Die Seite OpenClipArt bietet zahlreiche komplett frei verwendbare Cliparts (als Public Domain). Zwar lässt die Qualität manchmal zu wünschen übrig, aber es finden sich auch gute Grafiken und der Pool wächst rasant.
Weiters gibt es im Musikbereich zahlreiche Angebote. Das Label Magnatune bietet die Musik seiner Künstler unter einer CC-Lizenz an. Im vorigen November veröffentlichte das Magazin Wired eine CD mit Stücken etablierter Musiker, die unter CC-Lizenzen veröffentlicht wurden, darunter Namen wie die Beastie Boys, Rapture, Le Tigre und Thievery Corporation. Diese Tracks darf man auch downloaden und in P2P-Netzen weitergeben und für nichtkommerzielle Zwecke samplen. Nur die kommerzielle Nutzung ist bei einigen Stücken mehr oder weniger eingeschränkt.
Auch zahlreiche andere Seiten bieten Tracks oder Samples frei an. Eine Übersicht über einige Angebote gibt es auf creativecommons.org/find, wo auch eine Suchmaschine, die speziell CC-lizensierte Inhalte sucht, verfügbar ist. Sogar der Internet-Gigant Yahoo! bietet eine Creative-Commons-Suchmaschine an. Ein Großteil der Weblogs, die prinzipiell eine Domäne der Netzaktivisten sind, stehen wie selbstverständlich unter der liberaleren Lizenz.
Fazit
Creative Commons-Lizenzen sind eine gute Sache. Sie geben Urhebern die Entscheidung, was mit ihren Werken geschehen darf, zurück. Sie erlauben es Privatnutzern, Teile der Arbeiten weiterzuverwenden und sie in P2P-Netzwerken ohne rechtliche Unsicherheiten weiterzugeben. Sie helfen somit, die juristische Anarchie im Netz einzudämmen und eine freie Informationskultur zu fördern.
Ich würde nie einem Verein beitreten, der mich als Mitglied akzeptieren würde.
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