2008-01-15 19:57:22
Günter Schwaigers Dokumentarfilm „Hafners Paradies“ konfrontiert den Altnazi und Holocaustleugner Paul Maria Hafner mit seiner NS-Vergangenheit.
Nach der Befreiung Deutschlands und Österreichs war für viele Nationalsozialisten ein Traum zu ende gegangen. So suchten sie woanders Unterschlupf. Viele ehemalige SS-Offiziere und andere Akteure des Nationalsozialismus fanden im faschistischen Spanien des Francisco Franco Unterschlupf. Einer von ihnen ist der ehemalige Waffen-SS Offizier Paul Maria Hafner, um den sich der Film Hafners Paradies dreht.
Die Sonnenseite des Lebens?
Stolz präsentiert Hafner seine Erfindung vor der Kamera. Wie ein kleines Kind freut er sich darüber, dass er seit Jahren selbst Joghurt produzieren kann. Überhaupt hat er doch schon lange der Dekadenz und dem Überfluss Absage erteilt und lebt so sparsam und so gesund wie möglich. Abrahams Frau Sara starb erst im Alter von 127 Jahren. Auch Paul Hafner möchte dieses biblische Alter erreichen.
Ob Gott einem ehemaligen SS Offizier, der auch heute noch oft den Drang zum stolzen Hitlergruß verspürt, dieses Alter erreichen lässt, ist fraglich. Hafner tut jedoch alles, um sein Andenken so lange wie möglich lebend zu erhalten. Täglich besucht er das Schwimmbad, auch bei Freunden, die einen Swimmingpool haben, lässt er sich die Freude am Schwimmen nicht nehmen. Selten sieht man einen über 80jährigen Mann sooft in Badehose, wie in Günter Schwaigers Film.
Die Frage, wie es ihm in Deutschland ergangen wäre, stellt sich Hafner nicht. Spanien, das ist sein Land. Die frühere Schweinezucht hat er schon verkauft, besucht wird der neue Züchter jedoch oft. Mitten unter paarenden Schweinen erzählt der Verehrer von Hitlers Ideologie von seiner Frau, die mit 41 Jahren in Keuschheit leben wollte und erwähnt nebenbei, dass das Kreuzen von Rassen nicht Gottes Vorschriften entspräche.
Die Schattenseite des Lebens!
Judenhasser war er keiner, so Hafner. Schließlich ging es denen doch gut im Zweiten Weltkrieg. Die Konzentrationslager dienten nur zu ihrem Schutz vor den alliierten Bombenangriffen. Um Hafner noch einmal mit der Wahrheit des Holocausts zu konfrontieren, organisiert Regisseur Schwaiger ein Zusammentreffen zwischen dem ehemaligen SS-Offizier und einem Überlebenden aus dem Konzentrationslager Dachau, Hans Landauer.
Doch auch dieser Versuch scheitert. Die erschütterten Erzählungen Landauers scheinen Hafner einzuschläfern. Sein Kommentar dazu: „Na ja, sie haben’s ja eh überlebt.“. Auch Fotos und Filmausschnitte scheinen sein positiv durchdrungenes Bild der NS-Zeit nicht zu trüben. Was der Geist nicht verstehen will, das tut dann vielleicht der Körper. Während der einjährigen Dreharbeiten zu Hafners Paradies erkrankte Paul Hafner an einer Nervenkrankheit, die ihn drei Monate am Sprechen hinderte.
Fazit
Günter Schwaiger konfrontiert einen Mann, der über 60 Jahre an ein Lügengerüst glaubte, mit der Wahrheit. Eine Wahrheit, der sich Paul Maria Hafner vielleicht schon seit längerem bewusst ist. Sein Schweigen als Antwort auf viele Fragen, das Einnicken während des Gespräches mit dem ehemaligen KZ-Insassen Hans Landauer, mögen dafür Anzeichen sein.
Obwohl Hafners Paradies gut recherchierte Ansätze aufweist, ist es vor allem die Beziehung zwischen Filmteam und Protagonist, die irritiert. Hafner sieht im Filmteam „seine Freunde“, spricht, wenn er mit anderen redet von „den Freunden“, mit denen er unterwegs ist, ein Widerspruch „der Freunde“ erfolgt nie. Als es jedoch darum geht auf einer Urlaubskarte an einen ehemaligen Nationalsozialisten zu unterschreiben, weigert sich Regisseur Schwaiger dann doch dies zu tun.
Hafners Paradies ist zu sehen im De France (Wien), Das Kino (Salzburg) und Moviemento (Linz).
We are all in the gutter but some of us are looking at the stars. (Lord Darlington, Lady Windermere's Fan)
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