Foo Fighters haben mit Coldplay Bier getrunken - und ich hab´ sie live gesehen... ein exklusiver Konzerttrip nach London.
Heimspiel für Coldplay
Erinnert ihr euch noch an die Schlammschlacht im heurigen Sommer, in mitten derer sich die Coldplay-Trucks wie auch die Zuschauer mühsam den Weg zum vom Dauerregen aufgeweichten Festivalgelände im Pielachtal erkämpften? Nun stellt euch in etwa dieselbe Anzahl an Leuten vor, steckt sie in eine Location mit den Ausmaßen einer römischen Arena und verlegt das ganze nach London. Dann seid ihr im Earls Court, eine der größten Indoor-Konzertarenen, die mir je zu Gesicht gekommen ist. Ebendort haben vergangene Woche die britischen Topstars Coldplay nach einer fast einjährigen Tournee durch über 100 Länder ihr Heimspiel an drei ausverkauften Abenden bestritten. „It´s good to be home, it´s the greatest town in the world", kann Chris Martin nicht oft genug beteuern. Und das dankbare Publikum - rund 20.000 Leute pro Abend - hängt, lauthals mitgrölend, Wort für Wort an seinen Lippen.

Coldplay stiegen nach nur drei Alben zu einem der erfolgreichsten britischen Popexporte auf. Ein Erfolg, den viele Kritiker ihnen gerne als bloße kommerzielle Anbiederung an den Kopf werfen, doch hinter der ganzen Popmaschinerie, hinter den gigantischen Monitorwänden und technischen Effekten schimmert hie und da immer noch die Indieband hervor, die sie vor ein paar Jahren noch waren. Das wird spätestens dann deutlich, wenn sich die Band zum Akustikset eng aneinander schmiegt und in „Till Kingdom Come" spontan Johnny Cash´s „Ring Of Fire" einbaut.

Coldplay zählen zu den wenigen Bands, die es schaffen, mit ihren Pophymnen wie "Yellow", "In My Place" oder "Talk" die Balance zwischen Anspruch und Kommerz zu halten und punkten mit Sympathie, großen Songs und einem der gegenwärtig charismatischsten Sänger und Frontman. Chris Martin repräsentiert sowohl den sensiblen Poeten als auch den lausbübisch grinsenden Schelm, der wie besessen in sein Klavier hämmert und dabei fast vom Hocker fällt. Und natürlich beherrscht er auch die großen Gesten, etwa wenn er das Publikum bei der Schlussnummer „Fix You" symbolisch, mit einer vom Bühnenhimmel schwebenden Sturmlaterne, und textlich („Lights will guide you home...") in die kalte Londoner Nacht geleitet.

Gwyneth Paltrow habe ich übrigens weder selbst erblickt, noch machte Chris Martin Andeutungen, dass seine Angetraute sich im Publikum befände. Einer, der allerdings sehr wohl zur erlesenen Zuhörerschaft zählte, war kein geringerer als Dave Grohl, der währenddessen mit seinen Bandkollegen den Coldplay-Jungs das Bier weg getrunken hat, wie er später verriet. Was der hier zu suchen hat? Nun, jetzt kann ich ja die Katze aus dem Sack lassen und gestehen, dass der Hauptanreiz meiner Londonreise primär eigentlich Herr Grohl und seine Foo Fighters waren, die, nahtlos an Coldplay anknüpfend, zwei Abende lang das ebenfalls ausverkaufte Earls Court beschallten.
Dave Grohl´s Brunftschrei in die Londoner Nacht
So schien kaum der letzte Klavierton von „Fix You" verstummt, als Dave Grohl die obligatorische Frage „Can you hear me, hear me screaming?" des Eröffnungstitels „In Your Honor" wie ein zähnefletschendes Raubtier in die Halle BRÜLLT. Und Grohl´s Schreigesang sollte bis auf einen einzigen Ruhepol der Show nicht verstummen. Eine Akustiktour ist angeblich für nächstes Jahr geplant, doch heuer setzen die Foo Fighters, analog zum FM4 Frequency Festival im heurigen Sommer, auch in London auf eine schweißtreibende Headbanging-Powerrockshow ohne dynamische Durchhänger. Die spieltechnisch perfekt agierende Band bietet Frontman Grohl das notwendige stabile Gerüst, um seine Rockstarrolle voll ausspielen zu können. So nutzt er jeden Moment, den er mal nicht am Mikro fest klebt, um rasant zwischen den Bühnenenden der riesenhaften Bühne zu wechseln. Oder um in einer spontan wirkenden Aktion in die Mitte der Halle zu sprinten, ein Podest zu erklimmen und sich mit seinem auf der Bühne verblieben Kollegen Chris Shiflett ein Gitarrenduell zu liefern, während die Laserstrahlen blitzschnell die Halle durchschneiden. „Once you got the lasers, you know, you got it made", zeigt sich der Foo Fighters-Boss in Anspielung auf die gigantische Licht- und Laserorgie selbstironisch.

„You know, I really love doing all that heavyrock stuff, but when it comes down to the ladies you have to behave in a different way", verrät Grohl mit schelmischem Grinsen, bevor er zum einzigen Ruhepol des Abends überleitet und eine - jedes Mal von neuem herzzerreißende - Soloperformance von „Everlong" anstimmt. Ein stiller Höhepunkt, der sicherlich auch Chris Martin und seiner Gattin die Augen wässrig gemacht hätte. Oder waren die etwa Backstage und haben den Foo Fighters das Bier weg gesoffen?
Alle Fotos: (c) Stephan Brückler