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Cloverfield - Monströs entfachte Neugier 2.0

2008-02-07 13:28:37

  • New York from Cloverfield Escape Miss Liberty
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Wer hätte gedacht, dass uns ein Regisseur aus Hollywood heutzutage noch dermaßen neugierig auf Kino machen kann.

Andauernd sind irgendwelche sensationell aussehenden Blockbuster dort zu sehen, die einem nur mehr ein müdes Lächeln auf die Lippen zaubern und kaum noch dazu in der Lage sind, uns wirklich zu begeistern.
Matt Reeves gibt sich mit dieser Situation nicht zufrieden, schließlich verdient er seine Brötchen mit dem Filme machen.
Zusammen mit Lost und Alias-Erfinder J.J. Abrams tüftelte er an einer Idee, um gleichzeitig Mainstream-Publikum und kritischere Zuschauer für sich und sein Projekt zu gewinnen. Eine kleine, aber effektive Fährte musste gelegt werden.

Die Geburt von Cloverfield

Zuerst als kurzer Teaser-Appetithappen im Kino zu sehen, der nur eine wirre Vorschau-Sequenz zeigte und nicht mal den Titel des Films verriet, später durch virales Marketing im Web erfolgreich ergänzt.
Ob MySpace-Mitgliedschaften der vorkommenden Protagonisten des Films, Videos auf YouTube oder Internetseiten, die einem mehr Informationen rund um den Film gaben.
Das Interesse stieg, die Fährte wurde aufgenommen, die Neugier wuchs. Die größte aller Fragen blieb aber bestehen: Wer oder was reißt der Freiheitsstatue den Kopf ab?
Ein erneuter Terroranschlag (und damit gar nicht mehr so weit von der eigentlichen Realität entfernt), ein Angriff von Außerirdischen, vielleicht ein Erdbeben oder doch ein riesenhaftes Ungetüm, dass sein Unwesen in New York treibt?
Die Antwort blieb uns Reeves bis zum Film schuldig.

"Dem wahrhaft Neugierigen erschließt sich alles, was das Leben zu bieten hat. " (William Morris Davis)


Liest man über Cloverfield, so liest man auch über Blair Witch Project. Der Film, der damals mit seiner nonchalanten Unperfektheit, wackelnder Kameraführung und einem hohen Maß an Realität die Fans zu gruseln wusste, stand Pate bei der Inszenierung von Matt Reeves.
Nicht die Story oder der Plot, sondern die Umsetzung faszinierte. Natürlich musste man sich auf diese neue, andere Art der Filmrezeption einlassen, die sich als vorgaukelnde Semi-Doku schmückte.
Kannman aber solch eine Machart auch auf ein anderes Genre ausweiten? Man kann.
Auch Cloverfield speist sich aus der gleichen Grundidee. Wie im Blair Witch Project, wo die Kameras der verschollenen Studenten im Wald von Burkittsville gefunden wurden, sind es hier Aufnahmen, die das amerikanische Militär dort bereitgestellt hat, was früher einmal „Central Park“ hieß.
Moment mal: hieß?

"My name is Robert Hawkins.
Approximately seven hours ago, uh, some 'thing' attacked the city.
Um, if you found this, if you're watching this, then you know more about it than I do."


Die Videoaufnahmen zeigen wie New York City an einem zuvor ausgelassenen Abend von etwas angegriffen wird.
Es ist groß, es scheint keine guten Absichten zu haben, es sieht aus wie eine mutierte Gottesanbeterin und sondert zudem noch kleine, spinnenartige Parasiten ab, und man weiß auch nicht woher es kommt. Aufgenommen von einer Gruppe von Leuten, die sich an jenem Abend in einem Apartment versammelt haben, um Rob (Michael Stahl-David) mit einer gebührenden Party den Abschied nach Asien wegen eines lukrativen Jobs leichter zu machen.
Dass sie wenige Minuten später in Panik geraten und die Statue of Liberty einen Kopf kürzer sein würde, oder gar manche von ihnen auf der turbulenten Flucht ihr Leben lassen müssen, damit hätte wohl keiner gerechnet, zumindest nicht auf diese Art.
Trotzdem wurde das Geschehen mittels Digicam für die Welt festgehalten. Was dort zu sehen ist, erfüllt einen nicht unbedingt mit Glückseligkeit.


"Still filming?
Yeah, people are gonna want to know... how it all went down."


Gespannt folgt der Zuschauer jedem neuen Winkel, den die Handkamera aufzufangen weiß. Nicht immer weiß das Auge den Bildern zu folgen, es bedarf einer kleinen Eingewöhnungszeit, bis man nicht vollkommen an den schnellen Schnitten und Bewegungen verloren geht.
Die Orientierungslosigkeit bleibt aber bestehen. Der Thrill wächst, man fühlt sich stark in die Handlung miteinbegriffen.
Der pseudodokumentarische Stil suggeriert Authenzität und steigert so die Anteilnahme, die Situation scheint gefährlich wirklichkeitstreu.
Die Stimmung wechselt von fröhlicher Unbekümmertheit zu panischer Angst.

Reeves widersteht zudem der Versuchung, zu ausgiebig in die digitale Trickbox zu greifen, um die spektakuläre Monstergestalt zu zeigen, statt dessen fokussiert er seine Inszenierung mehr auf den psychischen Ausnahmezustand, der plötzlich über die Protagonisten hereinbricht und lässt dabei noch genügend Spielraum, um die eigenen Ängste der Zuschauer hervorzulocken.
Außerdem werden nebenbei noch filmische Zitate eingeflochten, wie etwa John Carpenters Machwerk Escape From New York, das als Inspiration für die kopflose Freiheitsstatue diente.
Daneben wird der Schockeffet noch dazu benutzt, um eben auf gesellschaftliche und politische Missstände hinzuweisen.
9/11 ist da nur das offensichtlichste Beispiel. Dieser soziokulturelle Subtext greift zwar nur kurz, schwingt aber abseits des Schreckens dennoch mit.

Ein Kleefeld, was der Titel Cloverfield übersetzt bedeutet, hat anscheinend auch rein gar nichts mit dem Film an sich zu tun und bietet letztendlich auch nicht die erhoffte Rettung.
Nicht für die Charaktere im Film und auch für uns nicht, die gebeutelt den Kinosaal verlassen.

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AutorInnen

Daniel Gilic

Daniel Gilic

"Fill the air with poems, so thick
even bombs can't fall through."
(Peter Levitt)

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