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Che - joven oder kennt jemand Ernesto?

2007-04-02 00:13:23

Der Argentinier Ernesto Guevara wurde am 14. Juni 1928 geboren und starb am 9. Oktober 1967, ermordet vom Bolivianischen Militär. Man darf annehmen, dass darüber und über seine kubanischen "Abenteuer" mit Fidel Castro, die Mehrheit bestens Bescheid weiß. Am 29. Oktober dieses Jahres wird ein mexikanischer Schauspieler namens Gael García Bernal den jungen Che Guevara darstellen, in einer filmischen Bearbeitung der Motorradtagebücher, publiziert unter dem Titel "Latinoamericana - Tagebuch einer Motorradreise 1951/52".

"Wer war Ernesto?"

Der Mythos des Revolutionärs Che Guevara erfährt durch die Begegnung mit dem jungen, idealistischen und etwas naiven - Gegenfrage: Welcher Revolutionär ist dass nicht? - Ernesto eine ebenso lehrreiche wie erholsame Revidierung. Leidet man im Allgemeinen an plötzlich einsetzendem Hörsturz sobald es um die Heldentaten des größten Revolutionärs aller Zeiten geht, so entpuppt er sich hier als ebenso zugänglicher wie normaler Mensch, der seine Ideale nie verraten hat, vielleicht aber die Wahl der Mittel überstrapazierte.

Das Tagebuch ist auch als solches verfasst, dramaturgische Überraschungen sind also nicht zu erwarten und so begegnet man auf seiner Reise durch Lateinamerika, einer ständigen Wiederholung von Ritualen.

Alberto Granado und Ernesto fahren mit der "Poderosa" querfeldein durch den Kontinent, von Argentinien nach Chile, von dort nach Peru sowie nach Kolumbien und schlussendlich gelangen sie nach Venezuela.

Je weiter sie von ihrer Heimat Buenos Aires entfernt sind, desto größere Schwierigkeiten belasten die abenteuerliche Reise, je seltener man Kontakt zu Freunden oder Verwandten hat, je weniger Gelegenheit besteht sich bei ihnen für ein paar Tage einquartieren und verpflegen lassen kann, desto mehr wird die Motorradreise in Frage gestellt, einer Prüfung unterzogen.

"Die Hilfsbereitschaft von Fremden"

Doch ganz offensichtlich hat man es mit einem Lateinamerika zu tun, in welchem jungen Reisenden, wenngleich diese sich auch mit falschen Federn zu schmücken wissen, mit Freundlichkeit und Nächstenliebe entgegengetreten wird.

Die Begegnungen mit skrupellosen Geschäftemachern, entmystifizierten und geplünderten historischen Denkmälern sowie die gleichzeitige Erkenntnis der Hilfsbereitschaft bei sozial Schwachen prägen Guevara und während er schon längst seinen Spitznamen Che "überreicht" bekommen hat, reift in ihm der Widerstand gegen das vorherrschende System, in welchem der Arbeiter an der Untergrenze der Lebenswürdigkeit dahinvegetieren muss und einige wenige ihren Reichtum genießen bzw. die Armen noch weiter ausbeuten.

Ihre Reise soll nicht nur per Motorrad fortgesetzt werden, auch haben Ernesto und Alberto keine Scheu, als blinde Passagiere weiterzureisen oder ein selbst gebasteltes Floß zu benutzen, um sich am Ende doch zu trennen, wobei Che eine denkwürdige Zeit in Florida verbringt.

Bei der Heimkehr ist aus Guevara sichtlich ein anderer Mensch geworden und was seinen Eltern zu diesem Zeitpunkt, im September des Jahres 1952, beinahe 1 Jahr nachdem er sein Elternhaus für diese Reise verlassen hat, noch nicht bewusst war, ist für den Leser seines Tagebuches, schmerzhaft offensichtlich.

Der fatalistische Weg welchen er bestreiten sollte, ist seit dieser Reise vorgezeichnet.

"...werde mit dem Geheul eines Besessenen die Barrikaden oder Schützengräben stürmen, meine Waffe in Blut tauchten und, rasend vor Wut, jeden Besiegten, der mir in die Hände fällt, niedermetzeln. Und ich sehe, als hätte eine unendliche Müdigkeit meine eben noch tobende Erregung überwältigt, wie ich, hingeopfert der jeden Willen gleichmachenden, echten Revolution, mit den beispielgebenden Worten mea culpa auf den Lippen falle."

Film & Mythos

Egal was man nun von dem Buch halten möge, ob man seiner Ideologie, auch in letzter brutaler Konsequenz, zustimmen will oder nicht, die Auseinandersetzung mit dem Tagebuch, sofern man die Person des Ernesto Che Guevara hinterfragen möchte, ist zwingend.

Ebenso scheint es der brasilianische Regisseur Walter Salles ("Central do Brasil") gesehen zu haben und nahm sich der Verfilmung des legendären Buches an. Für die Hauptrolle engagierte er das mexikanische Jungtalent Gael García Bernal, welcher durch seine Rollen in "Amores perros", "Y tu mamá también" und "Die Versuchung des Padre Amaro" Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte.

Bei den diesjährigen Filmfestspielen von Cannes, erregte das Werk nicht nur sehr viel Aufsehen sondern wurde auch durchwegs gelobt, von Kritikern wie Publikum. Schon jetzt scheint es ein veritabler Programmkinohit zu sein, welcher die Karrieren von Bernal und Salles voran treiben wird, ob er jedoch der idealistischen Vorlage treu bleibt oder sich Freiheiten herausnimmt, bleibt bis zum offiziellen Start abzuwarten.

Fotos: Patrick Dorner

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AutorInnen

Patrick Dorner

Patrick Dorner

Im Jahre 1983 geboren in der Steiermark, führte mich mein Weg über einen Zwischenstopp in Graz zum Studium nach Wien. Die meiste Zeit verbringe ich dennoch im Kino und ich würde lügen würde ich die Freude an dieser Beschäftigung bestreiten.

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