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Chaplin, Akkordeon, Gitarre

2009-03-05 14:22:40

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Im Rahmen der Stummfilm-Matineen des 10. Internationalen Akkordeonfestivals unterstützte das Duo Fran Sansisco Charlie Chaplin bei seinem Leinwandabenteuer City Lights musikalisch.

Charlie Chaplin war dem Tonfilm gegenüber negativ eingestellt. Er befürchtete, dass die Komik seines Pantomimenspiels durch die Sprache zerstört werden würde und erwies sich so als ein Nostalgiker der guten alten Zeit. Noch Jahre nachdem sich der Tonfilm etabliert hatte, drehte Chaplin Stummfilme – und das mit großem Erfolg. Allerdings verzichtete auch er nicht gänzlich auf die neuen Möglichkeiten der Tonspur und entwickelte so eine Art Hybridform. Es gab zwar keine Dialoge – die Handlung wurde noch mit Zwischentiteln erklärt – aber Musik und Toneffekte wurden schon fest integriert, so dass eine Live-Musikperformance nicht mehr erforderlich war. City Lights – Lichter der Großstadt (1931) war der erste Film dieser Art.

Live-Musik vs. Tonspur

Lothar Lässer am Akkordeon und Robert Lepenik an der E-Gitarre fiel daher im Filmcasino Wien die schwere Aufgabe zu, nicht nur einen Film musikalisch zu beleben, sondern auch noch eine mannigfaltige Tonspur zu ersetzen. Denn sowohl die Musik, als auch das ironische Spiel mit bildlicher Sprache und Soundeffekten, sind eigentlich durch den Film schon vorgegeben. War die Interpretation und Sichtweise der frühen Stummfilme noch sehr stark durch die Musik zu beeinflussen, so sind die Bilder des Films City Lights bereits mit bestimmten Tönen assoziiert. Dadurch sind die Tonmalereien des Films – beispielsweise zu Beginn, als ein Denkmal mit pompösen Reden eingeweiht wird, oder in der Szene, als der Vagabund (Charlie Chaplin) eine Hundepfeife verschluckt – stark determiniert. Gerade hier zeigen sich auch die Schwächen des begrenzten Instrumentariums von Fran Sansisco. Akkordeon und E-Gitarre wirken teilweise rudimentär und können klanglich nicht das wiedergeben, was die filmische Szenerie evoziert.

Stummfilm forever

Auch über die gesamte Laufzeit betrachtet, schafft es das Duo nicht, dem Film durch die Musik eine weitere Ebene hinzuzufügen. Letztlich sind Lothar Lässer und Robert Lepenik nur paraphrasierendes Beiwerk für die großartigen Spielereien eines Charlie Chaplins in Höchstform. Aber selbst das ist eine Leistung. Synchron wie eine Tonspur legt sich die Live-Musik über die Filmbilder, so dass manch ein Zuschauer wahrscheinlich erst durch den begeisterten Applaus am Ende daran erinnert wurde, welch außergewöhnlicher Filmvorführung er gerade beigewohnt hat. Der Filmreihe, die noch bis zum Ende des Festivals am 22. März jeden Sonntag fortgesetzt wird, ist daher weiterhin so viel Erfolg und solch starker Zuschauerzuspruch zu wünschen. Denn dass der Stummfilm bei weitem nicht stumm ist und auch der heutigen Kinogeneration noch viel zu sagen hat, lässt sich nicht nur anhand der zahlreichen Lacher des Publikums bei dieser sonntäglichen Aufführung von City Lights nachweisen. Im Prinzip würde es aber schon als Rechtfertigung genügen.

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