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musik

Camille – le fil

2007-04-02 00:11:21

Camille Dalmais entführt uns mit ihrer wunderbaren Stimme auf dem am 29. August dieses Jahres erschienen Albums "le fil" in ihre fabelhafte Welt. Eintauchen und genießen!

„Wow, ist das geil! Was ist das?“ tönt es aus dem Nebenzimmer.
„Warte, ich schau nach … aha.“

So geschehen an einem Dienstagnachmittag in einem Büro in der Wiener Innenstadt. Im Radio – so wie jeden Tag – FM4 auf Dauerrotation als Untermalung, denn „mit Musik fällt die Arbeit eben leichter“ wusste schon meine Mutter zum Besten zu geben. Im Nebenzimmer hört man die Konkurrenz – irgendetwas in die Richtung Ö3, Life Radio, Radio Energie und wie sie sonst noch alle heißen mögen.

Im Prinzip wird das Gespielte gar nicht wahrgenommen. Beinahe egal, was läuft, Hauptsache ist, das was läuft – frei nach Mutters Weisheit letztem Schluss. Und, dann, ja dann hört man doch wieder aufmerksam hin. Und zwar genau dann, wenn sich etwas abhebt vom Einheitsgedudel. Und überdies nimmt das dann auch die Konkurrenz-hörende Arbeitskollegin ein Zimmer weiter wahr.

Elle s’apelle Camille.
Der Name der Aufmerksamkeits-Erregerin: Camille. Der Song: „Ta doulheur“ aus dem am 29. August erschienen Album „Le Fil“.

Da sich die 26jährige, aus Frankreich stammende Camille Dalmais nicht auf dem Erfolg – den sie zuvor mit der Band „Nouvelle Vague“ in ganz Europa einheimsen konnte – ausruhen wollte, produzierte die Sängerin, Songschreiberin und Pianistin kurzerhand ein magisches Soloalbum, dass so nebenbei die Musikgeschichte auf den Kopf stellt.

La voix.
Die Französin mit der prägnanten Stimme – einer Human Beat Box – benötigte dafür kaum anderweitige Unterstützung. Camille benützt ihre Stimme als Instrument: Sie blubbert, pfeift, prustet und trompetet was das Zeug hält. Ihr Gesang wird nur durch sanfte Pianostreicheleinheiten, Akkordeon, Bass oder Geklatsche sparsam umspielt und verschmilzt zu einem manchmal etwas schrägem, experimentellen und bezaubernd-buntem Gesamtkunstwerk.

Auf ihrem 2002 erschienen Erstlingswerk „le sac des filles“ (= die Tasche der Mädchen) modifiziert die Französin noch Chansons der 30er- und 40er-Jahre. „Le fil“ ist schon etwas wagemutiger und vielschichtiger. Die Dalmais experimentiert mit vielerlei Stilen, die sie auf spannende Art & Weise miteinander verquirlt: ein bisschen Soul, eine Spur Gospel und eine Prise von der brasilianischen oder westafrikanischen Musik. Und das Menü, das dabei herauskommt, schmeckt einfach fantastisch anders!

Der rote Faden.
Das gesamte Album („Le fil“ = der Faden) ist durchzogen von einem einzigen Basston, den ihr ein Sänger in der Pariser Metro beigebracht hat. Der letzte Song des Albums „Quand je marche“ endet in diesem „Gebrumme“, das in Summe rund 35 Minuten andauert.

Imagine...
Camilles Musik ist im Stande, die unterschiedlichsten Bilder vor das geistige Auge zu zaubern: In „Assise“ kreiert Sie eine äußerst mystische Stimmung – man spürt beinahe die Hitze des Lagerfeuers um das man mit den Mitgliedern eines afrikanischen Stammes sitzt und ihre tranceartigen Ritualtänze bewundert. Bei „Janine I“ klingt Sie wieder herrlich kindlich, naiv und unbeschwert, als würde Sie einen Auszählreim à la „ene mene mu...“ zum Besten geben – um im nächsten Atemzug mit einem sanft gehauchten Flüsterton wieder lasziv, sexy verrucht und verführerisch in ihrer vollen Weiblichkeit das Mikro zu betören. Dann plötzlich schreit sie sich wie irre und voller Aggressivität die Seele aus dem wütend wirkenden Leib. Man merkt einfach den Spaß, den sie daran hat, mit dem breiten Fächer ihrer Stimme in den verschiedensten Tonlagen zu experimentieren.

Pourquoi pas?
In ihren Texten erzählt die 26jährige unter anderem von schlechtem Wetter, Melancholie und erkalteten Gefühlen, spielt jedoch beispielsweise im Song „Pâle septembre“ auch auf Themen wie die Anschläge des 11. September an.
In „Janine“ (der Song ist in drei Teilen über das gesamte Album verstreut) singt sie von einem Mädchen, das sich in keiner Bezeichnung – die man ihr gibt – wieder findet:

„Pourquoi tu m’apelle Janine
alors que j’m’apelle Thérèse?

Schwierigkeiten dieses Album zu benennen, habe ich nicht – Pourquoi ne dit-on pas tout simplement: que c’est magnifique! (*)

Zu guter Letzt noch ein heißer Tipp: Camilles Homepage www.camille-lefil.com  ist wahrlich sehenswert – vor allem das Video zu „Ta douleur“!

(*Merci der lieben M. für ihre Hilfe – ich hoffe es stimmt so, da mein Français schon mehr als verstaubt ist. Jaja. Lang, lang ist’s her...)

Text: Olivia Weise

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AutorInnen

Marco Weise

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