Die vier Cäsaren aus Stockholm lassen mit Farfisa-Orgel und schmalzigen Beach Boys-Chören die Sixties hochleben.
Der schwedische Rockmusikmarkt blüht zurzeit wieder einmal. Während Bands wie The Hives oder die großartigen Mando Diao tief in den 70er Jahren wühlen, lassen die vier Cäsaren aus Stockholm mit Farfisa-Orgel und schmalzigen Beach Boys-Chören die Sixties auferstehen.
Um nicht in rechtlichen Konflikt mit dem berühmten Las Vegas-Kasino zu kommen, hat die vor zehn Jahren in Schweden gegründete Band das „Palace“ aus ihrem ursprünglichen Bandnamen Caesars Palace gestrichen. Die Caesars wurden 1995 von Songschreiber, Gitarrero, Produzent Jocke Åhlund und Sänger Cesar Vidal ins Leben gerufen und mit Bassist David Lindqvist sowie Drummer Nino Keller komplettiert. Interessanterweise wird die tonangebende Orgel nicht von einem fixen Bandmitglied, sondern von einem Gastmusiker bedient.
Der Hit „Jerk It Out“ rotiert ja bereits in aller Ohren (und diversen Werbespots), jetzt schießen die Caesars das Album Paper Tigers nach.
„Jerk It Out“ erschien ursprünglich bereits auf dem 2002er Album der Caesars sowie auf der 2003 erschienen Compilation „39 Minutes Of Bliss...“ und liegt nun in einer Remix-Version auf dem neuen Longplayer auf. Für alle, die sich bisher über die Bedeutung des Songs im Unklaren waren, schafft Jocke Åhlund via Bandhomepage Abhilfe: “It means to just let out some steam, freak out, let yourself go, get crazy etc. All that stuff. Don’t feel ashamed of your different and weird sides ‘cause they’re what makes you beautiful.”
Neben dem sehr eingängigen Partykracher „Jerk It Out“ feuern die Caesars mit „It´s Not The Fall That Hurts“ und dem Titeltrack „Paper Tigers“ gleich noch zwei weitere Prachtohrwürmer nach. Dabei tischen sie nebst den üblichen Herzschmerz-Themen hübsch-naive Weisheiten wie „it´s not the fall that hurts, it´s when you hit the ground“ auf.
Vieles auf Paper Tigers erinnert - mit Elementen wie tanzbarer Groove, mehrstimmiger Gesang, funky Gitarren und Orgel - an die gute alte Manchester Rave-Zeit, speziell an die Band Inspiral Carpets. Andere Songs klingen wiederum wie direkt der early-60´s-Ära der Beatles oder der Monkees entsprungen („My Heart Is Breaking Down“). Zwischen all diesen fast etwas zu gut gelaunten Tracks heben sich der streicherunterstütze Einstiegssong „Spirit“ und die von Akustikgitarre und Glockenspiel geprägten Nummern „Your Time Is Near“ und „Winter Song“ angenehm ab.
Die Orgel singt quietsch vergnügt, das Tamburin scheppert und die mehrstimmig eingesungenen Melodien sind mit einer dicken Zuckerglasur überzogen. Mit Paper Tigers gelingt den Caesars ein charmantes, bestens gelauntes und sixties-infiziertes Partyalbum.
Und wem das zu viel Zuckerguss ist, besorgt sich als Kontrast das neue Nine-Inch-Nails-Album.