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Bushido, Alice und ich.

2010-02-28 20:08:48

  • Ich Alice diss

Nicht wer hier wen disst, sondern warum, das ist die Frage. Eine Art Kommentar.

Es folgt: ein kurzer Ausflug in die Welt der deutschen Klatschspalten mit (pseudo-) intellektuellem Touch. Und immer wieder dazwischen was meine Wenigkeit davon hält, nicht ohne Ironie.

Bushido


Endlich ein deutscher Rapper, der in Interviews nicht nur Blödsinn daherplappert. Endlich einer, der normales Deutsch spricht. Da sieht man sogar darüber hinweg, dass er die eine Randgruppe nicht mag und gegen eine andere hetzt. Idiotisch. Bushido ist tatsächlich genauso wie die anderen. Keinen Deut besser, keinen Deut schlechter. Dass er schön reden kann und so tut, als stünde er über dem, was er "singt"; als wäre er erwachsen. Aber leider wollen die KonsumentInnen ja den ganzen Mist hören und so weiter. Der arme missverstandene, intelligente Bushido.

Und gefallen lässt er sich natürlich nix. Trotz der ganzen Klugscheißerei und dem Erwachsensein. Ein Prügelknabe ist er vielleicht nicht mehr, dafür hat er zu viel Geld. Aber das Temperament geht halt schon noch hin und wieder mit ihm durch. Angst hat er vor Leuten, die ihn nach seiner Mutter fragen. Weil, eh klar: Das ist zu persönlich! Die eigene Mutter, darüber darf man nun echt nicht reden. Dass er deshalb auch ein Interview mit Deutschlands Frau Number One abgesagt hat, ist da doch nur zu verständlich. Alice Schwarzer, die fragt einen doch immer über die eigene Mutter aus. "Fick dich ins Knie, du Fotze!", würde Bushido ihr antworten, hat er gesagt, auf die Frage, wie es war, damals, an Muttis Nippeln zu saugen, als kleiner Junge.

Alice

Endlich eine Feministin, die sich auf das Niveau von Rappern nicht hinab lässt. Denkste! Zurückgedisst hat sie, die einzige, die man in Deutschland fragt, wenn‘s um Frauen geht. Traurig eigentlich. Und ja, sie war eh super und ist es auch heute noch. Aber bei manchen Themen sollte man sich doch endlich nach neuen Leuten umsehen. Gibt ja auch andere, die Frauen gut finden und sich besser auskennen als die Schwarzer. Das darf sie natürlich nicht wissen, also pscht.

Na jedenfalls hat die Frau Schwarzer einen Brief zurückgeschrieben, einen offenen, an den Herrn Bushido, der ihr gesagt hat/hätte, als sie ihn über die Frau Mama gefragt hat/hätte, dass sie sich doch ins Knie und so weiter. Und schon ging der Aufschrei durch die Bohème-Szene: Ur arg, so eine intelligente Frau und lässt sich auf jemanden wie Bushido ein. Schreibt einen elendslangen Brief wegen einem Satz, über den man doch drüberstehen könnte, als Alice Schwarzer. Trotzdem: Ich find's schon gut, weil dem alles durchgehen lassen, das ist ja auch nicht das Wahre.

Ich


Mir stellt sich dabei natürlich die Frage: warum? Warum lässt sie ihm das nicht durchgehen, warum beschimpft er sie als Fotze, warum tangiert mich das überhaupt, wo ich die beiden doch gar nicht kenne. Also persönlich. Frage eins ist heimtückischer als Frage drei, aber Frage zwei ist total einfach, also easy. Er beschimpft sie nämlich als Fotze, weil er einen neuen Film draußen hat. Und weil man ja überall darüber reden soll, auch in Feminismus-Kreisen und intellektuelleren Gefilden als der Gosse, wo es eh schon jeder weiß, bedient sich Herr B. eines Gossen-Mittels um hinauf zu schreien in die Altbau-Wohnungen in den inneren Bezirken Berlins und Wiens und so. Jetzt, wo die Schwarzer beleidigt wurde, haben sogar die Belesenen und Gebildeten davon erfahren: Er hat einen Film am Start. Den kann man sich ja anschauen, denken die sich dann.

Und schon hat er gewonnen. Nun ist es aber so, dass die liebe Alice nicht mehr so der Renner in unbeleseneren Kreisen (wenn's die überhaupt gibt) ist. Da sie jetzt aber ein neues Buch rausbringt, wo es dem Titelbild nach zu urteilen um vermeintlich arme, vermeintlich unterdrückte, vermeintlich muslimische Frauen geht und das zwar nicht ihr stärkstes, aber eines ihrer liebsten Themen zu sein scheint, und das auch alle lesen sollen, schreibt sie einen Brief an den Herrn B. Und lässt sich hinab, wie Rapunzel ihr Haar.

Und schon haben beide gewonnen. Nun ist es aber zusätzlich auch noch so, dass ich (ja, ich) auch was davon haben will. Von dem ganzen Herumgedisse und dem ganzen Aufmerksamkeits-, Rampenlicht-Mist. Und daher schreib ich hier diesen Bericht. Der nicht, oder vielleicht doch, lesenswert ist, der hin und wieder ein bisschen stichelt und dazwischen zum schmunzeln oder Augen verdrehen oder Computer abschalten führt. Und dennoch, wenn nur einer von euch (ja, ihr), welche ihr diesen Text überfliegt, mit einem Auge auch nach meinen anderen Artikeln lugt, dann hab auch ich gewonnen.

What a wonderful world. 

 

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AutorInnen

Christian Pausch

Christian Pausch

...und ich wär' hier so gerne zu hause,

denn die Erde ist mein Lieblingsplanet.

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Kommentare




 

03.03.2010
oberhumer [info]

Ich auch

Und wenn mein Posting hier gelesen wird, dann ist mir auch geholfen. Warum sollte ich sonst schreiben. Danke für die Analyse!

[antworten]




 

08.03.2010
Lisi_G [info]

sind wir nicht alle ein bisschen rampengeil?

super!

der text ist wunderbar analysiert.

[antworten]




 

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