Brotbacken gilt allgemein als aufwändig und schwierig und somit als frustrierend. Das es auch anders geht soll dieser Artikel beweisen, der den Vorgang des Brotbackens auf größtmögliche Einfachheit reduziert. Wer also schon immer mit dem Gedanken gespielt hat, seinE eigeneR BrotbäckerIn zu sein, der sollte sich diese Anleitung nicht entgehen lassen.
Fern von jeglichem Perfektionsanspruch ist der Begriff Brotbacken für StudentInnen im Grunde nur ein beschönigender Ausdruck für minimalistisches oder anarchistisches Brotbacken. Das besonderes an dieser Technik ist der Anspruch, mit möglichst geringen Mitteln und Aufwand ein möglichst gutes Ergebnis zu erzielen.
Warum Brotbacken?
Da der/die StudentIn in der Regel mit seinem/ihrem Studium völlig ausgelastet ist, braucht es zuerst einen Anreiz, um zum selbstversorgenden Brotbäcker zu werden.
Zuerst für alle HedonistInnen: Brotbacken macht Spass. Für alle Links-Alternativen: Brotbacken ist Selbstverwirklichung. Für alle Geizhälse: Brotbacken heißt Geld sparen.
Wenn du jetzt noch immer selbst Brotbacken willst, wird es nun konkret.
Was brauchst du?
Zuerst eine relativ große Schüssel für den Teig, am Besten aus Plastik oder Glas. Dann einen Kochlöffel um die Zutaten zu vermischen, einen Ofen mit Rohr und Blech sowie natürlich die Zutaten selbst. Die absolut notwendigen Grundzutaten sind Mehl (für Weißbrot Weizenmehl, für dunkleres Brot Dinkel, etc.), Germ und Salz. Damit das Brot nicht wie "Indianerbrot" aus dem Ferienlager schmeckt, sind verschiedene Gewürze sehr hilfreich. Klassische Brotgewürze sind Fenchel und Koriander, aber auch Kümmel und Anis. Eine längliche Brot- oder Kuchenform ist zwar von Vorteil, aber nicht zwingend notwendig.
Der Teig
Neben der Einfachkeit stellt das studentische Brotbacken auch den Anspruch auf möglichst wenig Arbeit, vor allem was das Putzen und Aufräumen danach betrifft. Deshalb verlassen der Teig und seine Zutaten die große Schüssel erst, wenn er auf das Blech oder in die Backform gegeben wird.
Zuerst löst du den Germ in einem Glas in etwas warmen Wasser auf. Kurz einige Worte zum Germ: Germ (in Deutschland Hefe) gibt es frisch oder als Pulver (im Reformhaus). Welchen du verwendest, ist egal, der frische ist verbreiteter und auch etwas billiger. Anscheinend wird das Germmonopol in Österreich von Mautner-Markhof gehalten, also suche nach kleinen blauverpackten Würfeln im Kühlregal.
Dann vermischst du ein halbes Kilo Mehl mit einem Esslöffel Salz und Gewürzen nach eigenem Ermessen in der Schüssel und drückst in die Mitte eine Grube ins Mehl. In diese leerst du das Germwasser und beginnst das Mehl mit dem Wasser zu vermischen. Du musst natürlich noch mehr Wasser dazugeben, bis sich eine einheitliche Teigmasse entwickelt. Solltest du vorhaben, das Brot auf dem Blech zu backen (der Fachtermini dazu ist "frei backen" im Gegensatz zum in der Form backen) sollte der Teig etwas fester sein, da das Brot sonst auseinanderrinnt. Um die Konsistenz des Teiges zu verbessern, solltest du ihn mit den Händen kneten, was Extrem-MinimalistInnen auch auslassen können. Der/die StudentIn knetet den Teig natürlich nicht auf der Arbeitsfläche in der Küche, sondern gleich vor Ort in der Schüssel. Sofern das Waschbecken in der Küche nicht durch Berge von schmutzigem Geschirr in Beschlag genommen wird, kannst du die Schüssel auch in die Abwasch stellen. Dadurch ersparst du dir das Abwischen der Arbeitsplatte, da beim Kneten meistens Mehl neben die Schüssel fällt. (Der Weltumsegler Bobby Schenk empfiehlt als andere Möglichkeit den Teig in einem Plastiksack zu kneten.)
Zum Kneten selbst brauchst du viel Mehl, vor allem auf den Händen, da sonst der Teig an den Fingern kleben bleibt. Also immer wieder etwas nachleeren, nach der ersten Minute Kneten wird es besser. Der Fantasie beim Kneten selbst sind keine Grenzen gesetzt, höchstens durch die Enge der Teigschüssel. Nach fünf Minuten Kneten ist der Teig fertig und soll in seiner Schüssel von einem halbwegs sauberen Geschirrtuch bedeckt (damit er nicht austrocknet) etwa eine Stunde gehen, bis sich sein Volumen in etwa verdoppelt hat.
Danach folgt das Lustigste am Brotbacken, das Abschlagen des Teiges. Damit die Gase entweichen können schlägst du mit der Faust einmal kurz in die Teigmasse. Danach muss der Teig nochmals 10 Minuten gehen, bevor er ins Rohr geschoben werden kann.
Das Backen
Das Brot wird im vorgeheizten Rohr bei ca. 200° mit Ober- und Unterhitze (auf keinen Fall Heissluft) gebacken. Dazu wird der Teig auf das mit Backpapier versehene Blech oder in die Brotfom gegeben. Die Backzeit selbst beträgt je nach Rohr und Größe des Brots 30 - 45 Minuten. Im Zweifelsfall ist es besser, das Brot etwas länger im Rohr zu lassen als zu kurz. Außen sollte das Brot schön braun sein und sich hohl anhören, wenn du auf die Unterseite klopfst.
Das Ammenmärchen, dass du von warmen Brot Bauchweh bekommst, ist übrigens wahr, aber ein geringer Preis, den du für den Genuss von warmen, frischen und selbstgebackenen Brot zahlst. Streng genommen sollte das Brot allerdings auf einem Gitterrost auskühlen und erst dann angeschnitten werden.
Brotbacken für Fortgeschrittene
Das oben beschriebene Brot ist ein unspektakuläres Standardbrot, an dem du über kurz oder lang die Lust verlieren wirst. Deshalb folgen hier einige fortgeschrittene Techniken, die das Brotbacken abwechslungsreicher gestalten.
Am einfachsten ist es mit zusätzlichen Zutaten zu experimentieren. Erlaubt ist dabei alles, was schmeckt. Beispielsweise kannst du geriebene Karotten, Oliven, Mais oder Käse unter den Teig mischen. Auch zusätzliche Gewürze wie Chilli, Kräuter und Knoblauch solltest du probieren.
Um die Oberfläche des Brotes schöner zu gestalten, kannst du es mit Öl oder einer Eierglasur bestreichen und anschließend mit Käse, Haferflocken, Sesam, Sonnenblumenkernen und ähnlichem belegen. Außerdem kannst du mit einem scharfen Messer (z.B. ein Skalpell) ein Muster in das Brot ritzen.
Ein Profitrick um ein besonders saftiges Brot zu erhalten: während des Backens mit einem Wasserzerstäuber Wasser in das heiße Rohr sprühen und damit Wasserdampf erzeugen! Natürlich sollte das Rohr nicht darunter leiden.
Die Königsdisziplin des Brotbackens ist das Backen mit Sauerteig, das mit seinem Aufwand jedoch dem Anspruch des studentischen Brotbackens nicht gerecht wird. Wer es trotzdem einmal versuchen will, findet im Reformhaus fertiges Sauerteigpulver oder kann sich auf den beiden unten angeführten Seiten informieren.
Ein Buchtipp für klassisches Brotbacken
Bücher über das Brotbacken füllen ganze Regale im Buchhandel, die Wahl nach dem richtigen fällt nicht leicht. Ich finde Bücher, die vor allem Rezepte enthalten, wenig sinnvoll, da du davon im Internet und in deiner Fantasie sowieso genug findest. Das von mir empfohlene Buch hat daher einen ausführlichen Grundlagenteil, in dem die wichtigsten Techniken, Zutaten und Geräte des Brotbackens ausführlich und mit vielen Bildern versehen erklärt werden. Aber auch der Rezeptteil kann sich mit seinen internationalen und abwechslungsreichen Rezepten sehen lassen. Wer also über das Stadium des studentischen Brotbackens hinauswächst und Hintergrundinformationen, neue Ideen und Tipps und Tricks sucht, dem lege ich dieses Buch an Herz:
Eric Treuille, Ursula Ferrigno - Brot backen (19,90 € bei amazon.de)
Fragen, Erfahrungen, Hinweise und Tipps und Tricks kannst du gerne als Kommentar posten oder mir als E-Mail zukommen lassen.
Gutes Gelingen!